Erics Top Five Alben 2010

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Im letzten Jahr (2009, für alle die es vergessen haben) um diese Zeit gab es die Eleventh Street Kidz noch nicht lange, doch schon damals ließ ich es mir nicht nehmen, in das Geschaeft der Toplisten des Jahres einzusteigen und praesentierte euch frei nach Nick Hornby’s High Fidelity meine Top 5 Alben des Jahres. Dieses Jahr haben wir schon zwei Top 5 Listen, denn unser „neuer“ Kolumnist Tidl hat seine bereits letzte Woche gepostet und das bringt mich auch direkt zu einem Thema, das mir schon lange auf dem Herzen liegt…

Sie fingen an mit den Top 5 Listen: High Fidelity… denn im Grunde genommen benutzen die Musikbegeisterten dieser Welt ihre jährlichen Top-Listen, die sie bevorzugt im eigenen Blog (11th Street Kidz ist kein Blog!) oder in einem Forum posten, doch nur dazu um voreinander anzugeben und sich gegenseitig zu übertreffen. Da werden irgendwelche in Eigenregie veröffentlichte Scheiben unbekannter Bands (vorzugsweise aus dem Osten oder dem Ruhrgebiet) mit komischen Namen auf Platz Eins gesetzt, nur um dann andere fertig zu machen, da sie das Album nicht kennen. Auf Platz Zwei und Drei werden meist nicht weniger unbekannte Scheibchen gesetzt, schließlich darf einem der Gesprächsstoff nicht ausgehen. Aber Leute, mal Hand aufs Herz: Gibt es Jahr für Jahr wirklich immer wieder neue Bands, die das Rad neu erfinden? Gibt es immer wieder neue Bands, gegen die  die alten Hasen alt aussehen?

All diese guten Alben schafften es nicht in meine Top 5!Ich für meinen Teil habe dieses Jahr viele neue Bands entdeckt, (die wahrscheinlich gar nicht mal so unbekannt sind, wie irgendwelche Thrashmetal-Combos aus Wuppertal) die wunderbare Musik machen – doch hat es keine dieser Bands in meine Top Five geschafft. Klar, Dirty Sweet’s American Spiritual ist eine wahnsinnig intensive Platte, Year Long Disaster haben mit Black Magic: All Mysteries Revealed einen richtigen Riffbatzen auf die Menschheit losgelassen und die neue Supergroup The Gracious Few (bestehend aus Mitgliedern unbekannter Bands wie z.B. Candlebox & Live) tritt, auf Deutsch gesagt, einfach nur Arsch. Dennoch war das alles zu wenig, um in meine Top Fünf des Jahres 2010 zu kommen. Aber ich will jetzt nicht nur die kleinen Bands an den Pranger stellen, auch die großen der großen, wie z.B. Robert Plant und Eric Clapton haben es nicht in meine Liste geschafft. Zwar fand ich Clapton sehr angenehm zu hören und Band Of Joy hat mit Satan Your Kingdom Must Come Down einen wahren Übersong zu verbuchen, aber für eine Platzierung unter den besten fünf Longplayern des Jahres hat es nicht gereicht.

Mein Geheimtipp: Anders Osborne - American PatchworkIn meiner Top Five Liste hat keine Band die Musik revolutioniert oder in irgendeiner Weise etwas an der Musikszene verändert, ganz im Gegenteil. Eigentlich sind alle fünf Alben ein Tribut an die Musik, die es so schon seit Jahrzehnten gibt. Es ist Musik, die man so schon irgendwo mal gehört hat. Aber es ist Musik, die einem da berührt, wo Musik einen berühren soll: Am Herzen. Okay, vielleicht spürt man ab und zu auch einen kleinen Schlag im Bauch, hehe. Alles was ich sagen will, ist einmal mehr, dass es egal ist, ob eine Band nun super undergroundmäßig unterwegs ist oder bereits Millionen verkauft hat – wichtig ist die Qualität und das Kribbeln im Körper. In diesem Sinne, viel Spaß mit meinen Top Five Alben des Jahres 2010, es gibt dieses Jahr auch keinen Geheimtipp, außer dem super emotionalen American Patchwork von Anders Osborne – kaufen, auflegen und mitfühlen.

