Erics Top 5 2011

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Platten kaufen. Dieser Satz, kurz und knapp, wäre wahrscheinlich meine Antwort wenn mich jemand fragen würde, was ich am liebsten mache. Meine Sammlung wächst und wächst, doch trotzdem schaffe ich es nicht mir alle Alben, die mich interessieren zu besorgen. So ging es mir auch dieses Jahr wieder und so entsteht meine bereits dritte Liste dieser Art für die 11th Street Kidz ohne die Berücksichtigung einiger Perlen wie zum Beispiel dem Debüt von Saint Jude (Diary Of A Soul Fiend) oder dem zweitem Werk der Südstaatenrocker Whiskey Myers (Firewater) – ich hatte schlicht und einfach keine Zeit mehr diese Alben ausreichend anzuhören.

Dieses Jahr haben wir gleich drei Toplisten und wir hatten eine Diskussion darüber, ob wir nun eine Top 5 Liste oder eine Top 10 Liste machen. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass jeder so viele Alben in seine Liste aufnimmt, wie er selber für nötig hält. Für mich war von Anfang an klar das es eine Top 5 Liste wird, denn durch diese starke Begrenzung schaffen es wirklich nur die besten Scheiben in die Wertung. So sind dieses Jahr wieder einmal ein paar richtig gute Alben ganz knapp an den Top Fünf vorbei geschrammt, wie zum Beispiel das Debüt der Tedeschi Trucks Band Revelator, das schlicht 2 betitelte Album der Supergroup Black Country Communion (für mich eine der Überraschungen 2011) oder Michael Monroes großartiges Soloalbum Sensory Overdrive.

Nun komme ich auch endlich zu meiner Top 5 Liste 2011 und ich hoffe sehr das sie euch gefällt! Ich bin natürlich auch mal auf eure Meinung dazu gespannt!

Platz 5: Joe Bonamassa-Dust Bowl

Joe Bonamassa ist einer der fleißigsten Musiker unserer Zeit: Egal ob Solo, mit der Supergroup Black Country Communion, in diversen anderen Projekten oder als Gastmusiker: Der Mann ist überall zu hören, ständig auf Tour und haut ein Album nach dem anderen raus. Nach seinem Meisterwerk The Ballad Of John Henry aus dem Jahre 2009 (schaffte es damals auf Platz 3 meiner Topliste!) schien allerdings ein wenig die Luft raus zu sein und das zwischenzeitlich erschienene Black Rock konnte nur bedingt überzeugen. Doch mit Dust Bowl kehrt Joe wieder auf die Überholspur zurück: Weniger Rock, mehr Blues lautet seine Devise.

Es scheint fast so, als hätte Joe durch seine Aktivitäten in der Rockformation Black Country Communion genug von dem Heavy-Zeug gehabt und auf Dust Bowl bewusst den Fokus etwas mehr auf den Blues gelegt. Neben einigen tollen Covern wie Frees Heartbreaker oder Tim Currys (den die meisten von uns nur als kauzigen Hotelmitarbeiter aus Kevin allein in New York kennen werden) No Love On The Street sind es vor allem Bonamassas eigene Kompositionen, die dieses Mal richtig zu überzeugen wissen: Black Lung Heartache ist eine experimentelle Bluesrocknummer und The Whale That Swallowed Jonah besitzt sogar einen leichten Südstaatenschlag. Das absolute Highlight des Albums kommt allerdings am Ende der Scheibe: The Prisoner. Was für eine Nummer! Habe ich eigentlich schon erwähnt, was für ein guter Gitarrist Joe Bonamassa ist?

Platz 4: Leslie West-Unusual Suspects

Leslie West ist eine Marke für sich. Mit seiner Formation Mountain hat er es bis ganz nach oben geschafft und gilt als einer der Pioniere des Bluesrocks und des sogenannten Power-Trio Formates. Leider war 2011 eigentlich kein gutes Jahr für Leslie West, denn aufgrund einer starken Diabetes musste ihm Anfang des Jahres ein Bein abgenommen werden.

Doch auf Unusual Suspects zeigt der kauzige West, dass er sich davon nicht unterkriegen lässt. Zusammen mit einigen prominenten Gästen hat er ein Album aufgenommen, das vor Spielfreude und Seele nur so strotzt. Schon direkt der Opener One More Drink For The Road reißt einen mit und gibt die Marschrichtung für das Album vor: Heiße Gitarrensoli und eine beseelte Stimme. Zusammen mit Leuten wie Steve Lukather, Slash, Billy Gibbons, Joe Bonamassa (und Zack! Da ist er ein zweites Mal in meiner Topliste!) und Zakk Wylde brennt Leslie West ein Bluesrock Feuerwerk ab, dass es eine wahre Freude ist. Das Ganze gipfelt für mich in den beiden Nummern To The Moon und Legend: Ersteres ist eine depressive Bluesnummer mit richtig dunklen Lyrics und zweites ist ein Lied von West an seine Fans: Danke, das ich für euch spielen darf. Danke Leslie, dafür dass du für uns spielst.

