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	<title>Eleventh-Street-Kidz</title>
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	<description>Deutschlands Erste Rock&#38;Roll Kolumne // Germanys First Rock&#38;Roll Column</description>
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		<title>Loudon Wainwright III-Older Than My Old Man Now</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 16:25:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daisy Glaze</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Familie, Altern, Tod: Das ist normalerweise nicht der Stoff, aus dem humorvolle Songs gemacht werden. Es sei denn, der Autor heißt Loudon Wainwright. Mit einer ganzen Reihe Gastmusiker nahm er ein Album auf, das zugleich tieftraurig und brüllend komisch ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-3157 alignleft" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/lw3-1.jpg" alt="" width="250" height="250" />Es scheint der Frühling der alten Männer zu sein: Nach<em> Dr. John</em> und <em>Ray Wylie Hubbard</em> hat nun auch <em>Loudon Wainwright III</em> ein großartiges neues Album aufgenommen. Bei ihm dreht sich aber auch tatsächlich alles um Altern: <em>Older Than My Old Man Now</em> heißt das Werk. Loudon Wainwright, Jr. starb mit 63 Jahren, sein Sohn ist mittlerweile 65 Jahre alt, also „older than my old man ever was“. Das lässt ihn über die große Themen des Lebens philosophieren: Liebe, Tod und alles was irgendwie dazu gehört. Das ist vor allem die Familie. Die nimmt seit jeher einen prominenten Status in <em>Wainwrights</em> Oeuvre ein, was Tochter <em>Martha</em> zu der Aussage verleitete, ihr Vater würde lieber Songs über seine Kinder schreiben als sich mit ihnen persönlich abzugeben. Sie wiederum widmete ihm ein Lied mit dem zärtlichen Titel <em>Bloody Mother Fucking Asshole</em>. Für <em>Older Than My Old Man Now</em> scheint man sich aber zumindest kurzfristig zusammengerauft zu haben: Auf dem Album haben nicht nur alle vier <em>Wainwright</em>-Sprösslinge einen Gastauftritt, auch die eine oder andere Ex-Frau ist mit von der Partie, so wie mehrere Musiker, die nicht mit <em>LW3</em> verwandt sind.</p>
<p>Und selbst Loudon Jr. taucht auf, quasi als Geist der Vergangenheit. Auf dem Titeltrack und <em>The Days That We Die</em> liest der Sohn zwei seiner Essays (der Vater war Kolumnist für <em>Life</em>), die sehr gut zum Thema passen. Auf letzterem duettiert <em>Wainwright</em> mit Sohn <em>Rufus</em>, der ebenfalls gerade ein neues Album veröffentlicht hat, über das Dilemma familiärer Zwistigkeiten: „Why in this world can’t we get along? Each victory should be good news, but when I have to win you’re the one that’ll lose.” Ähnlich <em>All in a Family</em>: “No one wins in a family war” singen <em>LW3</em> und Tochter <em>Lucy Wainwright-Roche</em>, und “What family is not insane?” Richtig traurig wird es bei <em>Somebody Else</em>, wenn er feststellen muss, dass mal wieder jemand, den er kennt, gestorben ist. Man fragt sich, ob <em>Loudon</em> dabei auch an seine erste Frau, die Folksängerin <em>Kate McGarrigle</em> gedacht hat, die vor zwei Jahren verstorben ist. Deren einziger gemeinsamer Song <em>Over the Hill</em> von 1975 ist übrigens auch auf dem Album vertreten.</p>
<p><a href="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/lw3-2.jpg"><img class="size-full wp-image-3158 alignright" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/lw3-2.jpg" alt="" width="250" height="250" /></a>Aber <em>Wainwright</em> wäre nicht <em>Wainwright</em>, wenn er nicht auch einige beißend komische Lieder im Programm hätte. <em>Ghost Blues</em> handelt vom Leben nach dem Tod („The day that I died I knew I was toast/the next day I was hanging out with Marley’s ghost”), in <em>My Meds</em> geht es um die Pillen, die man im Alter von seinem Arzt so reingedrückt bekommt: „If the side effects don’t kill me, my meds might save my life.” Die Krönung ist allerdings ein Song namens <em>I Remember Sex</em>, in dem <em>LW3</em> mit <em>Dame Edna Everage</em> (alias <em>Barry Humphries</em>) über die unfreiwillige Enthaltsamkeit singt, die sich ab einem gewissen Alter einzuschleichen scheint: „I remember sex, I started on my own/when you and I stopped having it, I tried it on the phone/but that was so expensive!