Black Country Communion

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Schon lange bevor man von der Supergroup rund um Glen Hughes und Joe Bonamassa auch nur einen Ton Musik gehoert hatte, wurde die Band als das naechste ganz große Ding abgefeiert. Jetzt ist die LP mittlerweile seit etwas mehr als einem Monat draußen und wird, wie es zu erwarten war, von Fans und Presse gefeiert. Doch ist das auch wirklich so? Ist Black Country Communion auch nach dem Abnehmen der rosaroten Brille immer noch ein starkes Album? Mehr erfahrt ihr nach dem Klick.

Black Country Communion sind auf dem Papier eine sehr vielversprechende Kombo – Glen Hughes hat schon in den Siebzigern mit Deep Purple und dem Album Burn Großes vollbracht und Joe Bonamassa ist mittlerweile nicht mehr der aufgehende Stern am Bluesrockhimmel, sondern ist mit seinem letzten Studioalbum Black Rock endgültig zur Sonne aufgegangen. Auch die anderen Musiker, die an Black Country Communion beteiligt sind, können mit großen Namen und einer glorreichen Vergangenheit auftrumpfen: Jason Bonham ist der Sohn des großen Led Zeppelin-Drummers John Bonham und spielerisch eine Wucht. An den Keyboards, der Hammond und allerlei anderem Tastenzeug sitzt kein Geringerer als Derek Sherinian – seines Zeichens Keyboarder bei Dream Theater (1995-1999) und ein gern gesehener Gast bei zahlreichen Projekten.

Da haben sich also Vier mehr als durchschnittlich talentierte Musiker zu einer Band zusammen getan, von der, wie bereits erwähnt, die ganze Welt ein absolutes Überalbum erwartet hat. Beinahe wäre es gar nicht erst zu diesem Projekt gekommen, da der Terminkalender der vier es kaum zuließ, doch sie rissen sich am Riemen und schafften es am Ende doch noch. Sofort wurde das Album überall abgefeiert, die Fans nahmen es begeistert auf und überall las man die für das Jahr 2010 typischen Review-Floskeln: Black Country Communion sind besser als Lep Zeppelin. Black Country Communion sind die neuen Led Zeppelin. Black Country Communion werden größer als Led Zeppelin. Black Country Communion haben den Geist von Led Zeppelin.

Ich habe mich im Vorfeld tatsächlich mit dem Hype um die Band und das Album infizieren lassen und konnte den Release kaum erwarten. Dass ich erst jetzt mit dem Review um die Ecke komme hat seine Gründe, doch dazu später mehr. Ich habe es sogar geschafft, mir im Vorfeld keine youtube-Videos anzuschauen oder mir irgendwelche Songschnipsel auf MySpace anzuhören – ja sogar vor irgendwelchen Heft-Beilage-CDs konnte ich flüchten. Als das Paket mit der CD bei mir ankam, war ich sofort Feuer und Flamme. Nicht wie sonst üblich riss ich die Folie sofort von der Hülle herunter, klappte das Jewel Case nervös und hastig auf, entfernte die CD aus eben dieser und schmiss sie in den Player.

Ein Bass-Riff. Becken-Klappern. Drums. Ein düsteres Riff. Moment, spielt Bonamassa etwa das gleiche wie Hughes auf dem Bass? Schon setzt sein Gesang ein. Schon macht es in meinem Kopf klick. Man, wieso nennt dieser Mann sich eigentlich The Voice Of Rock? Keine Frage, die Stimme ist okay – aber The Voice Of Rock? Ich bin auch nicht der Journalist Of Rock – obwohl meine Beiträge ganz okay sind (haha). Aber nun ja, das ist ja eine persönliche Geschmackssache und die meisten Leute da draußen scheinen die Stimme von Glen Hughes ja sehr geil zu finden – und ich kann mich damit ja auch abfinden. Während ich über die Stimme von Hughes grübele, ist der Opener, Black Country, auch schon wieder vorbei. Wirklich was hängen geblieben ist nicht. Ich werde langsam nervös, rutschte von einer Arschbacke auf die andere. „Okay, okay“, versuche ich mich zu beruhigen, „bei Iron Maidens The Number Of The Beast war auch der Opener der schlechteste Track des Albums und das Ding ist trotzdem einer DER Klassiker des Heavy Metals.“

