Ozzy Osbourne-Scream

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Was wurde im Vorfeld ueber Ozzys neuste Scheibe gemeckert? „Ohne Zakk Wylde wird das eh nichts!“, sagte zum Beispiel ein Bekannter von mir. Ein anderer wiederum meinte kurz vor dem Release, dass Kevin Churko der absolut falsche Produzent fuer Ozzy sei. „Durch ihn klingt Ozzy viel zu modern, das passt einfach nicht.“ Diesen Freitag war es nun soweit und Ozzys mittlerweile elftes Solo-Album stand in den Plattenlaeden der Welt zum Kauf bereit. Natuerlich besorgte auch ich mir eine Kopie davon und hoerte einmal genauer hin, ob Scream tatsaechlich der angekuendigte Rohrkrepierer ist.

Ich muss zugeben, dass ich mir Scream nicht bei meinem Plattendealer um die Ecke gekauft habe (den es hier eh nicht gibt…. Es wird Zeit für eine Kolumne zu diesem Thema!) sondern im Internet bestellt habe. Gott sei Dank wurde mein Päckchen, in dem sich noch ein paar andere geile Scheiben befanden, pünktlich um 9 Uhr morgens geliefert. Die Postbotin hat sicherlich nicht schlecht geguckt, als ich ihr in Unterhosen und mit verwuschelter Haarpracht die Tür öffnete – aber hey, ich war schließlich gerade erst aufgestanden. Eigentlich bin ich sogar nur durch das Klingeln aufgewacht. Ich habe mich dann sofort über das Paket hergemacht und fast verpasst, dass die nette Dame von der Post auch noch meine Guns N’Roses Karte für Arnheim im Oktober dabei hatte. Jedenfalls hab ich dann erstmal die Eintrittskarte sicher verstaut, dann schließlich das Paket aufgerissen und mich sofort über Scream hergemacht. Allein das Cover zauberte mir schon ein kleines, aber feines Lächeln auf mein Gesicht: Das klassische Ozzy-Logo, so wie es in den Achtzigern Verwendung fand, ist wieder da! Dazu hat das Cover echtes Kultpotenzial: Kein Logo (der Ozzy-Schriftzug ist nur ein Aufkleber auf der Hülle), kein Titel und keine Titel-Angaben auf dem Backcover. Letzteres kann evtl. mal nervig werden, da man zum Nachschauen der einzelnen Tracks immer ins Booklet gucken muss. Das Booklet ist dafür aber ganz ordentlich gemacht – ein paar Fotos und alle Lyrics, was will man mehr?

Mittlerweile war auch mein CD-Player einsatzbereit (Er braucht tatsächlich eine Minute zum Starten. Warum das so ist, erkläre ich euch ein anderes Mal…) und ich konnte mich der Musik auf Scream hingeben. Bevor ich auf die Songs eingehe, möchte ich euch noch sagen, dass ich es tunlichst vermieden habe, mir vor dem Release des Albums auch nur einen einzigen Song davon irgendwo anzuhören! Den Anfang macht ein Track namens  Let It Die. Das erste, was ich dachte, war genau wie schon beim Vorgänger Album Black Rain: Wow, fetter Sound. Auch Zakk Wyldes Ersatz Gus G (kommt von der Metal-Formation Firewind) begrüßt uns gleich mit einem knackigem Lead und wird von mir sofort als tauglich eingestuft. Selbst der größte Zakk Wylde-Fan muss zugeben, dass Gus‘ Stil nicht so weit weg von Zakks ist. Also nach den ersten 30 Sekunden hatte ich schon zwei positive Eindrücke gewonnen. Kevin Churko hat wieder eine gute Produktion hingelegt, auch wenn die Komprimierung  (wie bei allen aktuellen Produktionen) etwas zu viel des Guten ist. Der zweite Gedanke, der mir kam, war allerdings nicht ganz so positiv: Fuck man, was haben sie mit Ozzys Stimme gemacht? Das der Mann digitale Bearbeitung im Studio braucht, um noch einigermaßen hörbar zu klingen dürfte jedem klar sein, aber die Strophen in Let It Die hören sich ja nicht einmal nach Ozzy an! Doch spätestens in der Bridge können wir Ozzy-Jünger wieder aufatmen, denn dort erkennen wir unseren Prince Of Darkness eindeutig  wieder!

Let It Die ist mit einem Refrain ausgestattet, der sich direkt tief ins Hirn frisst und Gus’ Solo lädt ordentlich zum Haare schütteln und Luftgitarre spielen ein. Daumen hoch! Der zweite Track des Albums, Let Me Hear You Scream ist sowas wie der Titeltrack des Albums. Der Song ist der absolute Wahnsinn und etwas ganz neues im Ozzy-Universum: So einen Refrain gab es bei Ozzy noch nie! Ich meine, klar, Ozzy hatte schon immer geile Refrains, aber dieser hier hat so viel Power, das es einen einfach in den Wahnsinn treibt. Gus G bestätigt übrigens in dieser Nummer nur den guten Eindruck von Let It Die – der Junge hat es schon drauf, muss man sagen. Ich war im Vorfeld selber etwas skeptisch, ob das Album mir gefallen wird, schließlich ist Ozzy ohne Zakk mittlerweile schon ein heftiger Brocken. Ich dachte mir, dass ohne Zakk Ozzy die Songs mit den ganz fetten Riffs fehlen werden, doch Soul Sucker belehrt mich eines besseren: Dieses Riff ist so unglaublich heavy, das es einem fast die Luft zum Atmen nimmt. Es kommt wie eine Dampfwalze über einen gerollt und lässt einen nach knapp fünf Minuten einfach nur total überwältigt zurück, so dass man erst einmal eine kleine Verschnaufpause braucht.

