Double Feature #2: Sebastian Bach-Kicking & Screaming

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Das erste 11th Street Kidz Double Feature, eine Mischung aus Review und Interview, beinhaltete das grandiose Debut-Album des Projektes Imperial State Electric von Altmeister Nicke Andersson. Der Artikel kam bei euch sehr gut an und ich war lange auf der Suche nach einem wuerdigen Nachfolgerwerk. Fuendig wurde ich in Sebastian Bachs neuem Album Kicking & Screaming, welches ein ueberraschend starker Auftritt geworden ist.

Kicking & ScreamingDas erste, was einem ins Auge fällt, wenn man Kicking & Screaming in die Hände nimmt, ist das gnadenlos geile Cover-Artwork: Hel versucht Sebastian Bach in das Fegefeuer der Hölle zu ziehen. „Manchmal zerren dich Frauen eben in die Hölle!“, lacht Sebastian fröhlich über meine Beschreibung des Artworks. „Für mich müssen Cover etwas mit den Lyrics zu tun haben und geil aussehen, ich mag keine Cover, die einfach nur aus einem Bandfoto und dem Logo bestehen“, sprudelt es aus Baz heraus, ehe er noch hinzufügt, das Cover erinnere ihn an Ken Kellys Artwork für das Kiss-Album Destroyer.

Eins gleich vorweg: Während das Vorgängerwerk Angel Down sehr metallastig war, ist Kicking & Screaming wieder etwas rockiger geworden. „Das liegt ein bisschen an den Musikern, mit denen ich zusammen gearbeitet habe“, klärt Sebastian mich auf. „Auf Angel Down arbeitete ich mit dem Gitarristen Metal Mike Chlasciak zusammen und der Name sagt ja schon, was für eine Art Album man zu erwarten hat. Allerdings gibt es mit dem Titeltrack, Lost In The Light, Dance On Your Grave oder dem verdammt schnellen My Own Worst Enemy immer noch ziemlich heftige Tracks auf dem Album. Wichtig ist doch aber nur, dass, wenn man das Album auf der Shuffle-Funktion laufen lässt, jeder Song rockt.“

Nick Sterling, Sebastian Bach & Bobby JarzombekAls Angel Down veröffentlicht wurde, gab Bach ein Interview, in dem er sagte, dass er nicht wüsste, ob er jemals wieder ein Album machen würde. Doch dann lernte er den gerade einmal 21-jährigen Gitarristen Nick Sterling kennen. Dieser veränderte nicht nur den Sound Bachs deutlich, sondern inspirierte ihn auch zu neuen Songs. „Er ist wirklich ein toller Gitarrist und es ist einfach, mit ihm Songs zu schreiben. Man setzt sich mit ihm hin und schon kommen die Ideen“, sagt Sebastian euphorisch und steigert dies daraufhin sogar noch: „Ich sehe das Verhältnis zwischen Nick und mir ähnlich wie das zwischen Ozzy und Randy RoadsNick ist die Seele dieses Longplayers!“

Bach erzählt weiter, dass die Symbiose zwischen Nick Sterling und ihm einen vollkommen neuen Sound auf die Welt gebracht hat. „Ich habe zuerst mit anderen Musikern gearbeitet, doch als ich Nick traf, wurde mir sofort klar, dass wir sehr gut zusammen passen, denn seine Ideen passen einfach perfekt zu meiner Musik.“ So entstanden zum Beispiel das oldschoolige Caught In A Dream und das Brett One Good Reason zusammen mit Nick in Sebastians vier Wänden auf dem heimischen Sofa. „Caught In A Dream erinnert mich sehr an das erste Skid Row-Album“, stellt Sebastian Bach fest. „Ist ja auch irgendwie klar: Als das Album erschien, waren wir Teenager, genau wie Nick jetzt. Aber das ist der Spirit des Rock&Roll: Being Young, Having Fun.“

Auch Produzent Bob Marlette, der dem Album einen fetten und nicht totkomprimierten Sound verpasst hat, steuerte einige Songs bei, nämlich den albumeröffnenden Titeltrack und das rotzige Dirty Power.

