Neil Young & Crazy Horse-Americana

header_ny

Alben, die nur Coversongs enthalten, sind ja immer so eine Sache. Es gibt welche, die sind okay (Guns N’ Roses„The Spaghetti Incident?“) und welche, die sind… nun ja, “a pain in the ass” (Bob Dylan – Christmas in the Heart). Gute fallen mir gerade keine ein. Als verkündet wurde, dass Neil Young sich nun an eine Sammlung von Traditionals heranwagt, war ich mir aber sicher, dass das ein Knaller wird. Denn: Crazy Horse ist wieder mit dabei. Die Backing Band, mit der er unter anderem Everybody knows this is nowhere (1969) und Zuma (1975) aufgenommen hat. Die Band also, die jeder Neil Young Fan bei ihm sehen will.

Die Vorfreude war also groß. Und wurde durch den ersten vorab veröffentlichten Song Oh Susannah nur bestärkt. Crazy Horse rumpelt daher, dass es nur so eine Art hat und Neil hat seinen charakteristischen Gitarrensound, der seinen eigentlich anspruchslosen Soli die Magie gibt. Der Song wurde dermaßen zur Rocknummer verändert, dass man das Original nicht mehr wiedererkennt. Dann kamen drei weitere vorab veröffentlichte Songs. Und mich beschlich langsam das Gefühl: Die einzelnen Songs rocken zwar alle klasse (God Save the Queen einmal ausgenommen), aber eine abwechslungsreiche Platte wird das nicht gerade.

Nun ist das Album also in Gänze erhältlich und es klingt, als ob Neil seine Freunde in seine Garage zum Jammen eingeladen hat und einfach jeder Song im ersten Take für die Platte verwendet wurde. Nach einigen Songs hört man sogar noch wie er seine Band lobt (“It’s got a good grove!”) oder kritisiert (“It should have gone back into F sharp minor”). Aber das hat seinen Charme. Leider geraten einige Songs einfach zu eintönig und lang (Tom Dula und Travel On zum Beispiel). God Save the Queen passt nicht rein (auch nicht als Albumabschluss) und Get A Job, ein 57er Doo-Wop-Hit, wirkt einfach nur abstrus, wenn Neil Young ihn singt. Der Rest besteht aber aus guten Songs (Neben Oh Susannah besonders High Flyin’ Bird und Wayfarin’ Stranger), die einfach Spaß machen. Etwas besonderes ist den vier Jungs hier aber nicht gelungen, dazu sind die Höhepunkte zu rar gesät.

Schade auch, dass es ein Album ohne Neils großartige Texte geworden ist. In der derzeitigen Situation der USA hätte er bestimmt etwas zum Wahlkampf zu sagen gehabt. Aber das überlässt er lieber Bruce Springsteen. Mr. Young denkt anscheinend weiter als Tagespolitik und stimmt die Menschen schon einmal auf die Depression ein: “Hang down your head Tom Dooley, poor boy you’re bound to die.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>