Andy Brings-Live In Muelheim

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Dieser 22. Januar 2010 ist ein ganz besonderer Freitagabend: Die 11th Street Kidz machen sich auf den Weg zu ihrem zweiten gemeinsamen Konzert und dieses Mal verlassen sie dazu die Koelner Stadtgrenzen: Es geht nach Muehlheim an der Ruhr und Ziel des heutigen Tages ist die Release-Party von Andy Brings neuem Album Rock’N'Roll.

Dieses Mal organisieren wir unseren Weg zum Venue richtig gut, es steht auch kein Interview an und wir haben bis acht Uhr Zeit, ehe die erste Band spielt – aber wir schaffen es trotzdem, zu spät zu kommen. Schuld daran ist ein liegengebliebener LKW auf der A3, der uns knapp eine Stunde irgendwo in der Wallachei festhält. Als uns unser Navigationsgerät verkündet “Sie haben ihr Ziel erreicht”, staunen wir nicht schlecht: Der Handelshof in Mülheim sieht aus wie ein Schickimicki-Hotel – unvorstellbar, dass da heute Abend Rock ‘n’ Roll abgehen soll. Natürlich suchen wir erst einmal eine halbe Stunde nach einem Parkplatz, der Höhepunkt ist die Einfahrt in eine Tiefgarage: Wir stellen fest, dass diese nur bis 21 Uhr geöffnet hat und fahren schließlich rückwärts wieder raus. Wir finden trotzdem noch einen Parkplatz, der sogar kostenfrei ist – für uns Köln-Bewohner einfach unglaublich, und wir vergewissern uns vorsichtshalber doppelt und dreifach. Nachdem wir uns noch etwas Bargeld in der prunkvollsten Sparkassen-Filiale besorgt haben , die es auf der Welt gibt, machen wir uns auf den etwa zehnminütigen Fußmarsch durch die Kälte Mülheims. Zunächst atmen wir auf, als wir merken, dass nicht das Nobelschröder-Hotel das Geschehen beherbergt, sondern ein separater Saal nebenan.

Als wir darin stehen, macht sich allerdings Ernüchterung breit: Parkett, Kronleuchter, Snobs, eine Imbiss-Ecke mit Käsebrötchen und das Bier gibt es aus edlen Gläsern mit diesem Tropfenauffangpapier-Dings unten drum. Ihr wisst schon, was ich meine, keine Ahnung, wie dieser Mist richtig heißt. Wieder machte sich dieses Gefühl in der Magengegend breit: Hier soll heute Rock’n'Roll abgehen? Wie ich anfangs erwähnte, sind wir eine gute Ecke zu spät und die erste Band (Blackwell oder Angerer oder eine ganz andere Band) zockt bereits ihren letzten Song: The Trooper von Iron Maiden. Ich glaube zumindest, dass es The Trooper ist, bei dem was da aus der PA kommt, kann man kaum von „Sound“, „verstehen“ und „geil“ sprechen. Es interessiert uns auch nicht weiter und wir kippen erst mal ein paar von den Bierchen, die eigentlich für die oberen 10.000 vorgesehen waren.  Ich stelle beiläufig fest, dass Andy Brings bereits auf der Bühne steht, um mit diesen Jungs The Number Of The Beast (ich sagte ja bereits, der Sound war sehr schlecht) zu spielen, aber meine Begleiter schauen nur flüchtig zur Bühne und widmen sich dann wieder ihren Getränken. Wichtig heute Abend ist, dass der kleine Finger beim Trinken immer von der Hand absteht, damit man nicht so auffällt und seinen Arbeiterklassen-Status einigermaßen verstecken kann. Als die erste Band (Blackwell oder Angerer oder eine ganz andere Band) die Bühne verlässt, geht auf einmal das Licht im Saal an und es ist taghell. Doch noch mehr erschrecken wir uns, als plötzlich eine Kellnerin mit Perücke neben uns auftaucht und unsere leeren Gläser einsammelte. Dann fragt sie uns auch noch, ob wir etwas neues bestellen wollen. Unglaubliche Frechheit!

