Cloud Control-Live at Reeperbahnfestival

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21.44 Uhr. Cloud Control stehen seit vier Minuten im Knust auf der Bühne. Sie sind die zweite Band an diesem Abend. Der Laden war vor Dry The River, der ersten Band, schon gut gefüllt. Ich kann sie leider nicht sehen, die Jungs von Dry The River, weil ich hinter der Bühne zwischen den ganzen Instrumenten auf meine Interviewpartner warten muss. Der Sound hier hinten ist mies, das Publikum drinnen scheint aber begeistert zu sein.

„Wie hat Pauli gespielt?“, frage ich Mike und biete ihm eine Kippe an. Mike steht hier, um auf die Instrumente von Alister Wright und Jeremy Kelshaw aufzupassen und darauf zu achten, dass hier außer aufgetakelten Blondinen keine ungebetenen Gäste herumlungern. Pauli hat verloren.

Dan Boeckner und Alexei Perry von den Handsome Furs kommen vorbei und rauchen mit uns. Sie sind die dritte Band auf dem Billing. Äußerst charismatische Menschen. Sexy, verliebt, liebenswürdig. Auch sie wollen von Mike wissen, wie Pauli gespielt hat.

„Mike, wo bleibt Cloud Control?“, frage ich ihn.

Ich bin schon eine viertel Stunde über.

„Frag mich was Besseres. Die waren eben noch alle hier.“

Die Handsome Furs posieren für ein paar Fotos mit der Handykamera und sehen dabei so scharf aus, als stünde Anton Corbijn vor ihnen. Und dann kommt doch noch Alister Wright, Frontman der australischen Indie-/Folk-Band Cloud Control.

„Hey man, are you the guy from the internet?“

Ein kurzes Handshake. Er führt mich zu den Anderen. Sie sitzen ein paar Meter weiter in einem schicken Szene-Lokal und trinken Weißbier. Ein bulliger Typ kommt an und fragt, wer ich bin. Ich erkläre ihm, dass ich der Internet-Typ bin und einen Termin mit der Band hätte. Er geht zurück zu dem Tisch, an dem die Band sitzt und lässt mich mit Alister allein. Ich ahne, dass es zu Komplikationen kommen wird und überlege, ob ich nicht Alister sofort mit meinen Fragen zumüllen soll, um im Ernstfall wenigstens etwas Brauchbares in der Hand zu haben.

Small Talk. Gefällt dir Hamburg und so.

„Yeah, yeah.“

„Have you seen a lot of the city?“

„Yes. No. Just … just this and that.“

Der Bulle kommt wieder und Alister geht verschüchtert wie eh und je zurück an seinen Platz, greift sich sein Bierglas, trinkt aber nicht.

„Tut mir leid“, sagt der Bulle. „Du bist zu spät dran.“

Ich erkläre ihm, dass ich die ganze Zeit über am vereinbarten Treffpunkt gewartet habe.

„Sorry, die Band hat noch weitere Termine.“

Und als hätten sie es gehört, stehen alle vier auf und verlassen den Laden und lassen ihre vollen Gläser zurück. Irgendwo draußen warten weitere Schmalzfliegen auf einen kleinen Akustikgig mit Ukulele und ganz viel Klatschen. Die Band spielt die ersten zwei Strophen vom Meditation Song # 2. Nach zwei Minuten ist dieser Pflichttermin auch abgehakt und sie verschwinden im Knust.

Mein Vater hat mir mal gesagt, ich solle jedem misstrauen, der sein Bier nicht austrinkt.

Vielleicht hätte ich warten sollen, hätte mich auf die gewärmten Stühle gesetzt, vier unangetastete Weißbiere getrunken und die Zeit verstreichen lassen, um mir die Handsome Furs anzuschauen; vielleicht. Doch jetzt sitze ich im Zug und höre auf meinem Ipod Nick Cave; ein Australier, der mitnichten sein Bier hätte stehen lassen.

2 thoughts on “Cloud Control-Live at Reeperbahnfestival”

  1. Karl Theodor Maria Nikolaus ... says:

    Wie ihr mich mit der deutschen Berichterstattung in meinem amerikanischen Exil immer wieder aufheitert. Dieses Interview mit Mike hat mir doch sehr gefallen. Er ist so ein charmanter Backstage-Aufpasser, da kommen mir fast die Tränen.

  2. Eric Eric says:

    Was für ein wundervolles Interview. Voller Hingabe und monaterlanger Detailarbeit in der Recherche.

    Dazu diese Bilder! Diese hohe Kunst der Fotografie, auf das wesentliche beschränkt, wertet den Beitrag noch einmal zusätzlich auf!

    Da würde sogar der alte Matze sagen: “Ich nehme den Preis an.”

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