Crucified Barbara & das Leben auf Achse

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Wir trafen Crucified Barbara auf ihrer aktuellen Europa-Tournee und haben sie ein wenig über das Leben “on the road” befragt. In unserem ersten face to face Interview für 11th Street Kidz erfuhren wir einiges über Partys im Nightliner, Soundchecks und wie man sich trotz Fastfood fit haelt.

Wir schreiben den 15. Dezember 2009, Dienstagabend. Der Winter lässt nicht mehr auf sich warten und in Deutschland ist es wahrscheinlich genauso kalt wie in Schweden. An diesem Abend haben wir von 11th Street Kidz unser erstes face to face Interview für unser eigenes Magazin im MTC (Köln) mit den Schwedinnen von Crucified Barbara. Natürlich schaffen wir es nicht rechtzeitig zur vereinbarten Uhrzeit im MTC zu sein, da ich den ausgemachten Treffpunkt nicht finde und wir kommen eine halbe Stunde zu spät.

cb_post_01Allerdings ist das kein Problem, denn auch bei den Crucified Barbaras läuft an diesem Tag nicht alles rund. Zwar sind die Mädels bereits ein paar Wochen auf Tour, allerdings ergeben sich jeden Tag neue Probleme. Heute sind es ein überlanges Foto-Shooting und ein kaputter Verstärker, die den Soundcheck weit nach hinten schieben und wir müssen trotz unserer Verspätung noch warten. Die Wartezeit wird uns allerdings durch einen vorzüglichen Soundcheck verkürzt. Der Soundcheck zeigt auch, was uns erwartet: Crucified Barbara sind knallhart und voller Spielfreude, Sängerin Mia überzeugt uns mit der Perfomance einiger schwedischer, uns unbekannter Stücke. Als der Soundcheck vorbei ist, freuen wir uns, da es endlich losgeht, unser erstes Interview für 11th Street Kidz. Doch wir müssen noch länger warten, denn der Pizzabote war gerade da. Während die Band isst, stellen wir alle unsere Fragen um, schmeißen die Hälfte raus und kritzeln neue hinzu. Nach dem Essen wollen wir dann loslegen, doch Bonafide legen einen ebenfalls coolen Soundcheck hin (Bemerkenswert: Sie machen ihren Soundcheck quasi während des Essens) und wir finden kein ruhiges Plätzchen. Zwischenzeitlich will der Besitzer des MTCs uns schon rauswerfen, da er denkt wir sind Besucher, die sich einfach so herein geschlichen haben, doch Tourmanager Johan sorgt für Aufklärung. Mia (Coldheart, Gesang & Gitarre) kommt auf uns zu, sagt das wir jetzt loslegen können und ihr nachgehen sollen. Wir schreiten über die Bühne durch eine enge Tür, steigen eine enge Metall-Treppe hinab und befinden uns in einem kleinen, versifften Raum ohne viel Komfort – so sehen also diese berühmten Backstageräume aus! Dort hängt auch Klara Force (Gitarre) rum und wir „zwingen“ sie dazu, beim Interview mit zu machen. Nachdem wir uns alle ein wenig über den Backstageraum lustig gemacht haben, setzen wir uns und starten unsere Recorder.

cb_post_02Nach einem kurzem Disput zwischen Marc und mir (Es ist immer besser, zwei Aufnahmen zu haben, eine wird nämlich nichts!) stellen wir endlich unsere erste Frage: Was macht Deutschland so besonders, dass sie wieder zu uns gekommen sind? „Backstage Areas!“, lacht Mia, während Klara uns erzählt, dass Crucified Barbara eigentlich noch nie richtig in Deutschland getourt haben, sondern es bisher nur vereinzelte Gigs gab. „Es war einfach mal an der Zeit, durch Deutschland zu touren!“, sagt sie. Vor drei Jahren war die Band sogar schon einmal hier in Köln, da haben sie im Hard Rock Café gespielt. Dieser Abend ist den beiden allerdings als nicht so gut in Erinnerung geblieben. „Das war richtig komisch damals!“, erinnert sich Mia. „Als wir dort ankamen, wunderten sie sich über unsere elektrischen Instrumente: Sie dachten wir seien eine Akustik-Band !“ „Der Typ der damals die Show gebucht hatte, hat das alles nicht gerade sehr professionell aufgezogen“, fügt Klara hinzu. „Das hat uns damals ziemlich enttäuscht.“ Man hatte ihnen eine Backline versprochen und gab ihnen Übungsverstärker für Kinder, doch die vier machten das Beste daraus. „Aber jetzt sind wir ja zurück und haben unsere eigene Backline und unser eigenes Equipment dabei!“ Marc wirft in die Runde, dass dort der Backstage-Bereich sicher besser war, aber Klara versichert, dass der Raum im MTC absolut ausreicht. „Dieser Raum hier ist ein echter Rock’n'Roll-Raum!“

