Crashdiet-Generation Wild

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Die Bandgeschichte von Crashdiet laesst sich fast mit der der fiktiven Band Steel Dragon aus dem Mark Wahlberg-Film Rock Star vergleichen: Crashdiet waren die Vorreiter einer ganzen Bewegung, als sie auf tragische Weise ihren Frontmann Dave Leppard verloren. Die Band war kurz davor sich aufzuloesen.

Doch sie fanden in Olliver Twisted einen Natural Born Rockstar und lieferten mit ihrem zweiten Album The Unattractive Revolution ein wahrlich grandioses Zweitwerk ab – ehe Olli sich verabschiedete und die Band wieder einmal ohne Saenger da stand. Mitte letzten Jahres kuendigte die Band einen dritten Anlauf zusammen mit Simon Cruz, dem bereits dritten Sänger der Band, an. Ob es den vier Schweden gelungen ist, mit Generation Wild ein weiteres Meisterwerk abzuliefern, erfahrt ihr nach dem Klick.

Bereits Monate vor dem Release des bereits dritten Albums der Band, Generation Wild, veröffentlichten Crashdiet einen Demo-Song namens Caught In Despair auf ihrer Homepage und ernteten zwar auch viel Lob, bekamen aber mindestens genauso viel Tadel. Für viele klang der Track zu Metal-lastig, einige User des Crashdiet-Forums benutzten den Ausdruck „Power Metal“ als Beschimpfung. Eines machte der Song allerdings unmissverständlich klar: Neuzugang Simon Cruz, der von den schwedischen Sleazerockern Jailbait zur Band stieß, passt perfekt an das Mikro des Crashdiet-Sounds. Vor dem Release des Albums erschienen immer wieder neue Song-Schnipsel auf der Crashdiet-Website, die wieder sehr viel klassischer klangen und die Erwartungen an die Make-It-Or-Break-It-Scheibe der Band ins Unermessliche steigen ließen. Crashdiet haben sich diese hohe Messlatte allerdings selber gelegt: Ihr Debüt Rest In Sleaze sorgte im Jahr 2005 für die große Wiedergeburt des Glamsounds der Achtziger und löste die große Welle des New Wave Of Swedish Sleaze aus.

Ihr Zweitwerk The Unattractive Revolution brachte mit Olliver Twisted einen der besten Sänger der letzten Jahre hervor und kam in der Musikwelt ebenfalls sehr gut an.  Hinzu kommt, dass ihr verstorbener Frontmann Dave Leppard das Idol der neuen Glamwelle ist und das Debüt Rest In Sleaze mit seinem Charme, seinen Songwriter-Fähigkeiten und seiner eigenwilligen Ausdrucksweise zu dem gemacht hat, was es ist: Ein Klassiker. Doch im Frühjahr 2010 ist die New Wave Of Swedish Sleaze nicht mehr so beliebt wie noch vor ein oder zwei Jahren, das Gegenteil ist der Fall: Vielen gehen die beinahe unendlichen Sleaze-Neuerscheinungen aus dem hohen Norden nur noch auf die Nerven, in Deutschland denkt jeder Ruhrpottler mit Vokuhila und Stiefeletten, er sei ein Glamrocker und die Amis, die natürlich auch auf den Zug aufgesprungen sind, sind meistens auch nicht mehr als eine einfache Kopie. Klar, Crashdiet machen auch oft nicht anderes als zu kopieren und neu zu interpretieren, doch sie haben einen unverkennbar eigenen Stil in ihre Musik integriert und gelten somit vollkommen zu Recht immer noch als die Anführer der neuen Sleaze-Bewegung.

