Support Your Local Record Dealer…

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Unser 11th Street Kidz Neuzugang Tidl (No introduction needed here – Ich sag nur „Ich hab mal Keith Richards getroffen“) meinte letztens zu mir sowas wie „Ich finde, eine neue Platte pro Woche muss schon sein“, und damit hat er natuerlich absolut recht. Bei mir duerfen es auch ruhig mal fuenf, sechs oder sieben neue Scheiben pro Woche sein – je mehr Input, desto besser. Natuerlich beziehe ich meine Platten wie jeder andere von euch auch bei meinem Platten-Dealer um die Ecke…

Näääääääät. Nöööööt. Das ist  der (H)Zonk. Hier wäre ihr Preis gewesen. Oder so ähnlich. Die Wahrheit sieht nämlich ganz anders aus. Niemand, aber auch wirklich niemand, den ich kenne, kauft seine Platten beim Dealer um die Ecke. Die meisten bestellen sich lieber ihre Scheiben im Internet bei den großen Läden wie amazon.de, jpc .de oder was es da sonst noch so gibt. Ist ja auch viel bequemer, billiger und meistens sogar schneller. Denn wenn im Laden um die Ecke das gewünschte Objekt der Begierde nicht da ist, muss es bestellt werden und das dauert meistens länger als das Teil im Internet zu bestellen. Kein Wunder, dass es die Läden um die Ecke nicht mehr gibt.
Seitdem ich in Köln wohne, suche ich nach so einem Laden, doch einen gefunden habe ich bisher noch nicht. Aber ist der Grund des Aussterbens der kleinen Plattenläden wirklich nur das Internet? Ich bin mir sicher, das auch kleine Läden CDs, LPs und was auch immer schnell bestellen können, um sie am nächsten Tag im Laden zu haben – was ja eigentlich ein Vorteil ist, da so das lästige Porto entfällt. Okay, das Argument hinkt auf einem Fuß, da die meisten Online-Shops versandkostenfrei liefern. Aber zumindest das Tempo sollten lokale Dealer auch halten können, da bin ich mir sicher. Aber wenn es am Tempo nicht liegt, woran liegt es dann?

Ein großer Vorteil des Plattenladens ist es doch, das man dort auf Gleichgesinnte trifft und sich dort mit ihnen austauschen kann. Klar, man trifft auch auf Konzerten, in Kneipen oder auf Partys Gleichgesinnte, doch dort ist es meistens sehr laut und der Konsum von diversen Säftchen steht dort eher im Vordergrund als eine gepflegte Diskussion, ob die Doors jetzt überbewertet sind oder nicht. Also geht man in den Plattenladen, hört sich ein paar Neuveröffentlichungen an, labert mit ein paar anderen Freaks über dieses Album und diese neue Biografie, kauft sich ein bis zwei neue Scheiben, geht nach Hause und ist glücklich. Super Sache. Aber trotzdem tut es anscheinend keiner mehr. „Wieso auch?“, werden jetzt einige von euch denken. „Genau dafür wurde doch das Internet erfunden!“ schreit einer aus der letzten Reihe. Ach ja, danke, jetzt fällt es auch mir wieder ein. Das Internet hat jedem Menschen eine Stimme gegeben (danke, Kevin Smith die zweite) und die meisten nutzen diese Stimme auch, vor allem aber die Fanboys von irgendwas.

Egal ob Star Wars, Filme (Star Wars ist kein Film!!! Star Wars ist ein Heiligtum, ähnlich wie dieses andere 2010 Jahre alte Teil – aber Back To Topic, um es in eurer Sprache zu sagen haha) Games oder Musik – zu fast jeder Sparte gibt es Internet-Foren und zu fast jedem noch so sinnlosen Thema gibt es auch ein Topic (Trägt Chewbacca unter dem Fell Unterwäsche? Elvis lebt  – jetzt im Kühlregal! und viele andere). Der große Vorteil des Internetforums ist es natürlich, das der geneigte Musikfan, wir nennen ihn jetzt mal… wie wär‘s mit Holger?
Also Holger wacht Samstag um 15 Uhr nachmittags nach einer durchzechten Nacht auf und fühlt sich elend. Er trägt seinen üblichen Schlaf-Dress: Ein ranziges Saxon T-Shirt (The Eagle Has Landed Tour Vol. 123456789unendlich), eine alte Jogginghose und weiße Tennissocken mit zwei roten Streifen, die lange Matte klebt fettig am Dickschädel fest und der Pimmel stinkt durch die Hose.