Platz 5: Kid Rock – Born Free

Kid Rock - Born FreeDie Kid Rock Fans der ersten Stunde hassen Born Free, weil es mit den vergangenen Kid Rock Alben nicht mehr viel zu tun hat. Der Hip Hop der ersten Stunde fing ja schon Ende der Neunziger mit dem Devil Without A Cause Album an zu schwinden, doch die nachfolgenden Alben Cocky, Kid Rock und Rock & Roll Jesus (alles gute Alben!) waren irgendwie immer eine Suche nach dem wahren Stil Kid Rocks. Mit Born Free hat er ihn endgültig gefunden und zusammen mit Rick Rubin am Mischpult ein Album aufgenommen, das mich total mitgenommen hat. Der Titeltrack der das Album eröffnet mag etwas zu sehr auf Radiotauglichkeit getrimmt sein um an den Erfolg von All Summer Long anknüpfen zu können, doch danach steigt die Qualität der Songs stetig an.

Kid RockAngetrieben von David Hidalgo an der Lead-Gitarre (Los Lobos), Benmont Trench (Keyboards, Tom Petty & The Heartbreakers), Chad Smith (Drums, Red Hot Chili Peppers), Justin Meldal-Johnsen (Bass, Nine Inch Nails) und dem Kid Rock Stammgitarristen Marlon Young offenbart Kid uns großartige Tracks wie den entspannten Southern-Rocker Slow My Roll und die gute Laune Nummer Purple Sky. Die absoluten Highlights des Albums sind aber die Country-Rock Nummer Collide (featuring Sheryl Crow!) und das absolut geniale, bluesige Rock On. Born Free ist Kid Rock’s Meisterwerk – ich bezweifle stark, dass er jemals wieder so eine Scheibe abliefern kann. All denen die das Album nicht mögen sei gesagt: Gebt dem Album eine Chance, denn es ist keine aufgesetzte Pro-Amerika Promo-Platte, es ist ein echtes Album – mit Blut, Schweiß und Tränen.

Platz 4: Ron Wood – I Feel Like Playing

Ron Wood - I Feel Like PlayingRon Woods Beitrag zur Musikgeschichte ist nicht von der Hand zu weisen: Als Bassist der Jeff Beck Group machte er das erste Mal richtig auf sich aufmerksam, bei den Faces lieferte er hervorragende Arbeit an der Slide-Gitarre und empfahl sich so schließlich für die Rolling Stones. Ganz nebenbei hat er auch noch eine Reihe guter Soloalben herausgebracht. Heute kennt ihn jeder als den Gitarristen der Stones – dass es vor ihm bereits zwei andere großartige Gitarristen bei den Stones gab, wissen heute nur noch die Fans. Für den Durchschnittsbürger ist er der Gitarrist der Rolling Stones. Doch durch seine jahrelange Alkoholsucht schien Anfang des Jahres sein gesamtes Lebenswerk ins Schwanken zu geraten: Die Stones drohten ihm mit dem Rauswurf, sollte er nicht endlich trocken werden. Für Ron schien dies endlich Anstoß genug und er begab sich in den Entzug. Wenn man sich seinen kreativen Output seitdem anschaut, stellt man schnell fest, dass Ronnie wieder volle Fahrt aufgenommen hat.

Ron WoodEs gibt eine neue Kunstausstellung von ihm namens I Feel Like Painting und eben dieses neue Soloalbum I Feel Like Playing, welches es sogar in meine Top Fünf geschafft hat – und das aus gutem Grund. Zusammen mit vielen Gästen, wie zum Beispiel Slash, Billy Gibbons, Eddie Vedder und Bernard Fowler, die genau dieselbe Lust zu spielen wie Ron verspürten, hat er ein unglaublich spielfreudiges Album aufgenommen. Schon der Opener Why You Wanna Go And Do A Thing Like That For versprüht eine unglaublich warme Atmosphäre und auch wenn Slash hier eine wunderbare Leadgitarre spielt, sind es doch Ron himself und Ivan Neville, die dem Song mit ihren Instrumenten (Ron: Slide-Guitar, Ivan: Keyboards) richtig Leben einhauchen.  Weitere Highlights sind das Reggea-mäßige Sweatness My Weakness, die zusammen mit Bernard Fowler gesungene Ballade I Gotta See und das mit einer wunderbaren Slide-Gitarre ausgestatte Catch You. Hinzu kommt das Ronnie stark an seinem Gesang gearbeitet hat – er wird zwar kein Meistersänger mehr, aber dafür passt seine Stimme perfekt zu seiner Musik. Dass er ein Meister an der Slide-Guitar ist, wissen wir ja eh schon alle – bleibt nur zu hoffen, dass wir diese nun wieder öfter zu hören bekommen.

