A Place To Bury Strangers-Worship

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Das Plattencover von Worship steht symbolisch für seine Musik. Es zeigt einen Wolkenkratzer. Etwas Bekanntes. Doch die Perspektive erschwert die Suche nach Orientierungspunkten. Es ist auf den Kopf gestellt. Oder auch nicht. Unten ein rot eingefärbter Himmel. Wirklichkeitsfern und doch vertraut.

Mit dem Vorgänger Exploding Head begann der Durchbruch der 2001 in Brooklyn gegründeten Band. Es war gleichzeitig der Sargnagel für diejenigen, denen die Musik zu fremd erschien. Alle Anderen mögen miterlebt haben, wie A Place To Bury Strangers 2008 ihren Ruf als „New Yorks lauteste Band“ alle Ehren machte und in Europa als Support von MGMT die Hauptband in Grund und Boden spielte. Drei EP’s von unterschiedlicher Qualität wurden in der Zwischenzeit veröffentlicht und nun steht seit wenigen Tagen mit Worship die dritte LP in den Läden. Das Album ist weitaus zugänglicher als sein Vorgänger, läuft dabei aber keinesfalls Gefahr alte Freunde zu verscheuchen. Songs wie You Are The One haben simple Strukturen und auch die ständig präsente Gitarrenwand hält sich hier noch recht bedeckt. Im Gegensatz zum spärlich mit vermeintlichen Hits oder tanztauglichen Songs ausgestatteten Exploding Head von 2009 nimmt sich die Band mit Dissolved und And I’m Up bei gleich zwei Stücken die Freiheit heraus, harmonische, man möchte fast sagen „Tanzgranaten“ zu präsentieren ohne in die Nähe solch böser Worte wie Kommerzialisierung zu geraten. Dafür hat die Band Sorge getragen, denn die effektreichen, fast hypnotisierenden Noise-Granaten Mind Control und Why I Can’t Cry Anymore, sowie das psychotische Revenge machen es Fremden auch weiterhin schwer, lebend aus diesem Hörgenuss zu kommen. Besonders letztgenannter Titel ist ein Komglomerat aus Mordlust, Brandstiftung, Tierquälerei und Sportwagen, die mit voller Geschwindigkeit gegen eine Mauer krachen. Wobei man den Song auch durchaus zur Steigerung der guten Laune hören kann. Der Letzte Titel Leaving Tommorow bildet Abschluss und Höhepunkt zugleich. Der elektronische Beat prescht den Song nach vorne, die Melodie ist simpel und eingängig, vermeidet aber gekonnt den Schmusekurs mit dem Hörer. Der unbehaglich anmutende Gesang leistet den Rest.

Obwohl die Einflüsse von APTBS offensichtlich sind und obwohl es in letzter Zeit eine ganze Welle von famosen Post-Punk-, Psychedelic- und Shoegazing-Bands gab, nimmt die Grupe um Oliver Ackermann einen Sonderstatus ein, denn besonders in puncto Effekte kann ihnen keiner das Wasser reichen. Kein Wunder also, dass U2, Wilco oder oder die Nine Inch Nails auf Ackermanns handgefertigte Effektgeräte vertrauen. Wie schon beim Vorgänger sticht sofort ins Auge, dass jeder Song auf Worship eine radiotaugliche Spieldauer hat. Dennoch sind die Songs in Sachen Struktur und Klang so vielfältig, wie sonst eigentlich nur 8-Minuten-Nummern. Es ist eine Platte voller Lärm, Rückkopplungen und dynamischern Ausuferungen, die gekonnte Tempowechsel und nicht minder gewandte Melodien zu bieten hat. Eine Platte, die mit jedem Durchlauf wächst und einen klaren Fortschritt zum Vorgänger darstellt. Sie zeigt, dass sich die Band emanzipiert hat. Es ist aber auch ein Album, das droht kurzlebig zu sein.

Worship, VÖ: 15.06.2012; Label: Dead Oceans (Cargo Records)
Anspieltipps: Mind Control, Dissolved, Revenge, Leaving Tomorrow
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