Und Black Country ist nicht schlecht. Nur eben – Einheitsbrei. Wieviele Bands mag es geben, die so einen Song auf ihrem Album haben? Ich glaube, die Michael Schenker Group hat einen Backkatalog, der nur aus Black Countrys besteht, wenn ihr wisst was ich meine. Aber Track #2 heitert mich wieder auf, denn One Last Soul ist genau das was ich erwarte. Übelst lässige Gesangslinie von Glen Hughes, selbst die hohen Parts gefallen mir super gut. Dazu eine wirklich knackige Rhythmus-Sektion, Bonham trommelt sich wie ein wütende Version seines Vaters übermenschlich durch den Song (wie auch auf dem gesamten Album – so viel vorne weg!). Derek Sherinian spielt irgendwo in den Hintergrund gemischt auch noch ein bisschen Hammond, ehe Bonamassa das Highlight des Songs setzt: Die Leadgitarre beweist, das Bonamassa einer der besten Gitarristen ist, die man zur Zeit in der Musikwelt findet.

Ich lasse mich wieder entspannt ins Sofa sinken, schließe die Augen und lasse mich in den Anfang von The Great Divide sinken – das ist typisch Bonamassa – ruhig, gediegen und mit einem schönen Soli. Mein Lächeln verstärkt sich im Aufbau des Songs, das klingt alles sehr vielversprechend und macht Laune auf mehr – doch was ist das? Im Refrain ist er wieder da, der Black Country-Song. Gähn. Skip. Down Again. Schönes Riff von Joe; man hört sofort, wer da spielt. Die Drums erinnern hier wieder stark an Led Zeppelin, wirklich starker Stoff. Doch der Song an sich ist so spannend wie Muttis Sonntagsbraten: Es schmeckt zwar gut, aber was anderes als Schweinebraten mit Rotkohl wäre auch mal ganz cool. Leider gilt das auch für die nächste Nummer, denn die hat bis auf den Stevie Ray Vaughan mäßigen Anfang und das Hendrix-Riff nicht viel Spannendes zu bieten. Der nächste Song des Albums ist der erste von Bonamassa gesungene Song und trägt den Namen Song Of Yesterday.

Leider ist dies kein Cover von Joes Lieblingsband Free, sondern eine Eigenkomposition – aber eine sehr gute. Glen Hughes hatte bei der Musik zu diesem Track nicht seine Finger im Spiel und das merkt man deutlich. Song Of Yesterday hat einen typischen Joe Bonamassa Sound, auch wenn die Gitarre in den Strophen vielleicht etwas zu Jimmy Page-mäßig ausgefallen ist. Des Weiteren hätte ich mir auch gewünscht, dass Joe diesen Track alleine gesungen hätte und das Ganze nicht als Duett erschienen wäre; trotzdem beide Daumen nach oben für Song Of Yesterday. Die nächste Nummer ist ein Alleingang im Songwriting von Glen Hughes und gefällt mir eigentlich ganz gut. Der Song geht gut nach vorne, der Refrain ist nicht ganz so öde wie die davor und insgesamt bleibt auch hier ein positiver Gesamteindruck zurück. Wird das Album etwa zur zweiten Hälfte stärker? Über  den nun folgenden Track hat man im Vorfeld in der Presse und im Internet schon viel Gelesen: Medusa. Einen Track, den Glen Hughes schon 1970 geschrieben hat und der bisher in der Mottenkiste schlummerte, um im Jahre 2010 von Black Country Communion wieder ausgegraben zu werden. Dieser Nummer wurde ebenfalls im Vorfeld so gehyped, das sie eigentlich nur scheitern kann. Doch das tut sie nicht wirklich, denn wenn das gesamte Black Country-Album so wirkt, als seien die vier, allen voran Joe Bonamassa und Glen Hughes, um jeden Preis bemüht, so zu klingen wie Led Zeppelin, ist Medusa der einzige Track, der absolute Eigenständigkeit versprüht. Vielleicht liegt es daran, dass dieser Track eigentlich 1970 entstanden ist, doch diese fast siebenminütige Hard Rock-Dampfwalze weiß mich durchaus zu überzeugen.

