Vierkanttretlager

BILD ARTIKEL VKTL

Minus 10 Grad und eisiger Wind. Bremen am vergangenen Donnerstag Abend. Ein paar Gestalten zittern sich die Treppen zur MS Treue hinunter. Bloß nicht hinfallen. Geschafft. Schnell doch das Wegbier leer machen und dann ab in ins Warme.

Unten im Laderaum sitzen, stehen, tänzeln etwa 20 Leute. Das ist angesichts der Band, die in wenigen Minuten spielen wird, leider echt wenig Publikum. Waren doch die ersten Shows der Mini-Release-Tour restlos ausverkauft. Schieben wir es einfach mal aufs Wetter… Dann geht’s los. Licht an. Sound aufdrehen. Genießen. „Treue schwören“ bis zum letzten Song, freut die Band sich. Vierkanttretlager gefallen. Sogar sehr. Leider sind die, in dicke Jacken gepackten Leute nicht im Bewegungsmodus. Lieber am Bier festhalten. Aber für ungefähr eine Stunde nehmen uns die Husumer mit auf einen Besuch in ihre Köpfe und die Heimat. Die graue Stadt am Meer. Man denkt an kleine Fachwerkhäuser, Sonne, die durch die Wolken bricht und Opas, die in Hafenklausen Lütt un Lütt trinken. Aber Vierkanttretlager können mehr. Mal aufmüpfig, mal ganz ruhig, mal auf die Fresse. Aber immer mit Herz und viel Verstand zwischen den Zeilen und Takten. Menschlich.

Nun haben sie ihr erstes Album Die Natur greift an veröffentlicht, Beat Gottwald im Rücken und die vier Jungs waren schon Support von Casper. Nicht übel für Anfang 20. Dirk von Lotow, oder Jan Plewka wären bestimmt ein wenig neidisch auf die Schreiberqualitäten von Sänger Max Leßmann. Früher schrieb er Gedichte. Und beim Hören der Songs wünscht man sich sich ein paar Zeilen mehr merken zu können, um sie zu zitieren. So gut sind die Texte. So fanden sich Leif, Momme, Max und Christian nach und nach zusammen und machten das, was man halt so auf dem Land tut. Was besonderes starten. Musik machen. Sonst erschlägt einen ja auch die trügerische Weite und die Routine, die Erwartungen der Anderen. Das Album ist eine Sammlung der letzten fünf, sechs Jahre. Verpackt in 12 Songs. Ich hab das Album zum ersten Mal zu Hause, auf der Insel, gehört. Hat gepasst. Der manchmal leicht melancholische Sound, die Euphorie und manchmal auch die angenehme Trägheit der Songs erinnern an regennaßes Wetter, weiten Himmel und die angenehme Vertrautheit der Heimat. Das alles ohne altklug, oder ermüdend zu klingen. Im Sportunterricht hätte man für so einen tollen Spagat ne glatte 1 bekommen.

Mittlerweile sind die Konzertbesucher etwas lockerer geworden. Christian schnallt sich ein Schifferklavier um. Das Licht wird gedimmt. Und man freut sich, den Song Fotoalbum auf einem Dampfer zu hören. Mitschunkeln. Aber nur ein wenig. Leider. Viel zu schnell geht die Zeit rum. Die scheuen Bremer klatschen die Vier noch mal aus dem Backstage. Schluss. Aus. Raus.
Noch ein Bier. Quatschen. Ab in die dunkle Kälte.

Die Natur greift an, VÖ: 27.01.2012; Label: Skrotzki & Kempf

Anspieltipps: Nur die Sonne, Fotoalbum, Mein Ruf und Mit jedem seiner milden Blicke

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2 thoughts on “Vierkanttretlager”

  1. Juli says:

    na, na, na..

  2. Hat der weichgespülte Bubi da links etwa ein rosa Shirt an?!?

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