Platz 3: Joe Bonamassa & Beth Hart-Don’t Explain

Joe Bonamassa ist ein drittes Mal in meiner Topliste. Was für ein Workaholic. Wenn man neben Joe Bonamassa 2011 noch einen weiteren Namen ständig hörte, egal ob unter Fans oder in der Presse, dann war das Beth Hart.

Die Gute hat in den letzten Jahren seit der Veröffentlichung ihrer letzten Scheibe My California (berechtigter Weise!) einen riesigen Karriesprung gemacht. Anfang des Jahres verschanzte sie sich für nur vier Tage zusammen mit Joe Bonamassa und seiner Live-Band im Village Records Studio, Los Angeles um Don’t Explain einzuspielen. Dabei heraus gekommen ist eine Scheibe, die einem vom ersten bis zum letzten Ton in ihren Bann zieht und deren Emotion nicht spurlos an einem vorbei geht. Eigenkompositionen gibt es keine, dafür aber jede Menge alte Soulklassiker in einem heißen Mix aus Beth Harts Gesang & Klavierspiel und Joe Bonamassas feuriger Bluesgitarre. Wer bei Songs wie Chocolate Jesus (Tom Waits) oder I’d Rather Go Blind (Etta James) ruhig sitzen bleibt, muss wahrscheinlich mal zum Ohrenarzt!

Platz 2: The Brew-The Third Floor

The Brew sind derzeit die Live-Band überhaupt. Ich wüsste so ganz spontan auf jedenfall keine Band, die den drei Engländern das Wasser reichen könnte. Im Studio taten sie sich doch bisher schwer diese Energie einzufangen und so waren die bisherigen zwei Studioalben The Joker & A Million Dead Stars zwar sehr gut, aber mehr Mittel zum Zweck. Wenn man The Third Floor das erste Mal hört, hat man den Eindruck, das alles beim alten geblieben ist. Zwar klingt alles ein bisschen kompakter und mehr auf den Punkt gebracht als früher, doch einen richtigen Ohrwurm findet man zunächst nicht.

Aber es gibt kein Album das so wächst wie The Third Floor. Beim zweiten „Durchgang“ bin ich nicht über den Opener Sirens Of War hinaus gekommen. Repeat. Repeat. Repeat. Was für ein unglaublich gutes Riff und was zur Hölle hat Jason Barwick mit seiner Stimme gemacht? Das klingt nach etlichen Live-Shows und vielen, vielen Whiskeys. Six Dead, Track #2, bestitzt einen pumpenden Bass und ein Schlagzeug nicht von dieser Erde und endlich findet man sie auch auf Platte, diese besagte The Brew Live-Energie! Reached The Sky heißt das nächste Stück und schon am Anfang denkt man sich nur eins: Hendrix. Der Track gehört auch Live zu den absoluten Oberkrachern und wird die Setlist der Band sicherlich nie wieder verlassen. Das die Band auch anders kann als nur das Gaspedal durchzudrücken beweisen sie mit den Akustiknummern See You Once Again und Hard Times: Das eine langsam, schleppend, depressiv, fast schon Led Zeppelin like, das andere bluesig, rauh, direkt aus den Sümpfen Mississippis. Das Titelstück ist wohl Jason Barwicks beste Gitarrenarbeit bis heute, der Refrain brennt sich kilometertief ins Ohr ein und wird dort für immer verweilen! Weitere Highlights sind das rockige Piper Of Greed und Imogen Molly. Eine kleine Anekdote am Rand: Während der Tour zum Vorgänger-Album A Million Dead Stars schlief die Band in jedem Hotel immer im dritten Stock; daher stammt der Titel The Third Floor. Was für eine Scheibe, was für eine Band!

