Erics Vinylkiste #1

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Es macht ohne jeden Zweifel eine Menge Spaß, sich neue CDs zu kaufen, sie fest unter der Jacke versteckt nach Hause zu tragen, die Anlage in Gang zu bringen und der neuen Musik zu lauschen. Aber es gibt etwas was noch mehr Spaß macht: Neue Vinyl-LPs zu kaufen. Die großen Cover, das geradezu magische Gefühl, wenn man die Platte aus der Hülle zieht und auf den Plattenteller legt. Das Knistern beim Auflegen der Nadel lässt einen vor Vorfreude nervös werden und sobald die ersten Töne der Musik erklingen, wird man von ihrer Wärme und Lebendigkeit in sie hineingezogen. Für alle gestandenen und angehenden Vinyl-Sammler unter euch Lesern möchte ich nun in meiner neuen Kolumne „Vinylkiste“ meine neusten Vinyl-Eroberungen vorstellen. Klickt auf die Bilder für eine größere Ansicht!

Sebastian Bach – Kicking & Screaming

Das neue Solowerk des ehemaligen Skid Row-Sängers Sebastian Bach habe ich euch schon in meinem aktuellen Double Feature (Klick) ausgiebig vorgestellt, deswegen kommen wir gleich zum Vinyl selbst: Keine 180g Pressung, für meinen Geschmack auch zu viele Tracks pro Seite. Die A-Seite hat ganze sieben Stücke, die B-Seite immerhin noch 6. Dafür schönes Gatefold-Cover mit einigen Linernotes und allen Songtexten.

Anspieltipps: Kicking & Screaming, Dance On Your Grave, One Good Reason

Beth Hart & Joe Bonamassa – Don’t Explain

Der Joe Bonamassa-Overkill geht weiter: Mehrere Soloalben, zwei Black Country Communion-Scheiben, unzählige Gastauftritte und eine unendliche Tour. Zwischendurch hat er die Zeit gefunden, mit der wunderbaren Beth Hart in nur vier Tagen in Amsterdam ein Album einzuzimmern, welches wieder einmal beweist, dass dieser Mann durchaus eine Daseinsberechtigung hat und aktuell wohl zu den besten Gitarristen überhaupt zählt. Zusammen interpretieren beide alte Blues- & Soulklassiker und wirken dabei so authentisch wie ein altes Ehepaar. Gerade Beth Harts Stimme lässt einige Male Erinnerungen an Amy Winehouse wach werden. Die Scheibe kommt als 180g Vinyl, leider aber nur mit Einfach-Cover. Dafür gibt’s eine schöne Innenhülle mit vielen Linernotes. Grund zur Kritik gibt es aber trotzdem: Produziert wurde das Ganze von Kevin Shirley, der dem Album natürlich wieder seinen muffigen Sound verpasst hat.

Anspieltipps: Chocolate Jesus, I’d Rather Go Blind, Something’s Got A Hold Of Me

Jimi Hendrix – In The West (Re-Issue)

Re-Issue der 1972 posthum veröffentlichten und bereits lang vergriffenen Live-Zusammenstellung Hendrix In The West. Gleich vorweg: Traditionalisten sollten aufpassen, denn die Original In The West Versionen von Little Wing und Voodoo Child (beide aus der Royal Albert Hall) wurden gegen andere Versionen ausgetauscht (Little Wing kommt nun aus dem Winterland Ballroom, Voodoo Child aus der Sports Arena San Diego). Die beiden Original-Versionen sind allerdings auf dem spotbilligen (Tipp: Bei jpc.de gibt es das CD-Set derzeit für 29,99!) Winterland Box-Set enthalten. Alle anderen freuen sich über ein tolles Re-Issue: 2x180g Vinyl, tolles Gatefold Cover und ein achtseitiges Booklet im LP-Format. Musikalisch gibt es nicht nur die beste Red House-Version überhaupt, sondern mit Fire, I Don’t Live Today und Spanish Castle Magic gleich drei gnadenlos gute Bonusstücke.

