Graveyard-Wir hatten vier Jahre um unseren Sound zu entwickeln

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Ende November war die schwedische Rock-Band Graveyard gemeinsam mit Motörhead und Duff McKagan unterwegs. Wir trafen Joakim Nilsson (Gesang, Gitarre), Rikard Edlund (Bass), Axel Sjöberg (Drums) und Jonatan Ramm (Lead) in Hamburg auf ein Bierchen und sprachen mit ihnen über ihr aktuelles Album Hisingen Blues, über die Musikszene in Schweden und über die Inspiration durch B-Movies.

 

Hisingen, eine Insel die zu eurer Heimatstadt Göteborg gehört, diente als Titel zu eurem aktuellen Album Hisingen Blues. In welcher Verbindung steht der Titel zu der Gegend?

Jonatan: “Ich habe den Titelsong Hisingen Blues in einer Zeit geschrieben, in der ich nicht in der besten Verfassung war. Ich habe viel Zeit in Hisingen verbracht und die Gegend passte einfach zu meiner melancholischen, verwirrten Stimmung. Später haben wir gedacht, dass der Songtitel auch ein guter Titel für das Album wäre, weil er die Melancholie, aber auch den aggressiven Stil des Albums widerspiegelt.”

 

 

Gab es Unterschiede im Schreib- und Aufnahmeprozess im Vergleich zum Debütalbum (Graveyard, 2007)?

Rikard: “Als das erste Album in Planung war, hatten wir nicht das Geld, um es aufzunehmen. Wir mussten uns durchschlagen, viel zusammen live auftreten, so dass wir irgendwann nicht mehr sagen brauchte, dass wir das jetzt so und so machen wollen, denn wir hatten unseren Sound gefunden. Man könnte sagen, dass wir live zusammen gewachen sind. Wir sind dann ins Studio und haben es aufgenommen. Für Hisingen Blues hatten wir wesentlich mehr Zeit. Wir hatten weitere vier Jahre Zeit, um als Band zusammenzufinden und unseren Sound, den typischen Graveyard-Sound zu entwickeln.”

 

Was sind eure persönlichen Lieblingssongs auf Hisingen Blues und welche spielt ihr besonders gerne live?

Axel: “Schwere Frage, weil einige Songs live einfach besser klingen. Andere sind einfacher zu spielen. Ich glaube The Siren ist einer meine absoluten Favoriten.”

Rikard: “Meine Lieblingssongs sind The Siren und Hisingen Blues, aber ich mag auch Longing, doch den spielen wir nicht live. Und es macht einfach nur Spaß Uncomfortably Numb zu spielen.”

Jonatan: “Das ändert sich ständig. In der einen Woche liebe ich es, den einen Song zu spielen und in der anderen Woche spiele ich einen anderen Song am liebsten. Ich mag Ain’t Fit To Live Here weil er richtig schnell ist. Aber auch Hisingen Blues, weil er eine Menge verschiedener Parts beinhaltet und es dadurch ein besonderer Spaß ist, ihn zu spielen. Und natürlich Uncomfortably Numb.”

 

Es ist immer wieder zu lesen, dass ihr wie Black Sabbath oder Led Zeppelin klingt. Gibt es auch zeitgenössische Bands, von denen ihr euch inspirieren lasst?

Alex: “Ich glaube, dass wir von allem beeinflusst werden, was wir hören. Egal, ob es wir Folk hören oder Classic Rock oder ob wir einfach nur einen B-Movie schauen. Alles findet sich mehr oder weniger in unserer Musik wieder. Jedenfalls sitzen wir nicht rum und suchen uns gezielt Musik aus, die uns inspiriert, die wir nachahmen oder so. Wir werden von allem beeinflusst.”

 

Ihr seid gerade mit Motörhead und Duff McKagan unterwegs. Jeden Abend stehen drei Generationen des Rocks auf der Bühne. Wie ist es auf Tour mit diesen Legenden

Jonatan: “Lemmy und Duff sind wirklich klasse Typen. Sie sind gute Gastgeber und wir haben eine Menge Spaß unterwegs.”

 

Und haben euch Bands wie Motörhead, Hawkwind und Guns N’ Roses beeinflusst?

Rikard: “Wir sind alle mit Guns N’ Roses aufgewachsen. Anfang der Neunziger waren sie allgegenwärtig. Man konnte ihrer Musik gar nicht aus dem Weg gehen. Das hat sicherlich geprägt.”

 

Viele große Bands kommen aus Schweden. Egal ob es die Hellacopters oder die Backyard Babys sind. Auch im Indie- und Metalbereich habt ihr eine Menge vorzuweisen. Was zeichnet Schweden aus, dass es nach Großbritannien der größte Musik-Exporteur in Europa ist?

Alex: “Das ist wirklich eine komplizierte Frage und vielleicht ist es sogar einfacher für einen Außenstehenden zu begreifen, warum es so ist, weil wir als Teil dieser Musikszene einfach drin steckst und es uns schwer fällt, das Ganze zu reflektieren. Auf jeden Fall ist es bei uns so, dass wir gute Bands aus unserem Umfeld hören und versuchen, mindestens genauso gut zu sein. Das puscht unglaublich und alle haben etwas davon. Du siehst, was andere Bands erreichen und du willst es auch und dann arbeitest du noch härter.”

Rikard: “Ich kann gar nicht sagen, ob es irgendwas spezielles in Schweden gibt. Ob wir die Dinge dort anders angehen, als die Leute irgendwo anders. Auf jeden Fall sind wir alle mit englischsprachiger Musik und mit englischem Fernsehen aufgewachsen und ich kann mir vorsellen, dass das ein Grund ist, warum viele in Schweden Musik auf Englisch machen. Dadurch erreicht man natürlich ein Publikum auch außerhalb des eigenen Landes. Außerdem bekommt man in Schweden vom Staat ein bisschen Geld, wenn man Musik macht und damit kann man dann Proberäume finanzieren. Das ist ein Aspekt, der viele antreibt, sich zusammen zu tun und gemeinsam im Proberaum Musik zu machen.”

 

Was war das letzte Konzert, das ihr besucht habt?

Jonatan: “Das waren Saviours, eine kalifornische Metal-Band, die bei uns in Göteborg gespielt hat.”

Rikard: “Kvelertak aus Norwegen. Die spielen einen Mix aus Nordic Metal und Classic Rock. Die sind sehr hart, aber auch verdammt gut.”

Alex: “Ich weiß gar nicht so genau, was das letzte Konzert war, das ich besucht habe. Aber das beste Konzert in letzter Zeit waren die Black Keys. Das liegt aber schon eine Weile zurück.”

 

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Jonatan: “Jetzt geht es erst einmal in die Staaten, um dort einige Konzerte zu spielen. Wir spielen dort mal vor zwanzig, mal vor hunderten Leuten. Es ist bereits unser fünfter oder sechster Trip über den Ozean und es ist jedes Mal eine große Sache, dort zu spielen. Außerdem haben wir begonnen an neuen Songs zu arbeiten und wollen im Februar ins Studio gehen, um mit den Aufnahmen zum neuen Album zu beginnen. Es wird, wie alle unsere Alben, wieder analog aufgenommen, weil es einfach besser klingt.”

Das Interview führten Greg Kerridge und Tidl

Lest auch den Live-Bericht von Graveyard Live In Hamburg!

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