Es lastete im Vorfeld also viel Druck auf dem skandinavischen Quartett und viele Augen waren auf sie gerichtet. Kurz vor dem Release erschien die erste Single-Auskopplung, die denselben Namen trug wie das Album: Generation Wild. Nachdem Generation Wild draußen war, ging sofort überall die Post ab: Dieser Song spiegelt genau das wieder, wofür Crashdiet stehen und war genau das, was die Fans von ihnen erwartet haben. Ein fettes Riff, hohe Schreie, bombastische Background-Chöre und ein Refrain, der sich unbarmherzig und ohne Gnade sofort ins Gehirn bohrt. Leider konnten sie zwei Bonus-Tracks der Single, One Of A Kind & Fear Control, dieses Level nicht halten und sorgten unter den Fans eher für Enttäuschung und Stirnrunzeln. Doch man sollte es der Band nicht zu übel nehmen, schließlich sind diese zwei Songs nur B-Seiten und als Geschenk für die Fans gedacht gewesen. Vielleicht wäre hier Caught In Despair (Ja, ich mag das Lied!) angebrachter gewesen?

Doch nun ist er endlich da, der  14. April 2010, Stichtag: Der Generation Wild Longplayer feiert seinen offiziellen Release und kann endlich in voller Pracht bewundert werden. Ich weiß, dass viele Leute es nicht mögen, wenn ich immer jeden Song einer Platte einzeln durch den Kakao ziehe, doch in diesem Fall geht es einfach nicht anders. Schließlich geht es um das Überleben einer ganzen Szene – schließlich geht es um eine meiner Lieblingsbands. Den Anfang macht ein Intro, das mit Alarmglocken und reichlich anderem Getöse in den Opener des Albums, genannt Armageddon, übergeht. Armageddon beginnt mit einem für Martin Sweet typischen Riff, bevor ich das erste Mal richtig von Simon Cruz‘ Stimme beeindruckt bin:  Er erinnert mich an den jungen Sebastian Bach zu Zeiten des Skid Row-Debüts. Hört euch seine Screams an und die „tiefe“ Stimme, dann wisst ihr, was ich meine (hier schließt sich irgendwie auch wieder ein Kreis: Dave Lepards größtes Vorbild war Sebastian Bach. Jetzt haben Crashdiet einen Sänger, der sich anhört wie Bach. Schicksal?). Die gute Strophe des Songs  geht in eine richtig geile Bridge über, doch der Refrain zerstört den gesamten Song. Das ganze tönt viel zu langweilig und unspektakulär. Das Gitarrensolo von Martin Sweet ist dafür wieder sehr gut – doch danach passiert etwas, was bei fast jedem Song des Albums in dieser Form noch passieren wird: Ein etwas ruhiger Part, ein Chor singt den Refrain während Simon noch ein paar hohe Screams drüber legt, manchmal noch ein paar Leads dazu und dann geht es für alle wieder schön geordnet in den Refrain. Das scheint ja kein schlechtes Schema zu sein, passiert mir aber auf Generation Wild eindeutig zu oft und das trübt den Gesamteindruck etwas.

Der zweite richtige Track des Albums heißt So Alive und hier haben wir schon das erste richtige Highlight der Scheibe. Was für ein Riff, was für ein Refrain, was für eine Gesangsleistung von Simon Cruz – der Mann hat d e f i n i t i v Eier. Es folgt die bereits bekannte Single und Titeltrack Generation Wild – dazu brauche ich nichts mehr sagen, Highlight Nummer Zwei.
Der nächste Song des Albums nennt sich selbst Rebel und beginnt mit einem Motorrad-Sound – der Rest der Nummer erinnert mich irgendwie total an Judas Priest, aber auch an den Crashdiet-Songs Thrill Me vom Vorgänger-Album The Unattractive Revolution. Leider kann das Motorrad am Anfang nicht mit dem von Painkiller mit halten, aber der Song an sich weiß zu gefallen – auch wenn er nicht überall auf Gegenliebe stoßen wird, schließlich fahren Crashdiet hier wieder eindeutig auf der Metal-Schiene.  Zum nun folgendem Save Her sagte mein Freund Danny gestern noch folgendes: „Mann, Alter, Crashdiet haben mit Save Her den Song des Jahres geschrieben – ganz, ganz großes Kino!“. Ich glaube danach ist er vor Aufregung in Ohnmacht gefallen oder hat erst einmal zum Runterkommen ein Bierchen gezischt. Ich kann diesen Kommentar sehr gut nachvollziehen, wage aber noch nicht zu sagen, dass Save Her der beste Song des Jahres ist – aber er hat das Zeug dazu. Wieder einmal ist es Simon, der mit einer geilen Gesangsleistung den Song zu etwas Besonderem macht, besonders der Gesang in den Strophen hat es mir angetan!