Der erste Song der für das neue Album geschrieben wurde, entstand aber nicht mit Nick Sterling oder dem Produzenten Bob Marlette, sondern mit Rob Zombies Gitarristen John 5. „John ist ein großer Fan meines Gesangs und sagte mir, er wollte einen Song für mich schreiben, um mich im Radio zu hören. Keine Ahnung, ob der Song jemals im Radio laufen wird, aber es ist ein großartiger Song!“, lacht Sebastian. Auf die Frage ob er schon einen seiner neuen Songs im Radio gehört hatte, reagiert Sebastian Bach leicht enttäuscht. „Nein, Radio in Amerika ist wirklich hart. Die Classic-Rock-Sender hier spielen lieber I Remember You oder 18 & Life anstelle eines neuen Songs. Ich habe das Gefühl, sie tun so, als hätten wir es 20 Jahre früher. Irgendwann aber ist 2011 zwanzig Jahre zurück – ich für meinen Teil lebe lieber im Jetzt.“

Sebastian BachNormalerweise stehen Sebastians Lyrics ja eher für Rock&Roll-Klischees wie schnelle Autos, schöne Frauen und eine wilde Party, doch auf Kicking & Screaming sind die Lyrics sehr viel persönlicher. „Ich bin gerade durch eine Scheidung gegangen und habe ein neues Mädchen kennen gelernt, der Großteil des Albums ist also über Weiber“, lacht der blonde Riese, ehe er hinzufügt: „Making Up & Breaking Up ist also sowas wie das Motto des Albums. Man kann nur über das Schreiben, was man auch selber fühlt, und so fühle ich mich eben zurzeit. Dance On Your Grave ist zum Beispiel so ein Song, den du deiner Ex-Freundin singen kannst. Viele Leute kennen diese Gefühle und ich denke, dass sie dadurch einen guten Zugang zum Album finden.“ Der Song As Long As I Got The Music schlägt textlich in eine ganz andere Kerbe und dürfte wohl das Lebensmotto eines jeden Musikfans darstellen: „As Long As I Got The Music Drivin‘ Me You Ain’t Nothing Bothers Me“. Dass dies auch Baz’ Lebensmotto ist, liegt auf der Hand. „Die Lyrics sind mein Leben. Der Song hat dazu dieses Kiss- oder Def Leppard-Feeling. Der Refrain ist wirklich sehr hoch und ich höre mich an wie ein kleiner Junge – dabei bin ich definitiv kein kleiner Junge mehr!“, spaßt der Amerikaner ein weiteres Mal.

Die Antwort auf seinen Lieblingssong des Albums fällt ihm nicht schwer, eine andere hingegen schon. „Ich liebe My Own Worst Enemy – aber eigentlich liebe ich das ganze Album, sonst hätte ich es nicht veröffentlicht. Jeder Song ist anders, die Gitarrenriffs sind großartig und Bobby Jarzombek ist eh der beste Drummer der Welt.“

Aber die Frage, die Baz nur schwer beantworten kann, ist, welche Songs auf der nun anstehenden Tour gespielt werden. „Das ist immer schwer, da welche heraus zu picken. Ich weiß, dass die Leute Songs wie 18 & Life hören wollen, doch ein Teil in mir sagt, dass wir das ganze neue Album spielen sollten.“ Daraufhin erzähle ich Sebastian, dass Iron Maiden vor ein paar Jahren ihr damals aktuelles Album A Matter Of Life & Death komplett live gespielt haben und nur in den Zugaben alte Hits ausgepackt haben. Diese Tatsache begeistert ihn wirklich und er bescheinigt mir, dass das eine großartige Idee wäre und sie das tun würden. Wenn ihr also demnächst zu einem Sebastian Bach-Konzert geht und ihr Kicking & Screaming komplett hört, könnt ihr euch im Nachhinein bei mir dafür bedanken. Ich hake weiter nach, ob es überhaupt möglich ist, das ganze Album live zu spielen. Schließlich gibt es genügend Gruppen, die ihre im Studio ertüftelten Songs nicht live umsetzen können. „Das ist absolut kein Problem, ich würde sie sogar in derselben Reihenfolge spielen wie auf dem Album. Allerdings musste ich es erst lernen, die neuen Songs live richtig zu bringen. Kicking & Screaming zum Beispiel muss ich am Anfang einens Sets bringen – da bin ich am Limit meiner Lunge, aber das ist das, wonach der Song schreit, Kicking & Screaming eben!“