Platz 1: Warren Haynes-Man In Motion

Dieses Jahr gab es sehr viele Highlights und viele Leute wie eben der oft erwähnte Joe Bonamassa arbeiten sehr hart für ihren Erfolg. Das gleiche gilt auch für Warren Haynes – egal ob mit den Allman Brothers, The Dead, Gov’t Mule oder Phil Lesh & Friends: Der Mann hat immer irgendetwas zu tun. So ist es eigentlich verwunderlich, dass er noch Zeit gefunden hat sein zweites Solo-Album einzuspielen. Noch verwunderlicher daran ist aber das, was Warren Haynes trotz seines vollen Terminkalenders uns da präsentiert: Es ist wohl keine Untertreibung zu sagen, dass Warren hier sein mit Abstand bestes Werk vorgelegt hat. Nie zuvor waren seine Songs besser, nie zuvor war seine Gitarre wärmer, nie zuvor war seine Stimme kräftiger. Dennoch ist Man In Motion kein klassisches Solo-Album: Ohne seine starke Begleitband wäre dieses Album nicht einmal halb so gut, denn vor allem Saxophon und Hammond integrieren sich so stark in den Sound dieses Albums, dass es ohne diese gar nicht bestehen könnte. Das Warren Haynes immer irgendwie nach Gov’t Mule klingen wird ist vollkommen klar, trotzdem hat Man In Motion seine ganz eigene Note. Nicht nur weil Warren seine Liebe zum Soul der Fünfziger und Sechziger in seinen Sound eingepackt hat, sondern auch weil dieses Album das Album der Halb akustischen Gitarren ist. Der Grundsound ist unwahrscheinlich warm, die Soli stammen direkt aus Warrens Seele und er spielt mit dem Song, anstatt ihn mit Soli voll zu stopfen.

Es ist mir beinahe unangenehm zu sagen, dass der Titelsong und Opener des Albums Man In Motion schon beinahe der „schlechteste“ Song aus dem Album ist: Die anderen sind einfach noch viel besser. Wenn man von Man In Motion mit seinem wunderbaren Cry-Baby und den herrlichen Lyrics (“Still Life Is Overrated”) auf den Weg geschickt wurde, erwartet einen schon das erste Highlight des Albums: River’s Gonna Rise. Es ist unglaublich welches Gefühl dieser Song in einem auslöst und mit welcher Intensität die Band diese Nummer spielt. Everyday Will Be Like A Holiday ist das einzige Cover auf dem Album, im Original von Booker T. integriert Warren es hier völlig in seinen Sound. Sick Of My Shadow & On A Real Lonely Night sind wunderbare Songs, Your Wildest Dreams kommt mit einem Wahnsinns Saxophon-Solo daher und schon sind wir beim absoluten Meisterwerk auf Man In Motion: Hattiesburg Hustle. Hier stimmt einfach alles und Warren Haynes übertrifft sich hier gesanglich selber – einfach nur perfekt. Doch das Album wird danach keineswegs schlechter: A Friend To You und Take A Bullet sind weitere Übersongs auf einer Scheibe, von der man wünscht sie würde nie zu Ende gehen. Doch wie alle Alben geht auch Man In Motion zu Ende: Save Me ist das letzte Stück und Warren Haynes singt hier, nur von Hammond und Piano begleitet, so intensiv und mitreißend das man sich die Tränen verkneifen muss. In A Friend To You singt Warren „Dive In, Dive In Boy, The Water’s Only Deep“ und das ist auch meine Empfehlung an euch: Holt euch ein Bier, setzt euch Kopfhörer auf, versinkt in diesem Album und vergesst die ganze Welt da draußen: Das hier ist es, wofür wir da sind.

Rohrkrepierer 2011: Metallica & Lou Reed-Lulu

Eigentlich wollte ich euch am Ende meiner Topliste noch den Rohrkrepierer des Jahres 2011 präsentieren, einen Kandidaten hatte ich auch schnell ausgemacht. Ich habe unzählige Versuche gestartet, eine halbwegs anständige Rezension zu diesem von mir zum Rohrkrepierer des Jahres 2011 auserwähltem Album zu schreiben, allerdings ist es mir nicht wirklich gelungen. Doch eines Tages bin ich in den unendlichen Weiten des Internets auf dieses Bild gestoßen, welches ich nun anstelle meines Reviews posten werde. In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein schönes und erfolgreiches 2012!

 

PS: Wenigstens haben sie einen Titel gefunden, der die Musik auf dem Album angemessen beschreibt!

One thought on “Erics Top 5 2011”

  1. D. says:

    Sehr schöne Liste haste dir da zusammengestellt. Meine Top5:
    5.Social Distortion – Hard Times & Nursery Rhymes
    4.Tedeschi Truck Band – Revelator
    3.Warren Haynes – Man In Motion
    2.Sixx AM – This is gonna Hurt
    1.Michael Monroe – Sensory Overdrive

    hab mich bei der liste rein auf Blues+Rock beschränkt. In anderen Sektoren gab es ebenfalls sehr gute und interessante VÖ’s! Alles in allem ein gutes Musik Jahr allerdings fehlt mir DER kracher schlechthin. Keins von den genannten reicht zum Klassiker.

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