Diese kleine Pause bekommt man mit Life Won’t Wait auch direkt im Anschluss, wobei ich sagen muss das Life Won’t Wait irgendwie keine typische Ozzy-Ballade ist. Klar, sie fängt mit ihren akustischen Gitarren an wie eine typische Ozzy-Ballade, ehe es in der Bridge wieder eine E-Gitarre zu hören gibt, deren Riff sich wieder einmal mehr kilometertief in die Hirnwindungen frisst. Doch irgendwie  ist der Song einfach zu heavy, als dass ich ihn als reine Ballade abstempeln würde. Für mich ist Life Won‘t Wait ein Highlight des Albums und ich bin mir sicher, dass dieser Song auch als Single funktionieren würde – auf jedenfall ist es die beste Arbeit auf dem Album von Bassisten Blasko! Die nächste Nummer, Diggin‘ Me Down, ist schwerer zugänglich als die bisherigen vier Tracks des Albums – bereits das Intro wirkt sperrig und bereitet einen so sehr gut auf das sehr harte Riff des Songs vor. Diggin‘ Me Down zeigt am deutlichsten, dass Gus G wie Zakk Wylde klingt. Klingen soll. Klingen will.  Klingen muss. Lyrisch gesehen ist Diggin‘ Me Down ein Hammer! Aber auch musikalisch sollte man dem Track eine Chance geben: Auch wenn er vielleicht zwei bis drei Anläufe brauchen mag, findet man hier einen klasse Track mit einer  tollen Hookline vor. Crucify schlägt textlich in dieselbe Kerbe, der Song an sich ist aber fast schon das komplette Gegenteil von Diggin‘ Me Down: Es geht flott zur Sache, das Riff ist fast schon ein bisschen „catchy“. Insgesamt vielleicht sogar der schwächste Track des Albums, trotzdem aber noch eine gute Nummer.

Fearless ist mit einem starken Chorus ausgestattet und macht einfach nur Spaß. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Song auch live ganz gut ankommen würde (Also Ozzy, spiel ihn in Oberhausen, man!). Als ich den Titel des nächsten Songs las, nämlich Time, rechnete ich mit einer Ballade.  Und genau das bekam ich auch – eine ruhiges Intro, ein bisschen Schlagzeug und Bass, ein bisschen Keyboard und ein bisschen Ozzy machen diesen Song aus. Wie aber auch schon bei Live Won’t Wait schlägt der Song im Refrain wieder etwas zum, Gus Gitarre kommt heavy daher und zerstört so etwas das Balladen-Feeling: Das war auf Black Rain mit Here For You und Lay Your World On Me besser gelöst! Die beiden nächsten Tracks, I Want It More & Latimer’s Story, sind wieder gestandene Rocker ganz in der Tradition der letzten Alben: Gute Nummern, die einfach nur Spaß machen und auf einem hohen Qualitäts-Level angesiedelt sind, auch wenn sie nicht ganz so zu überzeugen wissen wie die erste Hälfte des Albums.

Den Abschluss des Albums macht ein Song, den Ozzy extra dafür geschrieben hat: I Love You All. Mit den Worten „We All Must Stand Together Now, Or One By One We Fall, For All These Years You’ve Stood By Me, God Bless, I Love You All.“  Hiermit verabschiedet Ozzy sich für dieses Album von seinen Fans.
Insgesamt kann ich euch sagen, das sämtliche Zweifel nicht gerechtfertigt waren – Gus G ist ein guter Zakk Wylde-Ersatz, Kevin Churko nach wie vor ein ordentlicher Produzent und Songwriter und Scream ist ein gutes Album, ganz im Stil seiner Vorgänger Down To Earth und Black Rain. Also Leute, kaufen, hören und glücklich sein: Ozzy hat es immer noch drauf!

Facts

  • Release: 18 Juni 2010
  • Label: Epic / Sony
  • Format: CD
  • Songs: 11
  • Spielzeit: 49:07

Links

Tracklist

  • 01.    Let It Die
  • 02.    Let Me Hear You Scream
  • 03.    Soul Sucker
  • 04.    Life Won’t Wait
  • 05.    Diggin‘ Me Down
  • 06.    Crucify
  • 07.    Fearless
  • 08.    Time
  • 09.    I Want It More
  • 10.    Latimer’s Mercy
  • 11.    I Love You All

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2 thoughts on “Ozzy Osbourne-Scream”

  1. Danny says:

    Endlich wieder ein Beitrag. Wurd ja auch Zeit. Und dann auch noch über Ozzy, einer meiner Helden, wie du ja sicherlich weißt ;). Ich habe Scream jetzt einige mal intensiv durchgehört und sehe es ähnlich wie du. Die Scheibe ist ein knaller. Allerdings wurd ich nicht sofort nach einmal hören damit warm. Der Opener ist schlecht gewählt. Ich dachte FUCK was is da denn los? Ozzy klingt kein bischen nach Ozzy. Gut das sich das relativ zügig wieder legt. Let me hear you Scream wäre da eindeutig die bessere Wahl gewesen! Dieser Track gehört für mich jetzt schon zu Ozzy’s besten Stücken! Was ein hammer, oder? Gus G. macht einen guten Job, allerdings und das finde ich schade macht er “nur” einen job. Man hört ganz klar heraus das er so spielen MUSS. Ein bischen mehr charakter hätte vielleicht gut getan, aber wer will das schon wenn man die chance hat bei ozzy zu spielen hehe.

  2. Pheonix says:

    Fettes Album, Ozzy in Bestform!
    Soul Sucker ist einfach nur der Wahnsinn!!!
    btw klasse Beitrag! ;)

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