Was denkt der Durchschnitts-Holger in so einem Moment? „Boaaah, watt ne geile Party.“ Ja, das auch, aber ich meine das andere. „Boaaah, jetzt erst mal ne fette Platte auflegen“, und schon wandert Appetite For Destruction (oder was auch immer Holger gerade hören will) in die Anlage und mit den ersten Tönen von Welcome To The Jungle lichtet sich der Alkoholnebel in Holgers Kopf etwas. Er denkt sich etwas wie „Erstmal den PC anschmeißen.“ Nachdem er dann all seine E-mails gecheckt hat und bemerkt hat, dass ihm wieder keiner geschrieben hat, stellt Holgi (haha) dann fest, das Out To Get Me der schwächste Song auf AFD ist. Fand er schon immer. Hinzu kommt, dass er plötzlich dieses unbändige Verlangen empfindet, irgendjemand über diese Tatsache zu informieren. Also schnell in die Tasten gehackt (Holger kennt die Funktion „Lesezeichen“ nicht) und schon ist er bei seinem Lieblingsforum forum-der-musik-elite-hörer.de (Fi[c]ti[e]v[f]). Schnell ein neues Thema eröffnet (die Such-Funktion ist Holger natürlich fremd) und schon kann jeder nachlesen wie scheiße Out To Get Me ist. Und das ist genau das was ich meine – Holger brauchte sich weder anziehen noch großartig bewegen und hat eine Diskussion gestartet, denn er wird mit großer Sicherheit innerhalb von 30 Minuten 100 Antworten haben  (wobei ihn hoffentlich 99 Postings niedermachen, “Out To Get Me ist top du Wurst!”) und unter diesen 100 Antworten ist bestimmt auch eine Plattenempfehlung dabei. „Wenn du Out To Ge Me nicht magst, hör mal hier rein.“ Und schon ist Holger bei amazon.de, hört sich 30 Sekunden Samples in mieser Qualität an und bestellt sich die neue Erection-Hammer (haha). Ach, ich muss ja um portofrei zu sein über 20€ kommen, also noch schnell irgendeinen Klassiker mitbestellt.

Da haben wir den Salat – genau den gleichen Verlauf hätte es auch im Platten-Dealer um die Ecke nehmen können, doch anscheinend sind wir alle faule Hunde.
Ich glaube, hier liegt auch das wesentliche Problem: Unsere Bequemlichkeit. Das Thema Preise ist denke ich nur zweitrangig, denn ob ich jetzt bei im Internet 6,99€  für einen Klassiker bezahle oder im Laden 7,99€ (wovon der Shop noch Miete, Gehälter etc. bezahlt!) ist mir eigentlich egal. Ich persönlich glaube noch an den Plattendealer um die Ecke, denn mir macht es Spaß, mich stundenlang durch „Rock AAA“ bis „Blues ZZZ“ zu wühlen und mir dabei ein paar neue Schätzchen zu sichern. Ich mag die entspannte Atmosphäre in einem kleinem verqualmten Lädchen, in dem im Hintergrund eine alte Bluesscheibe läuft, und sich zwei Typen über die neue Jeff Beck-Platte unterhalten. Genau deswegen appelliere ich an euch alle: Kauft Platten bei eurem Dealer um die Ecke, wenn es diesen noch geben sollte.

Da ich diesen Traum-Dealer hier nicht mehr habe, träume ich jede Nacht davon, eines Tages in meinem eigenem Laden zu stehen und frei nach Championship Vinyl jemanden, der nach der neuen Kylie Minogue fragt, aus dem Laden zu schmeißen. In diesem Sinne:

Support Your Local Record Dealer – The Local Record Dealer Is Not Dead Yet.

2 thoughts on “Support Your Local Record Dealer…”

  1. Pheonix says:

    Hm, ist was wahres dran.
    In meinem fall ist nur das problem das ich erstmal ne halbe Stunde mim Auto in die City müsste um nen Platten Laden zu finden.
    Das heißt also Geld für die Platte + Benzin Kosten + Zeit.
    Glaub da bin ich zur Zeit auch nen fauler Hund und mach lieber einen klick bei Amazon.
    Aber du triffst mit dem Artikel so ziemlich ins Schwarze!
    Sobald du nen Shop hast bin ich Stammkunde, versprochen! ;)

  2. nise says:

    mir macht das weniger spaß, wenn du dich durch jeden buchstaben der bereiche rock, blues und heavy wühlst. das sind schließlich 26 x 3 x min. 25. ;D

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