Gary Moore-Ein Nachruf

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In der Nacht vom 5. Februar auf den 6. Februar dieses Jahres verstarb einer der groeßten Musiker unserer Zeit-Gary Moore.

Gary MooreBei vielen Dingen ist es so, dass man sie erst vermisst, wenn man sie nicht mehr haben kann. Viele Dinge interessieren einen über Jahre nicht, doch wenn sie plötzlich unerreichbar werden, will man sie unbedingt zurück haben und würde sein letztes Hemd dafür geben.
Als sich am gestrigen Sonntag, den 6. Februar 2011 – ein sonniger Wintertag, die Nachricht von Gary Moores Tod  verbreitete, empfanden viel genau dieses Gefühl: Wir wollen Gary zurück.
Gary war nie einem Stil treu. Er versuchte es mal mit Hard Rock, mal mit Blues. Dann etwas undefinierbarer, elektronisch und verzerrt. Doch im Wesentlichen hatte er zwei Gruppen von Fans: die Rocker und die Blueser.

Skid RowBeide Gruppen dachten in den letzten Jahren mal mehr und mal weniger an ihn; doch jetzt, wo er für immer fort ist, wollen ihn alle zurück. Natürlich. Er war einer der Besten.
Gary Moore war ein Junge aus Belfast, der zusammen mit einem anderen Jungen aus Dublin eine Band namens Skid Row gründete. Diesen anderen Jungen kennt ihr vielleicht auch, er verließ diese Welt schon etwas eher als Gary, sein Name war Phil Lynott. Nach zwei Alben verließ Gary Skid Row um es alleine mit der Gary Moore Band zu versuchen, doch da die Band ungeachtet ihrer musikalischen Qualität keine Beachtung bekam, löste er sie wieder auf und ging zurück in die Band seines Freundes Phil – die mittlerweile Thin Lizzy hießen. Zwei Egomanen in einer Band geht allerdings nicht lange gut, so verließ Gary Thin Lizzy schnell wieder, versuchte sich als Studiomusiker, versuchte es als Jazzer mit Colosseum|| und landete schließlich doch wieder bei einem Solo-Album: Back On The Streets.
Gary & PhilDieses Album wurde Garys großer Durchbruch, der Song Parisienne Walkways, eine Zusammenarbeit mit Lynott, wurde ein Hit und beendete von da ab jedes Konzert von Gary. Jedes!
Aufgrund der erfolgreichen Coorperation mit Phil versuchte es Gary danach noch einmal mit Thin Lizzy und es entstand das Album Black Rose. Gary bekam der Erfolg allerdings nicht so wirklich gut und er trank viel. Schnell musste er sich bei Thin Lizzy wieder verabschieden, denn die wollten eigentlich doch keinen Gitarristen, der sich betrunken auf der Bühne wälzt und zwei Stunden lange Soli spielt.
Gary machte Solo weiter und erarbeitete sich eine gefestigte Position in der Hardrock-Welt. 1986 starb sein Freund Phil. Wild Frontiers wurde daraufhin ein einziger Tribut an Phil, auf der Hülle der LP steht ganz kleingeschrieben „for Philip“.

Can You Feel The Blues?1989 kam After The War, das letzte Hard Rock Werk Garys, denn kurz darauf fällt ihm ein, das er doch Blueser ist. Still Got The Blues wird ein weltweiter Erfolg, After Hours hingegen findet nur noch bei den Blues-Jüngern Anerkennung. Doch Gary weiß, dass es der Blues ist, der ihm die Grimassen beim Spielen schneiden lässt.
Deswegen tritt er in die Fußstapfen von Eric Clapton und gründet zusammen mit Ginger Baker und Jack Bruce BBM. Das Ganze ist nur von kurzer Dauer, denn Garys Liebe für laute Marshall-Amps zerstört Ginger Bakers Gehör fast vollständig.
Das Gary Peter Green liebt, so wie jeder andere Blueser auch, war eh jedem klar. Das Tribut Album Blues For Greeny wird eins der stärksten von Gary überhaupt. Doch die Verkäufe sinken, also wird alles etwas hipper, elektronischer, unharmonischer: Dark Days In Paradise wird ein Riesenflopp. Zum Nachfolgeralbum A Different Beat kann niemand etwas sagen, das es nie jemand gehört hat.

Garys Wohnzimmer: Live In MontreuxDoch Gary ließ sich von zurückgehenden Verkäufen und halbleeren Hallen nicht beirren und startete einfach seinen dritten Frühling: Er kehrte ein zweites Mal zum Blues zurück. Und blieb ihm treu. Bad For You Baby, sein letztes Album von 2008 wurde sein Meilenstein, sein Meisterwerk und, so traurig das ist, sein Abschiedsalbum.
Ich habe Gary Moore 2009 live gesehen. Es war laut. Es war gut. Es war eine Blues-Show. Es gab John Mayalls Have You Heard in einer schier unendlichen Version. Es war so gut.

Gary war so gut.

Artikel by Eric

6 thoughts on “Gary Moore-Ein Nachruf”

  1. Ein absolut gelungener Nachruf für Gary*

    Ich habe ihn leider nur einmal Live mit der After the War Tour mit Eric
    Singer am den Drums gesehen.
    Aber ich habe immer mitbekommen , was Gary Musikalisch so getrieben hatte, und war ab der Victims of the Future ein grosser Fan von ihm , und liebte eigentlich so ziemlich alles was danach kam von ihm…..
    Seine Art Gitarre zu spielen und zu Komponieren beeinflußt mich weiter , weil ich weiß , das Gary durch seine Musik weiterlebt , und dadurch auch weiter für uns da ist*
    Ich hatte viel geheult , und alles tat Weh , als ich von seinem Tod erfuhr , und ich hatte selbst keinen Bock mehr , eine Gitarre in die Hand zu nehmen , da ich auch jetzt noch schockiert , tief bewegt , und sehr traurig bin über seinen Tod……
    Jedoch bin ich auch dankbar für die viele gute Musik , und dieses erstklassige Gitarrenspiel das uns Gary bot!!!
    Spiele selber seit über 30 Jahren Gitarre , aber ich kenne keinen anderen Gitarristen der einen so geilen Hard Rock und Blues spielte wie Gary* It´s Awesome***

  2. Nousse says:

    Wir sind froh, das Gary Moore so schöne Musik gemacht hat und wir sind traurig über seinen frühen Tod.
    Dein geschriebener Nachruf trifft damit genau den Nerv der Blueser und Rocker und ist einer der besten Nachrufe, die wir in den letzen drei Tagen gelesen haben.
    Weiter so, Kind!!

  3. Eric Nise says:

    Sehr schön geschrieben.
    Dein Nachruf spiegelt alles wieder, was Dein Gesicht gestern beim Lesen der Meldung ausgedrückt hat.

  4. Danny says:

    Ich kann es immernoch nicht glauben…

  5. BB King Size says:

    sehr guter Nachruf, aber ich wünschte du hättest ihn nicht schreiben müssen. :(
    R.I.P. Gary

  6. MartinD says:

    Absolute Qualitätsarbeit, mehr als solides Hintergrundwissen, viel Herzblut. Weiter so Erik!

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