Ryan Adams-Ashes & Fire

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Der Herbst 2011 ist offenbar die Jahreszeit der sehnsüchtig erwarteten Alben. Neben den Releases von Wilco, Tom Waits und ein paar anderen habe ich mich besonders auf das neue Album von Ryan Adams gefreut. Seit fast zehn Jahren nun begleitet mich seine Musik und es gibt kaum einen Künstler, der mich so geprägt hat wie er.

In den ersten Jahren seiner Solokarriere wurde ich als Fan ziemlich verwöhnt, mit teilweise bis zu drei neuen Alben pro Jahr und zahlreichen unveröffentlichten, die im Internet kursierten. Doch in den letzten fünf Jahren nahm nicht nur die Zahl der Neuerscheinungen merklich ab, sondern auch deren Qualität. 2009 verbreiteten sich Gerüchte vom Karriereende, nachdem bei Adams Morbus Menière, eine Erkrankung des Innenohrs, festgestellt wurde. Eine Zeitlang wurde es still um ihn, von einem Ausflug ins Metalfach mal abgesehen, doch dann kündigte sein Label Pax-Am für Oktober 2011 eine neue Alt.Country-Platte ab, was mein Herz höher schlagen ließ. Unterstützung holte sich Adams wieder beim Johns-Clan, diesmal jedoch nicht bei Ethan, der seine besten Alben Heartbreaker und Gold produziert hat, sondern bei dessen Vater Glyn, der schon mit den Stones und den Beatles zusammengearbeitet hat. Auch Benmont Tench, Norah Jones und Adams’ Gattin Mandy Moore sind mit von der Partie.

Die beiden stärksten Songs kommen gleich zu Anfang: Dirty Rain ist eine sanfte, zurückhaltende Ballade im Stil von Heartbreaker, nur das hier der Herzschmerz überwunden ist: I’m here just looking through the rubble/tryin’ to find out who we were/last time I was here it was raining/it ain’t raining anymore. Der Titelsong ist eine flottere Angelegenheit und vielleicht Adams’ beste Gesangsperformance seit langer Zeit. Auch die Lyrics sind, abgesehen von der “a river of tears”-Floskel, durchaus ansprechend: And the wind was suddenly sweeter than Roosevelt pie/the windows broke out and the cigarette smoke was drifting by/the bums on the bowery/they were swallowed in lights/as cars rumbled by in the night/screaming ‘run for your life’. Abgerundet wird das Ganze durch Tenchs Honky-Tonk-Piano, das dem Song noch einmal einen besonderen Reiz verleiht.

Musikalisch betrachtet ist Ashes & Fire für Adamsche Verhältnisse erstaunlich homogen: smoothes, eingängiges Americana ohne große Überraschungen. Eine Ausnahme bildet Invisible Riverside, eine Art Amy oder Bartering Lines mit einem Hauch Psychedelic Rock. Leider gibt es auch einige durchschnittliche Songs, die weder durch Musik oder Text auffallen, z.B. Come Home, Rocks oder Kindness. Darüber sieht man jedoch gern hinweg, sobald man den finalen Song hört: I love you but I don’t know what to say ist eine warme, leicht jazzige Pianoballade, die gekonnt jeden Kitsch umschifft.

Adams’ Tage als Enfant terrible des Alt.Country gehören offenbar erstmal der Vergangenheit an, zumindest kommt er auf Ashes & Fire bemerkenswert gelassen, ja geradezu versöhnlich daher. Auch wenn das Album nicht mit Großtaten wie Heartbreaker, Gold oder 29 mithalten kann, ist es erheblich besser als seine letzten Platten mit den Cardinals und weckt die Vorfreude auf sein nächstes Werk. Dann auch gerne wieder mit einem Fuck-You-Song à la Nobody Girl oder To Be Young (Is to Be Sad, Is to Be High).

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