Anspieltipps: Red House, Spanish Castle Magic, Johnny B. Goode

John Hiatt – Dirty Jeans And Mudslide Hymns

John Hiatt legt mit Dirty Jeans And Mudslide Hymns sein vielleicht bestes Album vor. Schon der Opener Damn This Town gibt die Richtung für das Album vor: Ein schöner Mix aus Blues und Singer/Songwriter. Leider war auch hier Kevin Shirley für die Produktion zuständig, so dass die LPs im Shirley-typischen dumpfen Sound daherkommen, obwohl es sich hier noch in Grenzen hält. Schönes Gatefold-Cover mit vielen Fotos und allen Songtexten, dazu 2x 180g Vinyl. Aber Vorsicht, die B-Seite der zweiten LP ist blind – will sagen unbespielt.

Anspieltipps: Damn This Town, I Love That Girl, When New York Had Her Heart Broke

Michael Schenker – Temple Of Rock

Michael Schenker ist zurück: Nicht unter dem Banner seines Steckenpferdes MSG, sondern schlicht als Solokünstler. Lange klang keine Veröffentlichung von ihm mehr so frisch und so herrlich altbacken zu gleich. Michael Schenker ist zurückgekehrt zum klassischen Hard Rock ohne Experimente und hat zusammen mit Produzent und Sänger Michael Voss eine tolle Scheibe vorgelegt. Besonders zu Empfehlen ist der 3 Generations Guitar Battle am Ende der LP: Michael Schenker haut hier zusammen mit Leslie West und Michael Amott in die Saiten. Leider nur ein einfaches Cover, dafür eine Innenhülle mit allen Lyrics und massives 180g Vinyl von Inakustik.

Anspieltipps: How Long, The End Of An Era, Storming In

Tom Waits – Bad As Me

Tidl hat das neue Werk von Tom Waits ja bereits ausgiebig rezensiert und Bad As Me den Titel „Gottalbum“ verliehen, doch da stimme ich nicht ganz zu. Unter dem Strich bleibt ein respektables Album, das aber zu keiner Zeit den unbeschwerten Charme der ersten beiden Waits-Scheiben (Closing Time & The Heart Of Saturday Night) erreicht. Dafür gibt es hier aber Value-For-Money: 180g Vinyl, 16-Seitiges Booklet im LP-Formt und eine CD-Ausgabe des Albums obendrauf.

Anspieltipps: Bas As Me, Last Leaf, New Years Eve

Warren Haynes – Man In Motion

Warren Haynes zweites Soloalbum Man In Motion ist ohne jeden Zweifel eins der besten Alben, die es je gegeben hat. Gekonnt verbindet das Arbeitstier (andere Baustellen sind Gov’t Mule, The Allman Brothers Band & The Dead) Blues und Soul, heraus kommen dabei wunderbare Songs wie Your Wildest Dreams. Wer bei dem Einsatz des Saxophon-Solos keine Gänsehaut bekommt, ist vermutlich schon lange tot. Auf Vinyl kommt dieses Stück noch um einiges besser. Die LP ist beim Label-Klassiker Stax erschienen, und man bekommt man zwei Vinyls und ein tolles Gatefoldcover mit allen Lyrics.

Anspieltipps: Your Wildest Dreams, Hattiesburg Hustle, River’s Gonna Rise

Leslie West – Unusual Suspects

Leslie West sorgt mit Unusual Suspects endlich wieder für Schlagzeilen durch Musik -  und nicht durch seinen durchaus als kritisch zu betrachtenden Gesundheitszustand. Mit vielen Gastmusikern wie z.B. Steve Lukather, Slash, Billy Gibbons, Zakk Wylde und Joe Bonamassa (der in Third Degree über sich hinaus wächst und auch Leslie West zu Höchstleistungen antreibt) entstand ein Bluesrockalbum ohne Schnörkel: Harte Riffs, klasse Soli, gute Songs. Was will man mehr? Einfaches Cover, Innenhülle mit allen Lyrics (und kleinem, sympathischen Fehler: Die Lyrics für Nothing Changed sind zweimal darauf gedruckt) und 180g Vinyl.

Anspieltipps: To The Moon, Legend, Third Degree

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