The Deep Dark Woods-Live at Gigant Cafe Apeldoorn-26.02.2012

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So etwas ist mir wirklich noch nie passiert: Da überfliege ich Donnerstagnacht gelangweilt die neuesten Tweets und was entdecke ich da auf einmal? The Deep Dark Woods sind auf Tour in den Niederlanden. Ihr erinnert euch vielleicht: Vor ein paar Monaten habe ich ihr neues Album The Place I Left Behind besprochen und mich darüber ausgelassen, wie grandios diese Band doch ist. Leider ist sie auch ziemlich unbekannt, sodass ich mir nie die Mühe gemacht habe, mir ihre Tourdaten anzusehen, da ich nie damit gerechnet habe, dass sie in diesem Stadium ihrer Karriere nach Europa kommen. Da es nicht viele Bands gibt, die ich so inbrünstig liebe, habe ich erstmal genauer nachgesehen und gebetet, dass einer der Termine in Holland nicht allzu weit entfernt ist von der Grenze. Und tatsächlich: Für den darauffolgenden Sonntag war ein Konzert in Apeldoorn angesetzt, das nur zwei Stunden von meiner Heimatbasis entfernt ist. Und das Beste: Es war umsonst! Zudem fand es nachmittags statt, sodass es von der Zugverbindung her optimal hinhaute. Das kann nur Schicksal sein, dachte ich mir und da ich sonst nichts vorhatte, habe ich mich also am Sonntag auf den Weg nach Apeldoorn gemacht.

Das Gigant ist eigentlich ein Kino, doch nebenan gibt es ein kleines Café, das auch schon brechend voll war, als ich ankam. Die Apeldoorner wissen, was gut ist. Immerhin habe ich noch einen Stehplatz relativ weit vorne bekommen, sodass ich uneingeschränkte Sicht auf die Stars des Nachmittags hatte. Da alles so spontan abgelaufen war, fiel es mir im Vorfeld schwer zu begreifen, dass ich die Deep Dark Woods tatsächlich live sehen würde. Ich war sogar richtig überrascht, als Sänger und Gitarrist Ryan Boldt das Café betrat und meine Vorfreude steigerte sich ins Unermessliche.

Die fünf Herren platzierten sich im vorderen Bereich des Cafés vor einer Glaswand, während sich immer mehr Zuschauer um sie herum versammelten. Nach kurzem Soundcheck legte die Band dann gleich mit ihrem vielleicht besten Song los, dem Anti-Kriegs-Epos The Banks of the Leopold Canal. Erst war nur die Gitarre zu hören, doch dann setzte die ganze Band ein, während Boldt mit herzzerreißender Intensität sang „Sitting in the trenches I couldn’t help but curse that cruel bloody war that had taken me from her. Taking me from my sweetheart and the place where I loved to dwell, they shipped me off to the bloody banks of the Leopold Canal.” Live sind die Songs noch mal ein bisschen ausgefeilter als auf Platte und fast jede Nummer beinhaltet mehrere Soli oder endet mit einem ausgedehnten Jam. Dabei zeigt sich immer wieder, was für eine fantastische Idee es war, Keyboarder Geoff Hilhorst in die Band zu holen, der das Publikum immer wieder mit seinen Orgelsoli in Erstaunen und Begeisterung versetzt. Aber auch der Rest der Band muss sich nicht verstecken: Ryan Boldt und Burke Barlow sind zwei hervorragende Gitarristen, die ihrerseits faszinierende Soli produzieren. Hinzu kommen Chris Mason am Bass und Lucas Goetz an den Drums, die Boldt gesanglich mit wunderschönen Harmonien unterstützen.

So erinnern The Deep Dark Woods bei Songs wie River in the Pines oder The Sun Never Shines an Neil Young & Crazy Horse in ihren besten Zeiten. Viele Songs sind flotter und lebhafter als die Albumversionen, allen voran Hang Me, Oh Hang Me, Two Time Loser und Back Alley Blues, das in das düstere, bewegende The Place I Left Behind übergeht. Die Setlist kann sich sehen lassen: In erster Linie sind Songs von The Place I Left Behind und Winter Hours vertreten, aber auch Traditionals wie Lay Down My Dear Sister und eine sehr berührende Version von Peggy-O. Dabei zeigt sich wieder, wie viele großartige Songs die Band schon geschrieben hat, zumal sie so manche Perle wie As I Roved Out, The Ballad of Frank Dupree oder Polly diesmal außen vor gelassen haben.

Viel zu sagen haben die Jungs nicht, sie lassen lieber ihre Musik für sich sprechen. Ryan Boldt wiederholt mehrmals den Bandnamen wohl in der Annahme, dass das Publikum nicht mit ihnen vertraut ist. CDs kann er auch nicht zum Kauf anbieten, denn die sind schon alle vergriffen. „Wir haben nur mit fünf bis zehn Zuschauern gerechnet, nicht mit so vielen.“, entschuldigt er sich. Zudem wundert er sich, dass sie viele zu einem Nachmittagskonzert gekommen sind, denn ich Kanada würde das niemand tun. Den Abstecher nach Holland haben sie übrigens Geoffs Tante zu verdanken, die Niederländerin ist; sie und ihr Neffe haben auch den Auftritt in Apeldoorn organisiert. Ansonsten ist von Boldt in erster Linie eine Mischung aus „Hey“ und Thank You“ zu hören, die er am Ende jedes Songs von sich gibt. Das ist das Tolle an The Deep Dark Woods: Sie müssen gar nichts sagen. Sie brauchen keine Show, sie können sich einfach irgendwo hinstellen und ihre Songs spielen und damit das Publikum völlig umhauen, einfach weil sie so unfassbar gut sind. Zum Beweis spielen sie als Zugabe das gute zehnminütige Big City Blues, das noch einmal ihr ganzes Können zeigt.

Auch wenn das Konzert respektable zwei Stunden dauerte, war das Publikum doch sichtlich traurig, als es zu Ende war. Ich hätte ihnen sicher noch ewig zuhören können, aber ich war schon unendlich froh, dass ich es überhaupt miterleben durfte. Ryan Boldt hat gesagt, dass sie im Herbst wahrscheinlich noch einmal wiederkommen – wenn das so ist, dann bin ich auf jeden Fall mit dabei, denn abgesehen von kleinen Soundproblemen am Anfang war es ein perfektes Konzert. Und wenn ich euch (was ich hoffe) neugierig auf die Musik der fünf Männer aus Saskatchewan gemacht habe: Auf thedeepdarkwoods.com gibt es drei Livemitschnitte zum Download. Es lohnt sich!

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