Platz 3: The Brew – A Million Dead Stars

The Brew - A Million Dead StarsIch hab dieses Jahr ein paar geile Bands live gesehen, unter anderem meine Lieblinge Guns N’Roses,  aber keine Band hat mich auch nur annähernd so begeistert wie The Brew. Dass The Brew gut sind war mir ja kein Geheimnis mehr, schließlich habe ich sie dieses Jahr bereits interviewt und ihr zweites Album A Million Dead Stars reviewt. Nur live gesehen hatte ich sie, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, vorher noch nie. In meinem Review schrieb ich „Jason Barwick ist der neue Jimi Kossoff Clapton“ und das trifft es eigentlich ziemlich gut. Dieser Junge spielt sich 2 ½ Stunden die Finger wund, hüpft dabei wild über die Bühne und ganz nebenbei übernimmt er auch noch die Vocals. Aber auch Kurtis Smith an den Drums prügelt sich durch die Songs, wie es einst Mitch Mitchell und John Bonham getan haben – was für ein Tier. Kurtis Vater Tim ist zwar ein bischen älter aber keinesfalls der ruhige Pol der Band: Auch er rastet für den kompletten Gig total aus und geht ordentlich ab.

The BrewDass diese Band eine große Zukunft hat, steht außer Frage. Dass diese Band Live um einiges geiler ist als auf Platte, steht eigentlich auch außer Frage. Aber dass diese Band auch auf Platte richtig gut funktionert zeigt A Million Dead Stars. Was genau ich von A Million Dead Stars halte könnt ihr ja in meinem Review nach lesen, aber ein paar kleine Details möchte euch hier noch auf den Weg geben: Every Gig Has A Neighbour, Surrender It All, Wrong Tunes, Just Another Night und Change In The Air treten euch mächtig in den Arsch und Kam ist der Song, den Led Zeppelin immer schreiben wollten. Amen.

Platz 2: Imperial State Electric

Imperial State ElectricAls die Hellacopters sich auflösten war ich tot traurig. Keine andere Band hat die Fahne der alten Rock&Roll Schule zuletzt so aufrecht gehalten wie sie und für mich schien Nicke Andersson mit Rock&Roll Is Dead gerade erst auf dem Höhepunkt seiner Songwriter-Karriere angekommen. Als ich Anfang des Jahres hörte, er hätte mit Imperial State Electric eine neue Band am Start freute ich mich so, wie ein kleines Kind sich auf Weihnachten freut. Als ich das Album dann in den Händen hielt, hörte ich es immer wieder und wieder, ich interviewte Nicke, formte daraus das erste 11th Street Kidz Double Feature (Review & Interview in einem) und gab dem Album das Prädikat „Rock&Roll“. Es folgten zwei Gigs der Band und viele weitere Durchläufe des Albums.

Nicke AnderssonGerade jetzt in diesem Moment, in dem ich diese Worte schreibe höre ich das Album wieder und ich würde mir jetzt am liebsten ein Bier aufmachen, die Anlage voll aufdrehen, auf den Tisch springen und die Luftgitarre auspacken. Imperial State Electric sind Nicke’s Baby, er gibt den Ton an. Auf dem Album hat er das meiste selber eingespielt, auf Tour hat er eine super Band dabei, aber die Songs stammen alle aus seiner Feder und hier ist wirklich jeder Track ein Volltreffer. Egal ob Lord Knows I Know It Ain’t Right, Resign, Throwing Stones, I’ll Let You Down, I Got All Day Long oder Deja Vu - jeder Schuss ein Treffer. Der Song des Albums, ja vielleicht sogar der Song des Jahres, ist aber Lee Anne. Imperial State Electric ist definitiv Nicke’s Meisterwerk bis hier hin – in den Punkten Gesang, Gitarre und Songwriting. Ich bin voller Vorfreude auf die Dinge, die da noch kommen mögen.

