The Brew-Diese Musik ist unsere Leidenschaft

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Vor ihrem großartigen Konzert in der Hamburger Markthalle nahmen sich Tim, Kurtis und Jason Zeit, um mit den Eleventh Street Kidz über ihr aktuelles Album The Third Floor, die ausgedehnte Europa-Tournee und das aktuelle Bluesrock-Revival zu schnacken.

 

Könnt ihr erklären, wie der kreative Prozess aussieht, wenn ihr ein Album macht? Gibt es bei euch in der Band ein Mastermind oder steuern alle etwas bei?

Kurtis: „Meistens kommt einer von uns mit einem Riff oder einer Melodie an und wir arbeiten den Song dann alle zusammen aus. Es gab noch keinen Song, der von einem alleine geschrieben wurde. Nur die Songtexte kommen alle von Tim, der schreibt einfach ständig welche.“

Tim: „Ich schreibe wirklich ständig Texte (lacht). Die sammeln wir dann für spätere Alben. Das können auch manchmal nur kleine Dinge sein, bei denen man später dann schaut, wo sie hineinpassen. Weil wir ständig auf Tour sind, schreiben wir unterwegs, manchmal sogar auf der Bühne. Und wenn wir dann ins Studio gehen, haben wir die Songs größtenteils zusammen. Nur die Produktion des Albums kann man nicht während der Tour machen.“

 

Gab es bei der Arbeit zu The Third Floor Unterschiede zu euren vorherigen Alben?

Jason: „Wir hatten mehr Zeit. A Million Dead Stars hatten wir in fünf Tagen aufgenommen. Dieses Mal hatten wir zwei Wochen, um die Songs aufzunehmen und nochmal eine Woche zum Mixen. Das war der größte Unterschied, denn wir konnten uns wirklich mal in Ruhe hinsetzen und Ideen mit unserem Produzenten Chris West austauschen. Die Songs sind einfach besser produziert und auch das Feintuning klingt besser. Bei A Million Dead Stars hatten wir die Songs fertig und sind kurz ins Studio gegangen, um sie aufzunehmen.“


Was ist euer Lieblingssong auf The Third Floor?

Jason: „Das ist echt eine schwere Frage. Das ändert sich eigentlich mit jedem Hören. Es war mal Sirens of War, der eigentlich gestrichen werden und gar nicht aufs Album kommen sollte. Doch dann hat er sich doch noch entwickelt und wurde schließlich der Opener des Albums. Crimson Crystal Raindrops, der psychedelische Song, ist auch klasse. Eigentlich war es nur ein Jam, der in einem Take aufgenommen wurde. Wir haben nur einen bisschen rumgespielt, doch Chris, unser Tontechniker, hat es aufgenommen und das war’s. Die Lyrics hatten wir noch rumliegen, wussten aber nicht, was wir mit ihnen tun sollen… dann haben wir uns gesagt, lasst uns mal was anderes machen.“

Tim: „Ich mag Reached The Sky und Six Dead. Und ich genieße es jedesmal Piper Of Creed zu spielen, da kommt irgendwie jeder von uns richtig rein. Aber einen wirklichen Lieblingssong habe ich nicht. Ich mag sie alle. Es ist für jede Stimmung was dabei.“

Kurtis: „Abgesehen von dem Drum-Solo am Ende des Albums ist es auf jeden Fall Six Dead. Wir gingen mit dem Song ins Studio und er wurde fetter, als wir es uns je erhofft hatten. Ein fantastischer Song mit einem Killer-Riff.“

 

Ihr seid Teil einer Welle von Revival-Bands, die den Sound der 60er und 70er wieder aufleben lassen. Könnt ihr erklären, woher dieses Revival kommt?

Jason: „Wir hören diese Art von Musik, seit wir auf der Welt sind und wir spielen sie, seit wir 15 sind. Es ist einfach in unserem Blut, diese Musik ist unsere Leidenschaft. Wir sind ganz bestimmt nicht einem Trend gefolgt, um hip zu sein.“

Tim: „Solche Revivals kommen und gehen halt immer mal wieder. Es gibt Bands, die auf so etwas aufspringen, aber ehrlich, wir machen das hier seit neun Jahren, sieben davon mit zusammen mit Jason. Für uns ist das nichts Neues, nur die Medien scheinen jetzt darauf aufmerksam geworden zu sein. Aber wir sind keine Fashion Band, keine Pop Band, wir machen das, womit wir uns glücklich fühlen. Klar, es bringt uns mehr Aufmerksamkeit und das ist auch gut so. Aber es hat keinen Sinn, jetzt zu versuchen, ein Album à la Led Zeppelin oder The Who zu schreiben. Man muss das schon mit einem Touch des 21. Jahrhunderts versehen. Ich meine, es wurde alles schon einmal gemacht, man muss die Musik schon ins Heute bringen.“

 

Lee Majors hat mal gesagt: „Ich weiß nicht warum, aber jeder hat einen Hit in Deutschland. David Hasselhoff hatte einen Hit in Deutschland, einen Nummer-Eins-Hit. Ich hatte einen Nummer-Eins-Hit in Deutschland. Ich glaube, die haben da drüben einfach keine Ahnung von Musik.“ Könnt ihr erklären, warum ihr so großen Erfolg in Deutschland habt, jedoch nicht in eurer Heimat England?

