The Jayhawks-Live at Kantine Koeln-16.03.2012

header_jayhawks

In meiner Jahresbestenliste hatte ich ja schon ausführlicher erwähnt, wie sehr ich mich darüber gefreut habe, dass sich die Jayhawks wieder zusammen getan und ein neues Album, das wunderbare Mockingbird Time, aufgenommen haben. Seit ich sie zum ersten Mal gehört habe (2004 war das glaube ich), habe ich davon geträumt, die Band live zu sehen. Lange Zeit jedoch sah es nicht so aus, als ob ich jemals die Gelegenheit dazu bekommen würde. 2007 durfte ich immerhin Mark Olson auf der Bühne erleben, als er sein grandioses Soloalbum The Salvation Blues vorstellte. Nach der Veröffentlichung von Mockingbird Time habe ich mir wieder Hoffnung gemacht, doch noch ein Jayhawks-Konzert besuchen zu dürfen, auch wenn Gary Louris zunächst verlauten ließ, dass in Deutschland mangels Fans keine Shows geplant seien. Kurz darauf schienen sie aber ihre Meinung geändert zu haben und verkündeten eine Deutschlandtour für März. Das konnte ich mir natürlich unter keinen Umständen entgehen lassen und so machte mich auf den Weg nach Köln.

Leider begann der Abend mit einer kleinen Enttäuschung: Eigentlich sollte es um acht los gehen, doch als wir um 19:30 Uhr die Kantine betraten, kündigte der Support Richmond Fontaine bereits seinen letzten Song an. Wenn als Beginn 20 Uhr angegeben ist, dann geht man doch davon aus, dass die Vorband um diese Zeit loslegt, zumal auch erst um sieben Einlass war. Richmond Fontaine habe ich vor zwei Jahren schon live gesehen und sie haben mir echt gut gefallen, von daher hätte ich sie gerne noch einmal gehört, aber das war halt Pech. Alles war jedoch vergessen, als die Jayhawks um Punkt Acht die Bühne betraten. Mark Olson sah mit seinen Wuschelhaaren und übergroßen Klamotten mal wieder so aus, als wäre er gerade erst aufgestanden, sodass Gary Louris in seinem schlichten Hemd dagegen richtig elegant wirkte. Los ging es mit Wichita von ihrem Opus Magnum Hollywood Town Hall. Der Song hörte sich noch genau so frisch an wie vor 20 Jahren und auch die lange Trennung hat bei Olson und Louris anscheinend keine Spuren hinterlassen, denn die beiden harmonieren immer noch sehr gut. Zwischen den Songs tuschelten die zwei auch immer wieder miteinander und schienen viel Spaß zu haben. Manchmal hätte ich mir gewünscht, sie hätten das Publikum etwas mehr daran teilhaben lassen, aber es war auch schön, sie einfach gemeinsam auf der Bühne zu sehen. Weiter ging es mit einem der neuen Songs, Cinnamon Love. Das Quintett spielte überraschend wenig von Mockingbird Time, sondern bot eher ein Best of ihrer gesamten Karriere dar. Dabei spielten sie sowohl Country-Rock-Nummern wie Take Me With You When You Go oder Tiny Arrows wie auch die poppigeren Sachen à la Miss Williams’ Guitar oder She Walks In So Many Ways. Am meisten gefreut habe ich mich über Blue, bei dem der Harmoniegesang der Band besonders umwerfend ist.

Aber auch Songs aus der Zeit ohne Olson waren vertreten, wie etwa Angelyne oder A Break In The Clouds. Bei letzterem sang Louris im Duett mit Pianistin Karen Grotberg, deren Qualitäten auf der Bühne erst so richtig zur Geltung kamen. Zum Glück, denn ihr locker-flockiges Klavierspiel ist eine wunderbare Ergänzung zu Louris’ vibratoverstärkten Gitarrensoli. Im Gegenzug durfte Olson einen seiner Solosongs singen, und zwar Clifton Bridge von The Salvation Blues. Mittendrin erklangen aber plötzlich wuchtige Basssounds, die nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker reichlich verwunderten. „Das ist unser neuer Sound.“, scherzte Louris anschließend. Eine weitere Überraschung war die wunderbare Version des traditionellen Gospelsongs Up Above My Head. Für die Zugabe durfte Drummer Tim O’Reagan ans Mikrofon, der seinen Song Tampa to Tulsa präsentierte. Im Anschluss legte Olson die Akustikgitarre ab, löste das Mikro vom Ständer und sang in Crooner-Pose How Can I Send Tonight There to Tell You aus seiner Zeit mit den Creekdippers. Den krönenden Abschluss bildete natürlich Waiting For The Sun, ihr vielleicht bester Song, der live sogar noch einmal überwältigender ist als auf Platte.

Nach gut anderthalb Stunden, die wie im Flug vergingen, war leider endgültig Schluss. Ich hätte ihnen noch endlos zuhören können! Es war so schön, die Jayhawks zusammen auf der Bühne zu sehen. Sie sind einfach klasse Musiker und unglaublich sympathisch. Meiner Meinung nach haben sie ihre optimale Besetzung gefunden und ich bin schon sehr gespannt, was wir in Zukunft noch von ihren hören dürfen. Übrigens: Zwei Tage später wurde diese einmalige Konzerterfahrung sogar noch getoppt. Von wem, das erfahrt ihr beim nächsten Mal. Stay tuned!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>