cb_post_04Die Tour neigt sich an diesem Abend schon dem Ende zu, nach dem Gig stehen nur noch zwei Shows in Deutschland an und die Band zeigt sich sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. „Wir haben zwar 2006 schon eine ähnlich große Tour gespielt, doch die aktuelle Reise entspricht einfach mehr dem, was wir uns unter einer richtig guten Tour vorstellen.“, erklärt uns Mia, ehe wir wissen wollen, wie denn ein ganz normaler Tourtag so abläuft. „ Mein Tag startet immer gleich: Ich wache um Punkt 12:33 auf, jeden Tag! Es ist verrückt, dabei stelle ich mir gar keinen Wecker!“, sprudelt es aus Klara heraus. „Dann schau ich mir einen Film oder eine Serie an und warte darauf, dass wir am nächsten Club ankommen. Dann tragen wir unseren ganzen Krempel hinein und bauen ihn auf. Danach gibt’s den Soundcheck und dann warten wir auf die Show.“ Während Klara die fünf Wochen Tour bisher dazu genutzt hat, um sich alle sechs Staffeln der Sopranos anzuschauen, verbringt Mia ihren Tag ein wenig anders. Sie erzählt uns, dass sie eigentlich den ganzen Tag in ihrer Koje liegt, an die Decke starrt und nur darauf wartet, dass es endlich wieder losgeht.Für ein bisschen Sightseeing im nächsten Auftrittsort bleibt allerdings immer noch etwas Zeit, so waren die Mädels an diesem Tag zum Beispiel auf dem Kölner Weihnachtsmarkt und haben dort ein paar Glühwein getrunken.

cb_post_07Wir erfahren, dass die Band keine festen Rituale zur Vorbereitung auf eine Show hat, Mia und Klara aber versuchen jeden Abend vor einem Gig 20 Push-Ups zu machen. „Wir versuchen, während einer Tour fit zu bleiben, aber das ist echt hart. Wir essen viel Fast-Food, bleiben jede Nacht lange auf und machen auch die ein oder andere Party“, erklärt Mia und Klara fügt hin zu, dass es allerdings kein besseres Training gibt, als auf der Bühne zu stehen. „Das Essen ist auch das einzige,  was ich von zuhause vermisse. Wie gesagt, das Essen auf Tour ist zwar gut, aber nicht gut für deinen Körper!“, ergänzt sie dann noch. Wie ich am Anfang bereits schilderte haben wir vor dem Interview den kompletten Soundcheck von Crucified Barbara gesehen und uns über Mias Gesangsleistung bei einigen schwedischen Songs gefreut. Dies brachte in uns die Frage auf, warum Crucified Barbara nicht auch ihre eigenen Songs in ihrer Landessprache spielen, doch Mia lässt uns nicht lange darüber grübeln. „Das stand einfach nie zur Debatte. Als ich im Teenager-Alter anfing, Songs zu schreiben war es auch ziemlich out, Songs auf Schwedisch zu schreiben.“ Klara überlegt kurz und bringt dann zwei Argumente die den Nagel auf den Kopf treffen: „Ich denke, dass es die Zielgruppe unserer Band auch sehr einschränken würde, wenn wir nur auf Schwedisch singen würden. Außerdem ist Englisch einfach die Rock’n'Roll Sprache schlechthin!“

cb_post_03Auch wenn Crucified Barbara mittlerweile Headliner-Status haben, würden sie dennoch gerne noch einmal  für ein paar ihrer Lieblingsbands den Anheizer spielen. Mia würde gerne für Alice In Chains eröffnen, doch Klara sieht das etwas anders. „Ich würde es richtig geil finden, mal Judas Priest zu supporten.“ Ihre eigene Support-Band, Bonafide, kannten sie schon vor der gemeinsamen Tour und das war auch gut so, denn so wussten sie schon ungefähr, was sie erwarten würde. „Die Jungs haben die untere Etage unseres Tourbusses in einen Nachtclub verwandeln. Es ist echt witzig, aber sie halten es jetzt schon seit fünf Wochen durch, jede Nacht bis 6 oder 7 Uhr morgens durchzufeiern“, erzählt Mia und lacht dabei. Klara erklärt uns daraufhin die Abmachung, die zwischen den beiden Bands getroffen wurde. „Wir haben abgemacht, dass im oberen Teil des Busses Ruhe herrscht, da dort die Betten sind. Aber im Prinzip ist das Schwachsinn, weil man oben alles ganz genau hört was unten abgeht und da unten geht wie gesagt jede Nacht was ab.“