“ usw. Abgesehen von <em>Randy Newman</em> fällt mir niemand ein, der so unterhaltsame Songs über das Altern schreiben kann.  Auch wenn die Texte das Beste an dem Album sind, ist es auch musikalisch durchaus ansprechend – und abwechslungsreich. Insgesamt ist es leicht bluesig angehaucht, insbesondere beim Titelsong und <em>The Here &amp; The Now</em>, aber es gibt auch hübsche Klavierballaden wie <em>In C</em> oder <em>The Days That We Die</em>, während das Piano bei <em>My Meds</em> eher ragtimeartig ausfällt. <em>Date Line</em> fasziniert vor allem durch die Bläser- und Akkordeon-Begleitung; die <em>Ramblin’-Jack-Elliott</em>-Kollaboration <em>Double Lifetime</em> hingegen ist ein waschechter Sixites-Folksong im Stil von <em>Bob Dylan</em>. Und mit <em>Interlude</em> gibt es sogar noch ein klassisches Instrumentalstück.</p>
<p>Nach seinem exquisiten <em>Charlie Poole Project</em> war ich mir nicht sicher, ob <em>Wainwright</em> noch einmal etwas ähnlich Gutes zustande bringt. Wie schön, dass ich mich getäuscht habe. <em>Older Than My Old Man Now</em> ist ein Album voller wunderbarer Songs, bei denen man oft nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Am besten ist wohl beides.</p>
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		<title>Ray Wylie Hubbard-The Grifters Hymnal</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Apr 2012 18:39:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daisy Glaze</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bluesrock- Freunde aufgepasst: Ray Wylie Hubbard präsentiert 12 neue Songs zwischen Himmel und Hölle.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="size-full wp-image-3139 alignleft" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/rwh1.jpg" alt="" width="250" height="250" />Ray Wylie Hubbards</em> letztes Album hat gleich auf zweifache Weise Aufsehen erregt: Einmal durch das Cover, auf dem er in der einen Hand ein Schwert und in der anderen seinen Kopf hält und dann durch den ungewöhnlichen Titel <em>A: Enlightenment B: Endarkenment (Hint: There Is No C)</em>. Sein neues Album kommt da eher schlicht daher, zumindest äußerlich. Inhaltlich kann es aber sowohl von der Gestaltung als von auch der Qualität an den Vorgänger anschließen. <em>Ray Wylie Hubbard</em> &#8211; das ist rauer, dreckigen Bluesrock at its best. Wer es gerne ursprünglich ohne viel Schnickschnack mag, der ist hier genau richtig. Die oft karge Musik paart sich mit einer Wortgewaltigkeit und einem Eifer, die an alttestamentarische Propheten erinnern.</p>
<p><img class="size-full wp-image-3140 alignright" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/rwh2.jpg" alt="" width="250" height="250" />Den Auftakt macht <em>Coricidin Bottle</em>, in dem sich Hubbard whiskeygeschwängerte Stimme mit den heulenden Gitarrensoli seines Sohnes <em>Lucas</em> abwechseln. <em>Lazarus</em> besticht durch knorrige, akustische Slides, während <em>Hubbard</em> angesichts Amerikas Unzulänglichkeiten trocken resümiert: At least we ain’t Lazarus and had to think twice about dyin’. Passend dazu geht es mit der musikalischen Höllenfahrt <em>New Year’s Eve at the Gates of Hell</em> weiter, die vor beißendem Spott nur so trieft: Seems God outsources his work to the devil. <em>Mother Blues</em> hingegen wartet mit fast filmreifen Lyrics auf. Mit seinem erdigen Sound erinnert <em>Hubbard</em> oft an Texasbluesgrößen wie <em>Lightnin’ Hopkins</em> oder <em>Mance Lipscomb</em>, vor allem auf <em>Count My Blessings</em> oder <em>Coochy Coochy</em>, bei dem <em>Ringo Starr</em> einen Gastauftritt hat. Gitarre, Banjo, Schlagzeug – viel mehr braucht der Mann meist nicht, um seine Songs in Szene zu setzen. Es gibt aber auch umfangreicher instrumentierte Titel mit einem Hauch Honkytonk wie <em>South of the River</em> oder <em>Henhouse</em>, die durch <em>Ian McLagan</em> am Klavier versüßt werden. Wie auch bei <em>Dr. John</em> ist der letzte Song eine Gospel-Nummer, doch bei <em>Hubbard</em> ist diese wenig erhebend. Ein dunkler Moll-Blues, dessen instrumentale Begleitung immer weiter abnimmt, bis nur noch <em>Hubbards</em> Stimme übrigbleibt: When death comes knocking ask God to open the door.</p>
