Dan Mangan-Live at Gleis 22 Muenster-03.12.11

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Der dritte Dezember ist für mich ein besonderer Tag: An diesem Datum habe ich Ryan Adams und William Fitzsimmons live erlebt und dieses Jahr habe ich mich auf den Weg nach Münster gemacht, um Vancouver’s Finest Dan Mangan mit seiner Band zu sehen, der dort sein neuestes Album Oh Fortune vorstellt. Das Gleis ist bereits knallvoll, als ich ankomme. Ich versuche mir so gut es geht einen Weg durch die Menge zu bahnen, um wenigstens ein bisschen von den Musikern sehen zu können. Los geht es mit The Crackling, die, wie sich herausstellt, Dans Begleitband ist. Sie umfasst Sänger und Gitarrist Kenton Loewen, den Jazzgitarristen Gord Grdina und Colin Cowan am Kontrabass. Bei Supports bin ich ja immer etwas überkritisch, aber diese Band hat mich gleich in ihren Bann gezogen, was unter anderem an Loewens sympathischer Art liegt. Um den heißen Brei herum redet er jedenfalls nicht: „My German is scheiße that’s why I am going to speak English. I hope this does not offend you.“ Den zweiten Song leitet er ein mit: „This song is called A Joke. It’s about us.” Außerdem bietet er noch an, nach der Show zu ihm zu kommen, um ihn zu „high-fiven“ oder zu umarmen.

 

Loewen hat sich in erster Linie einen Namen als Jazzdrummer gemacht, doch diese Songs gehen eher in Richtung Alt-Country. Wunderbar elegische Musik, die an Richmond Fontaine oder Magnolia Electric Co. erinnert, mit einem Schuss Neil Young. Wie er erklärt, hat er zunächst einen Song namens The Crackling geschrieben, nachdem er dann die Band benannt hat. Zudem ist das Knistern eines Feuers sein liebstes Geräusch. Loewen gesteht, dass er tags zuvor ein bisschen zu lange aufgeblieben ist und seine Gesangskünste daher nicht die besten sind an diesem Abend. Zu Beginn krächzt er auch ein wenig, fängt sich aber schnell wieder. Fasziniert hat mich jedoch in erster Linie Grdinas warmes und klares Gitarrenspiel. Für den Song Keep Me Drunk begrüßt er nicht nur Mangan an den Drums, sondern spannt auch das Publikum mit ein. Gemäß seiner Ansicht, dass Menschen zuviel reden und zu wenig zuhören, sollen alle I hear what you say singen, was auch wunderbar funktioniert und den Höhepunkt des etwa 40-minütigen Sets bildet. Im April hat die Band übrigens in Kanada ein Album namens Keep Full Ambitious veröffentlicht. Sollte man sich vielleicht mal anhören.

 

Nach einer kurzen Pause werden die Rollen getauscht und Mangan tritt ans Mikro. Zu Beginn gibt es das großartig betitelte About As Helpful As You Can Be Without Being Any Help At All, das auch Oh Fortune eröffnet und sich vom flirrenden Klangwirrwarr in einen wunderschönen Walzer verwandelt. Mehr noch als auf dem Album haut die Band ordentlich auf die Pauke; generell kommen die Songs live um einiges druckvoller und energiegeladener daher wie z. B. Sold (vom vorletzten Album Nice, Nice, Very Nice), Oh Fortune oder Some People, das mit einem Wahnsinnsjam aufwartet. Mangans Band erweist sich als echter Gewinn: Grdinas Spiel ist unglaublich abwechslungsreich und hat vom sanften Slidesound über schwindelerregende Läufe bis zu wild-verzerrtem Geschrammel fast alles zu bieten und auch Loewen an den Drums ist immer wieder für eine Überraschung gut. Cowans Künste kommen so richtig bei Basket zur Geltung, einer Akustikballade über Dans Großvater Bill.

 

Dan selbst gibt aber auch alles und begeistert mit seiner rauen, kraftvollen Stimme. Zwischen den Songs entpuppt er sich außerdem als sehr nett und unterhaltsam. Als am Ende von About as helpful jemandes Handy klingelt, ist er nicht etwa verärgert, sondern freut sich, dass der Klingelton dieselbe Tonart hat wie der Song. Immer wieder scheint er überwältigt davon, wie viele Menschen nach Münster gekommen sind, oder zumindest mehr als bei seinem letzten Besuch vor drei Jahren. „I see you have multiplied. Thank you for doing that.“ In Deutschland gefällt es ihm offenbar auch ganz gut: „The food is good, the beer is good and the people are always smiling.” Bei der Musik kein Wunder! Auch erklärt er gerne die Hintergründe seiner Songs: Rows of Houses etwa basiert auf dem Film Stand by me, während Post-War Blues von einem Soldaten mit posttraumatischer Belastungsstörung handelt. Das Niveau ist durchgängig hoch und ein Song toller als der andere, sei es nun Leaves, Trees, Forests, Starts With Them, Ends With Us oder You Silly Git, das nahtlos in Road Regrets übergeht. Den Vogel schießt Dan aber mit Robots ab, seinem vielleicht bekanntesten Song. Das Publikum hatte keinen Hehl daraus gemacht, wie sehr es den Song hören wollte, sodass nun alle mit einstimmen durften. Einige Minuten lang sangen alle gemeinsam Robots need love, too/they want to be loved by you/they want to be loved by you. Während dieser Minuten wirkten alle von jeglichen Sorgen und Problemen befreit und vollkommen glücklich, beseelt von der wunderschönen Musik. Ein wahrhaft magischer Moment.

 

Für die Zugabe kommt Dan zunächst allein auf die Bühne. Auch hier erweist sich das Publikum als ziemlich textsicher und unterstützt ihn bei The Indie Queens Are Waiting mit einem Are We Cool Now. Danach gibt er noch ein sehr hübsches Cover von dem Neutral Milk Hotel-Song In the Aeroplane Over The Sea zum Besten. Für das große Finale kommt die Band noch einmal zurück auf die Bühne, während Dan sich auf einen Stuhl mitten in die Menge stellt. Er singt So Much For Everyone, auch hier natürlich wieder mit Unterstützung des Publikums. Was für ein toller Abschluss eines tollen Konzertes! Sein Album fand ich wirklich nicht übel, aber seine Livekünste haben mich echt vom Hocker gehauen, besonders die überbordende Spielfreude. Ich glaube, seit dem Luftballonregen bei Sufjan Stevens hatte ich nicht mehr so viel Spaß bei einem Konzert und ich denke, den meisten vor Ort ging es ähnlich. Musikalisch gab es nichts auszusetzen und seine Interaktion mit dem Publikum ist wirklich etwas besonderes, so viel Herzlichkeit habe ich selten erlebt. Was bleibt mir als Fazit da noch anderes zu sagen als: Nice, nice, very nice!

2 thoughts on “Dan Mangan-Live at Gleis 22 Muenster-03.12.11”

  1. Daisy says:

    Aber hallo!

  2. Tidl says:

    Super Musik, die der Kerl macht!

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