ZZ Top-Texicali

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Die Geschichte von ZZ Top finde ich persönlich ja schon eher traurig. Billy Gibbons wurde von Jimi Hendrix einmal als die größte Nachwuchshoffnung unter den US-amerikanischen Gitarristen bezeichnet, ZZ Top brachte in den 70ern einige tolle Bluesrock-Alben raus. Dann kamen die 80er und der Großteil der in den 60ern und 70ern bekannt gewordenen Rockbands war in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Viele von ihnen haben sich dann allerdings ab den 90ern wieder erholt. ZZ Top ging andere Wege. Sie setzten in den 80ern auf Synthesizer und kitschige MTV-Videos und trafen damit genau den Zeitgeist. Dieser riesige kommerzielle Erfolg wurde allerdings hart erkauft: Als diese Periode vorbei war, fanden sie ihren alten Sound nicht wieder. Ein bedeutungsloses Album reihte sich an das nächste und man hörte noch ständig die 80er heraus. Im Grunde waren sie nicht mehr als auf ihre Bärte reduzierte Comicfiguren.

Nun soll in diesem Jahr also der nächste Versuch folgen, wieder auf die musikalische Erfolgsspur zurückzufinden. Und dazu wird einiges aufgefahren: Ein neuer Song feierte seine Premiere im Weltall (irgendein Astronaut hörte ihn auf seinem Weg zur ISS), der neue Song I Gotsta Get Paid ist auf dem Soundtrack zum grausig schlechten Film Battleship zu hören und als Produzent für das neue Album wurde Rick Rubin angeheuert. Seit 5. Juni sind nun vier der Songs vom neuen Album als Preview auf der Texicali-EP zu hören, welche leider nur digital erhältlich ist.

Die Lyrics bei diesen vier Songs sind ZZ Top-Standard, bei den Riffs klauen sie ständig von ihren alten Hits. Erstmal alles nicht so schlimm, wäre der Sound nicht so sehr auf Mainstreamradio getrimmt. Die Bluesballade Over You klingt so einfach nicht mehr schön, sondern nur noch kitschig. Da wird Rick Rubin (der sich ja schon bei Metallicas Death Magnetic nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat…) ordentlich seine Finger im Spiel gehabt haben. Er hat bei dem ganzen so fett aufgetragen, dass der eigentliche Charme einer kleinen Drei-Mann-Blueskapelle aus Texas nicht mehr herüberkommt. Hier wären weniger Soundspielereien und Gitarren, die nicht so unpassend fett, sondern eher nach 70er klingen, besser gewesen. Nicht dass die Songs dann herausragend geworden wären, dazu fehlt dann noch das gewisse Etwas im Songwriting.

Das neue Album erwarte ich also nicht gerade mit Freude. Wie Tidl sagen würde: “Musik zum Autofahren, und das ist nicht als Kompliment gemeint.” Hört euch gerne mal I Gotsta Get Paid an, den hier anzuhängen habe ich aber gerade keine Lust. Ich gebe euch hier lieber etwas aus besseren Zeiten: I’m Bad I’m Nationwide vom 1980er Auftritt beim Rockpalast. Eine klasse DVD, nur zu empfehlen!

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