Down With The Dust hat sich allerdings ebenfalls in meinem Gehörgang eingenistet. Die Leadgitarre liefert eine wunderbare Melodie und die Bridge ist erfrischend anders. Leider können mich die zwei folgenden Songs, Native Nature (bei dem wieder hauptsächlich die Metal-Schiene befahren wird) und Chemical, nicht so ganz überzeugen – allerdings war ich nach dem ersten Hördurchgang von Generation Wild von keinem Song so richtig angetan, doch dieses Album braucht definitiv mehrere Durchläufe, um richtig zu zünden. Also vielleicht kommt das ja bei diesen beiden Songs auch noch.
Die letzten beiden der insgesamt zehn Tracks (mit Intro 11) haben es dagegen wieder in sich. Bound To Fall ist ein weiterer für  Crashdiet typischer Song mit stampfendem Riff und einem Chorus, der sich fest in den Hirnwindungen verschraubt. Das Album wird mit der Ballade Beautiful Pain abgeschlossen, doch wenn ich sage “Ballade”, dann meine ich damit in diesem Fall keinen Schnulz-Song á la Mötley Crüe’s Without You oder ähnlichem – Beautiful Pain ist eine Ballade, die es einem eiskalt den Rücken runterlaufen lässt. Einmal mehr ist es  Simon Cruz, der eine mehr als amtliche Leistung abliefert und diesen Song dadurch erst vollendet. Dieser Song erinnert mich vom Gesang her sehr an die Skid Row-Balladen – und jeder der mich kennt, weiß wie sehr ich diese liebe. Also liebe ich auch Beautiful Pain – ganz großes Kino, Danny.

Die Produktion des Albums ist druckvoll, allerdings auch sehr stark komprimiert – hier liefert Generation Wild nur durchschnittliche Qualität. Wie ich eingangs schon einmal beiläufig erwähnte, ist das dritte Album einer Band immer das Make-It-Or-Break-It Album – das heißt, entweder sie schaffen damit den endgültigen Durchbruch  oder sie sind weg vom Fenster. Ich denke, dass Crashdiet mit Generation Wild nicht den endgültigen Durchbruch schaffen werden, dafür zündet das Album einfach zu spät. Während Rest In Sleaze und The Unattractive Revolution sich bereits nach dem ersten Hördurchgang unwiderruflich in das Gehör gebrannt hatten, benötigt Generation Wild einfach drei bis vier Durchgänge, ehe es seine volle Pracht entfaltet. Dann findet man allerdings ein Album vor, das vielleicht nicht das Zeug zu einem Klassiker hat wie die zwei Scheiben davor, aber immer noch reicht, um alle anderen Bands in der New Wave Of Swedish Sleaze wegzufegen und auch andere Rockbands auf ihre Plätze zu verweisen. Deswegen sage ich, dass Generation Wild der Band zwar nicht den endgültigen Durchbruch bringt, sie aber weiter am Leben halten wird. Ihr nächstes Werk wird sie in ungeahnte Sphären katapultieren.

Facts

  • Release: 14 April 2010
  • Label: Gain
  • Format: CD
  • Songs: 11
  • Spielzeit: 39:27

Links

Tracklist

  • 01. Intro
  • 02. Armageddon
  • 03. So alive
  • 04. Generation wild
  • 05. Rebel
  • 06. Save her
  • 07. Down with the dust
  • 08. Native nature
  • 09. Chemical
  • 10. Bound to fall
  • 11. Beautiful pain

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Pictures: Crashdiet MySpace

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