Nach einer 30-sekündigen Umbauphase (ohne Scheiß, es waren vielleicht keine 30 Sekunden, aber es ging sauschnell) kommt auch schon die zweite Supportband des Abends, Blackwell oder Angerer oder eine ganz andere Band, auf die Bühne und schmettert ein paar Songs mit miesem Sound in den Thronsaal der Mühlheimer. Die Show der Jungs  (Blackwell oder Angerer oder eine ganz andere Band) ist im wahrsten Sinne des Wortes einfach umwerfend (Insider-Witz)! Nach ihrem Set brechen wir ein bisschen was von dem Bier, das wir getrunken hatten, wieder weg und besorgen uns noch neues, ehe wir uns etwas weiter vorne positionieren (hier befinden sich ebenfalls ein paar Arbeiter-Kinder, ganz arme Dinger! Schrecklich!) und auf Andy Brings warten.

Dieser lässt auch nicht lange auf sich warten und steigt mit Schlaflos in sein Set ein. Jedenfalls mit dem, was man davon hört. Bis auf Andy, Schlagzeug und Keyboards hört man eigentlich gar nichts. Neusängerin Stephanie Nix macht dafür schon in den ersten Sekunden des Gigs relativ deutlich, dass sie für die Hauptrolle des Robocop-Remakes einfach die richtige ist:  Er würde auch so tanzen. Hören kann man allerdings auch sie nicht wirklich, der Sound wurde während des Gigs allerdings noch einigermaßen erträglich und nachdem ein Beetlejuice-Verschnitt auf der Bühne einen Kabelsalat  entwirrt, kann man Frau Nix sogar hören.

Andy klärt uns schnell darüber auf, wieso er den Handelshof für dieses Konzert ausgewählt hatte: Er bekam in diesem Saal sein Abiturzeugnis und es sei eine Ehre für ihn, auf dieser Bühne zu stehen und Musik zu machen. Ein echter Lokalpatriot eben! Gespielt wurden alle Songs des Rock`N’Roll-Albums, inklusive meines Lieblingssongs Ist Sie Nicht Sexy?, Las Das Licht Noch An und Schöner Vorgestellt.
Dazu gab es einige gute Showeinlagen: Drummer Tim Husung legte ein richtig geiles Drumsolo hin und Peter Fischer tanzte uns seinen Namen.
Als Zugabe gab es einen Song, den ich schon fast vergessen hatte. Die Rede ist von Ganz Normal, ein Song, der mir schon besonders aufgefallen ist, als ich Andy Brings Solo das erste Mal im Underground (Köln) Live gesehen habe. Wie konnte ich diese saustarke Nummer nur vergessen? Im anstehenden Interview mit Andy werden wir wohl einmal hinterfragen müssen, wieso es dieser Titel nicht mit auf das Album geschafft hat.

Bitte lasst euch von der sarkastischen Schreibweise meines Artikels bis hier hin nicht abschrecken; denn es war ein wirklich gelungener Abend mit einem richtig  guten Konzert.
Der Sound war zwar nicht optimal, doch Andy und seine Band trösteten mit einer sehr guten Performance darüber hinweg – und ob ihr es glaubt oder nicht: Das Publikum war sogar in der Lage, richtig Stimmung zu machen. Wenn ihr die Chance dazu habt, Andy Brings live zu sehen, dann nehmt diese bitte auch wahr: Es lohnt sich! Denn trotz dieser doch etwas besseren Location, dem zum Teil etwas besseren Publikum und dem Bierabtropfpapier verdient dieser Abend doch das Prädikat „Rock’n'Roll“.

Zum Abschluss möchte ich mich noch bei allen, die sich durch diesen Bericht auf den Schlips getreten fühlen, entschuldigen.
 
 

www.myspace.com/bringsandy // www.myspace.com/andybrings

Photography by Shira Laηe

3 thoughts on “Andy Brings-Live In Muelheim”

  1. The_Baus says:

    Hier nochmal ein video von dem gesagtem Abend, der Ton ist halt nicht so gut, ob dies an der Kamera-technik wohl liegt?

  2. Pogo says:

    Nicht nur der Sound – auch das Licht war beschissen. Auf ner richtigen Bühne wäre das sicher nicht passiert. so ein piekfeiner Laden ist sicher nicht auf rock eingestellt!

  3. Nise says:

    Harte Worte… aber dennoch wahr.
    Trotzdem war’s ein lustiger Abend, auch mit ungewohntem Publikum in nobler Location.

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