Dies bringt mich dazu zu hinterfragen, was er besser findet: Sich live auf der Bühne die Seele aus dem Leib zu rocken oder im Studio die Details auszutüfteln. Nach kurzer Überlegung hat Sebastian sich entschlossen: „Ich glaube, ich mag es ein kleines bisschen mehr, im Studio zu tüfteln, denn es macht sehr viel Spaß, neue Sounds zu kreieren. Außerdem werden diese Alben länger da sein als ich, und das macht mich wirklich stolz. Aber ich liebe es auch live zu spielen. Ich liebe Arena-Shows oder Festival-Auftritte mit großen Bühnen, auf denen ich mich voll ausleben kann.“

Sebastian BachDerzeit geht es auf der Tour durch die USA, da liegt die Frage nahe, ob es denn auch eine Europa-Tour geben wird, womöglich sogar noch einige Abstecher nach Deutschland. „Liebend gern! Ich liebe Deutschland und meine Vorväter sind von dort. Es gibt ein Foto von einem meiner Vorfahren aus Deutschland, darauf hat er Haare bis zum Hintern, als wäre er in einer Heavy Metal Band!“, freut sich Sebastian. „Ich habe einen neuen Agenten in Europa und der kümmert sich gerade um die Tour dort, allerdings weiß ich noch keine genauen Termine. Ich fände es geil, in Wacken zu spielen, oder beim Bang Your Head. Da haben wir 2005 das letzte Mal gespielt, um 1 Uhr mittags. Das war eindeutig zu früh für mich, haha. Aber auch Rock Am Ring fände ich geil – da habe ich 2006 mit Axl Rose gespielt. Danach hatten wir eine richtig geile Party Backstage mit Metallica – ich sag nur so viel, Lars Ullrich hatte in dieser Nacht jede Menge Spass.“

Ich überrasche Sebastian ein wenig mit der Aussage, dass ich keine Fragen mehr hätte und überlasse ihm die letzten Worte. „Danke für das Interview und an alle da draußen: Kauft euch die Deluxe-Version von Kicking & Screaming! Sie beinhaltet neben der normalen CD eine DVD mit einem Making Of!“. Er will noch etwas hinzufügen, doch ich unterbreche ihn etwas unhöflich mit den Worten „I got the vinyl edition.“ Ohne zu zögern platzt es aus ihm heraus: „That’s awesome! Ich habe es bisher noch nicht auf LP hören können, aber ich liebe Vinyl einfach. Es klingt ganz anders als eine CD, viel wärmer.“

Gerade als ich ihm meine Meinung zum Thema Vinyl mitteilen will, ist es diesmal Baz der mich unterbricht: „What’s the name of you website?“ Ich bin kurz verwirrt, reagiere dann aber schnell: „Eleventh Street Kidz! Wie der Hanoi Rocks Song!“, und begeistere ihn damit total. „That’s Killer! Erst vor zwei Wochen habe ich zusammen mit Michael Monroe eine Show in Hollywood gespielt! Er ist besser als jemals zuvor!“

Und genau das trifft auch auf Sebastian Bach und sein neues Album Kicking & Screaming zu.

Facts

  • Release: 23. September 2011
  • Label: Frontiers Records
  • Format: CD, LP
  • Songs: 13
  • Spielzeit: 53:11 min

Links

Tracklist

01. Kicking & Screaming
02. My Own Worst Enemy
03. Tunnelvision
04. Dance On Your Grave
05. Caught In A Dream
06. As Long As I Got The Music
07. I’m Alive
08. Dirty Power
09. Live The Life
10. Dream Forever
11. One Good Reason
12. Lost In The Light
13. Wishin’

One thought on “Double Feature #2: Sebastian Bach-Kicking & Screaming”

  1. Ulrich Borowka says:

    Mit Sebastian Bach würde ich gerne mal einen trinken.

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