Muse-The 2nd Law

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Viel wurde im Vorfeld über das sechste Studioalbum der britischen Bombast-Rocker geschrieben. Die Olympia-Hymne Survival lief während der Übertragung der Wettkämpfe rauf und runter und deutete bereits darauf hin, dass die Band um Matthew Bellamy endgültig dem Größenwahn verfällt. Wie schon der Vorgänger The Resistance (2009) ist auch The 2nd Law in Eigenregie produziert worden. The Resistance musste deshalb viel Kritik einstecken. Auf The 2nd Law setzen Muse den Weg konsequent fort und bewegen sich häufig irgendwo zwischen Pathos und Fremdschämen und dennoch bietet das Album einige frische Songs, die jetzt schon zu den besten des Bandkatalogs gehören.

Supremacy. Wieder mal ein grandioser Opener, der hoffentlich seinen passenden Platz in der im Herbst beginnenden Welttournee bekommen wird. Wäre nicht kürzlich bekannt worden, dass Adele den neuen Bond-Song singt, käme es jetzt vermutlich zu wilden Spekulationen, ob es sich hierbei um den Soundtrack zu Skyfall, dem 23. James Bond-Film, handelt. Während Bellamy das komplette Spektrum seiner Gesangskunst auffährt, sind es allen voran die Trompeten im Mittelteil, die Assoziationen zu Filmmusik hervorrufen. Morricone lässt grüßen. Die Lyrics reihen sich nahtlos an The Resistance an. Verschwörung. Weltkonzerne. Rohstoffmangel. Aber mal ehrlich: Gibt es auch nur einen Menschen, der dieser pompösen Hochglanz-Band die Rolle des mahnenden Weltverbesserers abnimmt?
Madness, die zweite Single kommt mit einem elektronischen Beat und schnulzigen Gesang daher. Die in der Zwischenzeit dazugewonnenen Twilight-Fans werden hier perfekt bedient. Musik und Lyrics sind noch kitschiger, als die von Starlight oder Resistance, was wohl dafür sorgen wird, dass der Song im Radio auf und ab laufen wird. Das Gitarrensolo erinnert an Brian May und bleibt nicht die letzte Reminiszenz an Queen. Denn spätestens mit dem offiziellen Olympia-Song Survival darf sich die Band nicht mehr gegen diesen Vergleich wehren.
Mit Panic Station versuchen es die drei Engländer mit ein wenig Funk. Der Bass haut rein und regt zum Tanzen an. Der Song ist überraschend straight und wenig überladen. Die Hoffnung keimt auf, dass The 2nd Law nicht mit der Überproduktion auffährt, wie es sein Vorgänger tat. Doch dann dreht man die erste Scheibe um, kämpft sich durch das schnell totgehörte Surviaval und wird mit dem Neunziger-Trance-Song Follow Me zum Fremdschämen verleitet. Schnell weiter zum Höhepunkt der ganzen Platte: Animals. Hier löst sich Bellamy zum ersten Mal konsequent von seinem Napoleon-Komplex und liefert ein außerordentlich gefühlvolles Gitarrenspiel ab. Er schafft es sein Ausnahmekönnen zu zeigen, ohne dabei überladen zu klingen. Animals ist vielleicht der beste Muse-Song der vergangenen drei Alben.
Bevor es zum interessanten Finale des Albums kommt und der Hörer ein paar wirkliche Neuerungen zu bieten bekommt, muss man sich auf der dritten Seite mit Explorers und Big Freeze durch zwei Füller quälen. Bellamys Lyrics verabschieden sich hier frühzeitig aus dem Album und sein Gesang kommt später nur noch als Geleit zum Vorschein.
Es gab Zeiten, das standen Muse-Alben im Plattenregal unter „Progressive“. Das ist noch gar nicht so lange her, fühlt sich aber wie eine halbe Ewigkeit an, denn bis auf wenige Ausnahmen hat die Musik nichts mehr mit Progressive zu tun. Eine dieser Ausnahmen ist der mogwaieske Space-Rock-Song Save Me, gesungen vom Basser und Fast-Alki Chris Wolstenholme. Ein Song der seinerzeit problemlos in der Space Night auf Bayern 3 hätte laufen können. Auf dem ebenfalls von ihm gesungenen Song Liquit State scheint Wolstenholme einen Hilfeschrei in Richtung Bellamy auszuspucken: „Schau her, so sollten wir doch eigentlich klingen und uns mal schleunigst von den Twilight-Kids lösen, die unsere Musik hören, während sie auf Bravo-Poster von Robert Pattinson masturbieren!“ Doch Bellamy hört nicht auf seinen Basser, er schlägt einen anderen Weg ein, auf dem er lieber Skrillex kopiert (höre Unsustainable), anstatt (wie ehemals) eigenhändig die Musik voran zu bringen.
The 2nd Law hat durchaus seine Höhepunkte und aus Sicht der Band wird hier eine konsequente Weiterentwicklung in Richtung Stadion-Rock verfolgt. Bellamy wandert auf dem Spuren seiner Ikone Freddy Mercury und steht ganz kurz davor, Muse zur größten Rockband dieses Planeten zu machen. Dabei sind es die kleinen, nicht überladenen Songs, die auf The 2nd Law zu überzeugen wissen.
Die Doppel-LP kommt mit einem schönen Hochglanz-Cover und typischen Muse-Artwork daher. CD oder Download-Code sind leider nicht dabei.

2 thoughts on “Muse-The 2nd Law”

  1. Tidl says:

    Hallo Tobi,

    durch die Twilight-Filme hat die Band sehr, sehr viele neue Fans dazu gewonnen. Das Publikum auf der bald startenden Tour wird ein anderes sein, als noch auf der Resistance-Tournee. Und diese Fans werden auf “The 2nd Law” meiner Meinung nach hervorragend bedient. Wobei ich ja auch geschrieben habe, dass das Album (zum Glück) vielseitig ist und alles zu bieten hat, wofür die Band steht. Progressive-Elemente, Pop-Schnulzen, zeitgenössische Sounds und echte Rocker.

    Danke für deinen Kommentar!

  2. Tobi says:

    Im Großen und Ganzen nicht schlecht rezensiert. Aber: “Fremdschämen” empfinde ich als unangebracht, denn es handelt sich hierbei noch immer um ein super Album einer tollen Band.

    Die Twilight-Kids aufzuführen, finde ich auch nicht sooo gut platziert. Nur, weil Muse auf Twilight-Soundtracks vertreten ist, genauso wie Bon Iver, Thom Yorke himself und seine Überband Radiohead – Lykke Li nicht zu vergessen.

    Zum Thema Olympia muss ich sagen, dass ich mich erst erschrocken hatte. Als ich dann das Stück hörte, wunderte ich mich, wie sehr Olympia den Schritt Richtung Rock geht.

    Die Vinyl-Ausführung ist genial. Bis auf – du hast Recht – den fehlenden Download-Code.

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