Der positive Aufwärtstrend des Albums setzt sich also fort. The Revolution In Me ist die nächste reine Joe Bonamassa-Nummer und zeigt vor allem eins: Der Junge ist mittlerweile ein richtig, richtig guter Sänger. Die Nummer ist ebenfalls recht ordentlich, aber mir insgesamt zu unspektakulär und ganz nebenbei frage ich mich: Wo spielt eigentlich Sherinian die ganze Zeit? Auch die restlichen drei Tracks des Ablums, Stand (At The Burning Tree), Sista Jane (was soll diese Schreibweise?) und Too Late For The Sun, leiden an diesem 0815 Songwriting. Dafür, dass die Studio-Atmosphäre ja ach so magisch gewesen sein soll, sind die Songs ganz schön langatmig und uninspiriert. Sista Jane klingt sogar etwas nach AC/DC, was nun wirklich zu viel des Guten ist für eine Band mit  diesem Format. Too Late For The Sun hat eine Spielzeit von fast 12 Minuten und ist der einzige von der kompletten Band komponierte Track. Leider muss ich jeden, der jetzt einen Freudensprung macht, zurückpfeifen. So richtig viel Spaß kommt über die gesamten 12 Minuten nicht auf und es wirkt über weite Teile sehr gestreckt. Dazu kommt der, meiner Meinung nach, sehr verwaschene Sound des Albums. Kevin Shirley hat sich ein weiteres Mal nicht mit Ruhm bekleckert: Die Ortung der einzelnen Instrumente fällt schwer, richtige Dynamik gibt es nicht, die Tasteninstrumente von Derek Sherinian hört man über weite Teile des Albums kaum bis gar nicht und das Ganze könnte ruhig etwas klarer tönen. Dieses Problem gab es auch schon bei den letzten Produktionen Shirleys, man höre Bonamassas Album Black Rock oder das aktuelle Iron Maiden-Werk The Final Frontier. Insgesamt kann ich nur sagen, dass ich die öffentliche Meinung zu Black Country Communion nicht teile.

Dass ein paar talentierte und bereits bekannte Musiker geformt zu einer Supergroup nicht immer gleich auch ein super Album abliefern, hat die Geschichte schon zu Genüge bewiesen und so ist es auch mit Black Country Communion. Wäre dieses Album von einer Newcomer Band, könnte ich den Hype verstehen, doch von Namen wie Hughes, Bonamassa, Bonham und Sherinian erwartet man einfach mehr. Mein Kumpel Danny hat es letztens sehr Salopp ausgedrückt: „Es ist eine Frechheit, dass ich mir von solch qualitativ hochwertigen Musikern eine solch lieblose Platte anhören muss.“ Das trifft auch für mich den Nagel auf den Kopf – denn bis auf zwei oder drei Songs mit etwas mehr Tiefgang ist das ganze Album flach, langatmig und teilweise zum Gähnen langweilig, obwohl technisch perfekt. Eigentlich wollte ich das so als Schluss stehen lassen, doch ich möchte Black Country Communion gerne meine Empfehlung mit auf den Weg geben: Beweist uns, dass ihr eher eine Live-Band seid und es dort richtig krachen lasst oder lasst es lieber bleiben. Ich möchte lieber wieder Joe Bonamassas ehrlichen Bluesrock hören als dieses billige Hard Rock-Ding.

Facts

  • Release: 17 September  2010
  • Label: MascotRecords
  • Format: CD
  • Songs: 12
  • Spielzeit: 72:30

Links

Tracklist

  • 01. Black Country
  • 02. One Last Soul
  • 03. The Great Divide
  • 04. Down Again
  • 05. Beggarman
  • 06. Song Of Yesterday
  • 07. No Time
  • 08. Medusa
  • 09. The Revolution In Me
  • 10. Stand (At The Burning Tree)
  • 11. Sista Jane
  • 12. Too Late For The Sun

Review By Eric Borderline

2 thoughts on “Black Country Communion”

  1. Pheonix says:

    Kurz und knapp:
    Scheiß Stimme!

  2. Danny says:

    Nach mehrmaligen Hören konnte mich dieses Album nicht mehr überzeugen. Einzig “One Last Soul” ist die absolute Ausnahme. So hätte sich meiner Meinung nach das ganze Album anhören müssen. Sehr starker Track. Der Rest is für die Katz’! Klar wird es ab und zu mal laufen. Weil es die perfekte Hintergrund Musik ist wenn man sich mal auf etwas anderes als auf Musik konzentrieren muss. Black Country Communion plätschert einfach so daher ohne wirklich hängen zu bleiben. Schade drum.

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