Ray Wylie Hubbard-The Grifters Hymnal

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Ray Wylie Hubbards letztes Album hat gleich auf zweifache Weise Aufsehen erregt: Einmal durch das Cover, auf dem er in der einen Hand ein Schwert und in der anderen seinen Kopf hält und dann durch den ungewöhnlichen Titel A: Enlightenment B: Endarkenment (Hint: There Is No C). Sein neues Album kommt da eher schlicht daher, zumindest äußerlich. Inhaltlich kann es aber sowohl von der Gestaltung als von auch der Qualität an den Vorgänger anschließen. Ray Wylie Hubbard – das ist rauer, dreckigen Bluesrock at its best. Wer es gerne ursprünglich ohne viel Schnickschnack mag, der ist hier genau richtig. Die oft karge Musik paart sich mit einer Wortgewaltigkeit und einem Eifer, die an alttestamentarische Propheten erinnern.

Den Auftakt macht Coricidin Bottle, in dem sich Hubbard whiskeygeschwängerte Stimme mit den heulenden Gitarrensoli seines Sohnes Lucas abwechseln. Lazarus besticht durch knorrige, akustische Slides, während Hubbard angesichts Amerikas Unzulänglichkeiten trocken resümiert: At least we ain’t Lazarus and had to think twice about dyin’. Passend dazu geht es mit der musikalischen Höllenfahrt New Year’s Eve at the Gates of Hell weiter, die vor beißendem Spott nur so trieft: Seems God outsources his work to the devil. Mother Blues hingegen wartet mit fast filmreifen Lyrics auf. Mit seinem erdigen Sound erinnert Hubbard oft an Texasbluesgrößen wie Lightnin’ Hopkins oder Mance Lipscomb, vor allem auf Count My Blessings oder Coochy Coochy, bei dem Ringo Starr einen Gastauftritt hat. Gitarre, Banjo, Schlagzeug – viel mehr braucht der Mann meist nicht, um seine Songs in Szene zu setzen. Es gibt aber auch umfangreicher instrumentierte Titel mit einem Hauch Honkytonk wie South of the River oder Henhouse, die durch Ian McLagan am Klavier versüßt werden. Wie auch bei Dr. John ist der letzte Song eine Gospel-Nummer, doch bei Hubbard ist diese wenig erhebend. Ein dunkler Moll-Blues, dessen instrumentale Begleitung immer weiter abnimmt, bis nur noch Hubbards Stimme übrigbleibt: When death comes knocking ask God to open the door.

Fazit: The Grifter’s Hymnal ist ein gewaltiges, faszinierendes Album. Wer den guten, alten handgemachten Blues liebt, dem kann ich es nur sehr empfehlen.

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