Platz 1: Tom Petty & The Heartbreakers – Mojo

Tom Petty & The Heartbreakers - MojoDass in diesem Jahr tatsächlich ein Album veröffentlicht wurde, das mir noch besser gefällt als das Imperial State Electric Album, zeigt eigentlich nur welch gutes Jahr 2010 war. Ich habe viele Leute sagen gehört, 2010 sei kein gutes Jahr für die Musik gewesen, doch das ist gelogen. Diese Menschen müssen taub sein, wenn sie nicht wenigstens die Genialität in Mojo erkennen. Tom Petty und seine Heartbreakers haben zusammen im Proberaum ein Album erschaffen, das voll von wunderbarer Musik ist, die sie selber gerne hören. Das ganze Album ist ein Tribut an die eigene Generation der Band und es fällt mir wirklich schwer, hier eine Nummer ganz besonders hervor zu heben. Petty ist wohl einer der besten Songwriter überhaupt, was auch seine zahlreichen Hits für andere Interpreten eindeutig belegen, und wenn er dann von so Leuten wie Benmont Tench und  Mike Campbell dabei unterstützt wird, kann eigentlich nur so etwas Großartiges wie Mojo dabei heraus kommen.

Tom Petty & The HeartbreakersWenn ich mich auf ein paar Highlights beschränken müsste, dann würde ich wohl das lyrische Meisterwerk The Trip To Pirate’s Cove erwähnen und den typischen Heartbreakers-Rocker High In The Morning. Allerdings gibt es da noch die wunderschöne Ballade Something Good Coming mit einer herausragenden Performance Petty’s oder das swingende Candy. Auch Reggea ist der Band nicht fremd: Don’t Pull Me Over kommt extrem locker daher und passt sich dennoch perfekt in das Gesamtbild des Albums ein. Das Album ist einfach von vorne bis hinten perfekt, es taucht ja nicht umsonst bei allen 11th Street Kidz Top 5 (haha, 2 Stück!) auf Platz 1 auf. Ganz am Ende des Albums kommt als Abschluss noch eine Perle zum Vorschein, die man so weit hinten nicht mehr erwartet hätte. So perfekt wie das Album bis hier hin auch ist, Good Enough legt in allen Bereichen noch eine Schippe nach – was für ein Hammer.  Lyrisch eine Offenbarung, musikalisch ein Traum. Mike Campbell ist einer der besten Gitarristen überhaupt und zeigt das in diesem Song mit einer Eindeutigkeit wie nie zuvor – beste Lead-Gitarre des Jahres! Mojo ist die beste Scheibe der Heartbreakers, sogar besser als Damn The Torpedos. Mojo ist noch ein kleines bisschen besser als das Mudcrutch Album von 2008, meine bisherige Tom Petty Referenz. Tidl schloss seine Top 5 mit einem Zitat aus diesem Song ab und ich kann es ihm nur gleich tun:

She was hell on her mama, impossible to please
She wore out her daddy, got the best of me
And there’s something about her
That only I can see,
And that’s good enough
 

PS: Glaubt ihr wirklich, ich beende meine Top5 mit einem geklautem Ende? Ich schließe meine Top 5 mit dem unheimlich gut gemachten Video zu Don’t Pull Me Over:

Artikel by Eric Borderline

3 thoughts on “Erics Top Five Alben 2010”

  1. Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg says:

    Mein Highlight 2010 war: Als ich auf Toilette saß und mir mit dem rechten Zehennagel im linken Nasenloch bebohrt habe.

  2. Black Rock ist oben im Bild zu sehen, als eins der Alben, das es nicht in die Top 5 geschafft hat.

  3. Danny says:

    Absolut großartige Liste, ich hätte fast nichts anders gemacht! Joe Bonamassa fehlt mit Black Rock, Scorpions’ Sting in the Tail und ein paar andere die mir grad nich einfallen aber sicherlich eine erwähnung verdient hätten..großartiges Jahr für die Musik!

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