John Fullbright-From the Ground Up

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Wenn man in diesen Tagen von dem kleinen Ort Okemah in Oklahoma hört, dann im Zusammenhang mit Woody Guthrie, der am 14. Juli seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Okemah, Oklahoma ist aber nicht nur die Heimat des großen Folksängers, sondern auch die von John Fullbright. Über Fullbright selbst ist bisher so gut wie nichts bekannt. Vor drei Jahren veröffentlichte er ein Livealbum, nun erscheint sein Debüt From the Ground Up. Fotos zeigen einen unscheinbar wirkenden jungen Mann mit Basecap und sandfarbenem, kurzärmeligen Hemd, der gelangweilt in die Kamera schaut während er, was könnte amerikanischer sein, auf der Veranda sitzt. Doch es wäre falsch, Fullbright für einen unbedarften Jungen vom Land zu halten. Er mag zwar erst 24 Jahre alt sein, doch er hat es faustdick hinter den Ohren: In seinem ersten Song legt er sich immerhin mit niemand anderem als Gott an. Der zeigt sich in Gawd Above frustriert über die mangelnde Zuneigung seiner Schäfchen, sodass er sich allerlei Qualen ausdenkt, damit sich die Abtrünnigen in ihrer Not ihm wieder zuwenden. Seit Randy Newmans God’s Song (That’s Why I Love Mankind) war der Allmächtige nicht mehr so ein Arschloch. „All my doubting children locked away forever/I’m Gawd Above, Lord God Almighty, Mama“ röhrt Fullbright wütend, unterstützt von E-Gitarre, Orgel und Bluesharp. Die religiöse Thematik zieht sich durch das ganze Album, was sich unter anderem in Titeln wie Jericho, I Only Pray at Night und Satan and St. Paul widerspiegelt.

Musikalisch weist From the Ground Up eine Vielzahl verschiedener Einflüsse auf: Erdige Blues/Country/Rock-Songs wie Moving oder All the Time in the World erinnern an texanische Nachbarn wie Ray Wylie Hubbard oder Robert Earl Keen, Daydreamer ist Countrypop mit Ohwurmqualität. Daneben gibt es sanftere Nummern wie die traurige, sehnsüchtige Akustikballade Me Wanting You und eine Reihe Klaviersongs, die mal von Randy Newman (Fat Man), vor allem aber von Tom Waits inspiriert sind, allen voran Nowhere to Be Found und Forgotten Flowers.

Das Rad hat Fullbright nicht neu erfunden, aber er hat sich das Beste, was die amerikanische Musik zu bieten hat, herausgepickt und zu seinem eigenen Sound verarbeitet, ähnlich wie Ryan Adams auf Gold. Damit kann From the Ground Up zwar nicht mithalten, nichtsdestotrotz handelt es sich um ein durchgehend starkes Album. Gut möglich, dass man Okemah, Oklahoma in ein paar Jahren nicht mehr nur mit Woody Guthrie verbinden wird.

One thought on “John Fullbright-From the Ground Up”

  1. Sehr cooles Album, wieder mal hast du wie so oft einen Geheimtip gefunden!

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