Jason: „England ist England. Die Leute dort ziehen nicht los und entdecken neue Musik für sich. England ist da sehr von den Medien beeinflusst. Die Leute in Deutschland sind viel offener für neue Musik. Sie sehen irgendwo ein Tourposter von einer Band, von der sie noch nie zuvor was gehört haben und sie sagen sich, klingt cool, und gehen dann zu dem Konzert. In Großbritannien ist das unvorstellbar.“

Kurtis: „Wenn Radio One die Musik nicht spielt, wird auch keiner zu einem Konzert gehen. Es ist wirklich schwierig für neue Bands.“

Tim: „Irgendwann wird die Musik von hier aus ihre Heimat erobern. Aber wie die Jungs schon gesagt haben: Wenn du in England nicht von den Medien gehypt wirst und nicht zufällig die Fashion Band der Stunde bist, wird sich auch keiner die Zeit nehmen, sich mit deiner Musik auseinanderzusetzen. Hier auf dem Festland bilden die Leute sich die Leute noch ihre Meinung selbst, was sehr gut ist für talentierte Bands.“

Jason: „Hinzu kommt, dass Großbritannien relativ klein ist, verglichen mit der Menge an Bands, die es dort gibt. Wir sind eine ganze Zeit lang durch England getourt und haben irgendwann beschlossen, etwas ganz Anderes zu machen. Wir sind dann nach Holland rüber und haben uns langsam voran gearbeitet. Und jetzt sind wir in Deutschland.“

 

Wer sind eure Vorbilder?

Jason: „Ich habe eine Menge Blues-Helden: Stevie Ray Vaughan, Hendrix, Page, Gilmore, Hank Marvin von den Shadows. Ich liebe die Shadows, ihre Musik hat mich erst zum Gitarrespielen gebracht. Dann die Dire Straits, aber auch moderne Bands wie die Raconteurs. Was das Songwriting angeht, ist Crispian Mills von Kula Shaker mein Mann. Ein toller Gitarrist und einer der besten Songwriter überhaupt.“

Tim: „Alles von The Who.“

Kurtis: „Natürlich Bonham, Keith Moon, Mitch Mitchell, aber auch einige Jazz-Drummer wie Gene Krupa oder Buddy Rich.“

 

Was war das letzte Konzert, das ihr besucht habt?

Kurtis: „Die letzte Band, die ich gesehen habe, heißt Cloud Control. Ich kannte die Band vorher nicht, aber er Freund hat gesagt, ich solle unbedingt auf das Konzert gehen und mir die Musik anhören, bevor sie ihren Durchbruch haben.“

Tim:The Who (lacht). Das ist das letzte Konzert, an das ich mich erinnern kann. Irgendwann 1978. Nein, im Ernst: Wir haben zusammen Wolfmother gesehen, kurz bevor sie in England ihren Durchbruch hatten. Damals noch mit dem originalen Line-up.“

Jason: „Das letzte wirklich große Konzert auf dem ich war, war das Download-Festival 2010 mit AC/DC, Aerosmith und Rage Against The Machine.“

Kurtis: „Ja, bei mir war es auch das Download-Festival. Es war großartig, AC/DC, Rage Against The Machine und Them Crooked Vultures zu sehen. Leider mussten Wolfmother absagen.“

Tim: „Momentan sind wir an was Großem dran, worüber ich noch nicht so viel erzählen kann. Aber als ich das hörte, da dachte ich nur: Meint ihr das ernst? Die und wir zusammen? Man kann es einfach noch nicht fassen. Als Kind bin ich mit diesen Namen aufgewachsen und nun teilen wir uns zusammen die Bühne. Unglaublich aber wahr.“

 

Ihr habt die letzten zehn Tage in zehn deutschen Städten gespielt. Lief alles rund oder gab es da irgendwelche besonderen Ereignisse?

Tim: „Ja, in München fing das Mischpult Feuer.“

Jason: „Wir konnten es auf der Bühne riechen. Ich dachte nur, was zur Hölle ist das? Und dann kamen die Techniker an, haben die Monitorboxen umgedreht und damit das Publikum beschallt.“

Tim: „Wir haben nicht aufgehört zu spielen.“

Kurtis: „Der Tontechniker kam rüber und berichtete, dass das Mischpult Feuer gefangen hätte. Er sagte, er bekäme das schon wieder in den Griff, wir sollten nur weitermachen. Das taten wir dann auch. Er hat dann alle Kabel umgesteckt und von der Bühne aus gemischt.“

Tim: „Wir haben einfach zehn Minuten gejammt. Der Tontechniker hat einen wirklich guten Job gemacht, am Ende war es so, als wäre nichts gewesen. Wir hatten bis jetzt eine wirklich tolle Zeit auf Tour. Es läuft für uns verdammt gut und wir sind stolzer denn je, denn das Publikum unterstützt uns von Auftritt zu Auftritt immer mehr. Mehr können wir uns nicht wünschen.“

Das Interview führten Greg Kerridge und Tidl.

 

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