cb_post_05Als letztes wollten wir von den beiden wissen, ob sie lieber auf großen Festival-Bühnen spielen oder in so kleinen Clubs wie dem MTC. Mia meint dazu „Ich mag beides, nur bevorzuge ich höhere Bühnen als die heute Abend. Es ist zwar schön, so nahe an den Fans zu sein, aber es ist auch gefährlich und sehr stressig. Man muss ständig aufpassen, dass niemand gegen den Mikrofonständer schlägt und dir das Mikro ins Gesicht haut. Auf dieser Tour ist das schon einige Male geschehen, aber es ist bisher immer gut ausgegangen. Ich hab auch noch alle meine Zähne!“. Wir bedanken uns bei Mia & Klara für das Interview und ich lasse mir noch ganz uncool meine Alben signieren (ich bin halt auch nur ein Fan!). Wieder oben angekommen gönnen wir uns ein paar Bierchen und schauen uns kurz darauf Bonafide an. Diese bieten rund 45 Minuten einen Querschnitt durch ihr Debüt-Ablum Something’s Dripping. Mein persönliches Highlight ihres Sets war Fill Your Head With Rock.

cb_post_06Nach einer kurzen Umbauphase entern dann Crucified Barbara die Bühne mit Killer On His Knees und fegen uns alle weg: Von dieser Energie können sich einige andere Combos einiges abschauen. Diesen hohen Level halten Crucified Barbara über die gesamte Spielzeit aufrecht und schmettern Hits wie Killed By Death, Blackened Bones & In Distortion We Trust kräftig und druckvoll ins Publikum. Rund 100 Leute haben sich an diesem Abend ins MTC verirrt, zwar nicht viele aber es reicht, um die Band gebührend zu feiern. Jennyfer ist echtes Highlight und kommt live um einiges härter rüber als in der Album-Version, dazu entpuppt sich der Song als amtliche Mitsing-Nummer. Nach dem Ende des offiziellen Sets verlangen wir lautstark nach mehr und wir kriegen mehr: Das zunächst von Mia allein angestimmte My Heart Is Black und Rock&Roll Bachelor bilden den Abschluss dieses Hammergigs. Nach dem Gig kamen sie dann noch vorn an die Bar, haben den Fans Autogrammwünsche erfüllt und geduldig für Fotos gepost. Ich denke an diesem Abend ist niemand unzufrieden nach Hause gegangen. Wir auch nicht, denn wir haben ein gutes Interview gehabt und ein tolles Konzert gesehen. Crucified Barbara haben sich den Arsch abgespielt und für mich  einen der besten Gigs, den ich seit langer Zeit gesehen habe, hingelegt.

www.crucifiedbarbara.com // www.myspace.com/crucifiedbarbara

Interview by Marc & Eric Borderline // Questions by Danny Dirt, Marc & Eric Borderline

4 thoughts on “Crucified Barbara & das Leben auf Achse

  1. Like_a_Bauss says:

    Wow, Super Abend das war! Next time bigger!
    Jutes interview, und tolle sachen. Gut geschrieben, mit voller spass!

    nicht vergessen weiter zu linken….
    gruß aus NZ.

    http://tiny.cc/FPrSP

  2. Niko says:

    Klingt ja nach einem lustigen Abend. Gut, dass das Interview noch zustande kam. Mit den Mädels würde ich auch gerne mal bis tief in die Nacht im Bus feiern ;-) Klingt so, als würde es bei denen öfter mal chaotisch zugehen, but that’s Rock’n'Roll! Solange keine der Damen eine Gurke in der Hose hat xD. Das Lesen macht lust auf mehr, bin schon auf den nächsten Bericht gespannt! ;)
    Rockige Weihnachtsgrüße,
    Niko!

  3. Beasty Baby says:

    Das nenn ich mal nen ordentlichen Einstieg! ;)
    Hört sich nach nem super Abend an. Ich bin gespannt, wen ihr als nächstes ausquetschen werdet! ;)

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