<p>Fazit: <em>The Grifter’s Hymnal</em> ist ein gewaltiges, faszinierendes Album. Wer den guten, alten handgemachten Blues liebt, dem kann ich es nur sehr empfehlen.</p>
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		<title>Dr. John-Locked Down</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Apr 2012 19:22:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daisy Glaze</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Welcome to Funkytown: Mit seinem neuen Album bringt Dr. John den Sumpf zum Kochen. Produziert hat das Werk Dan Auerbach von den Black Keys.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-3125 alignleft" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/drjohn1.jpg" alt="" width="250" height="250" />Schon das Cover ist überwältigend: Ein alter Mann mit ergrautem Bart, der eine wilde Maske aus Federn, Perlen und Bändern auf dem Kopf trägt. Es handelt sich um <em>Dr. John</em> alias <em>Mac Rebennack</em>, The Godfather of Voodoo Music, der wie kaum ein anderer für das reiche musikalische Erbe New Orleans’ steht. Nach dem eher durchwachsenen letzten Album <em>Tribal</em> holte sich der Doktor für sein neuestes Werk <em>Dan Auerbach</em> mit ins Boot. Ein Altersunterschied von fast 40 Jahren zwischen Künstler und Produzent, kann das funktionieren? Ja, es kann. Ausgesprochen gut sogar. Die beiden konzentrieren sich auf das, was <em>Rebennack</em> am besten kann: Eine Vielzahl musikalischer Genres zu einem ganz eigenen Sound verarbeiten. <em>Locked Down</em> ist eine wilde Mischung aus Blues, Funk, Swamp Rock, Jazz, Afrobeat, Soul und Gospel. Das ist überraschend stimmig und vor allem unfassbar gut.</p>
<p><img class="size-full wp-image-3126 alignright" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/drjohn2.jpg" alt="" width="250" height="250" /><em>Locked Down</em> beginnt unscheinbar mit Vogelrufen und Hundegebell, doch dann setzt eine griffige Basslinie ein gefolgt vom packenden „Ha!“ des Backgroundchores, und schon ist man mittendrin in <em>Dr. Johns</em> Voodoozeremonie, die einen augenblicklich in ihren Bann zieht. Das ganze Album verfügt über einen Retrosound, der stark an die Musik der Sechziger und Siebziger erinnert. <em>Revolution</em> etwa beginnt mit einem funkigen Bläsersatz, während der Doktor wütend predigt: “Blind eyes of power, blind eyes of justice/dumb moves of money left us in a desperate hour.”, in Anspielung auf Katrina und die Ölpest im Golf von Mexico. Angeheizt wird <em>Dr. Johns</em> Ärger vom treibenden Schlagzeug, einem Elektroorgelsolo und dem höchst eingängigen Motiv des Baritonsaxophons. Das ist düster, dämonisch und unwiderstehlich. Jeder Song ist ein Volltreffer. <em>Big Shot</em> hat eine Coolness, die an <em>Tom Waits</em> erinnert; <em>Ice Age</em> paart afrikanische Trommeln und fette Orgelsounds mit Pessimismus und Hoffnunglosigkeit: “KKK, CIA all playin’ in the same… now you’re hanging at the end of a rope.“ <em>Auerbachs</em> Einfluss wird besonders auf <em>Getaway</em> spürbar, für das er ein monströs aufheulendes Solo beisteuert. Auf <em>Eleggua</em> beschwört <em>Dr. John</em> die Geister, während <em>My Children, My Angels</em> von der Bitte um Vergebung geprägt ist. Am Ende wartet die Erlösung: <em>God’s Sure Good</em> ist ein erhebender Gospelsong, versüßt mit dem beseelten Gesang der <em>McCrary-Schwestern</em>, der das Album doch noch auf einer positiven Note enden lässt. „God knows I’m okay.“</p>
<p><em>Locked Down</em> ist ein facettenreiches, höchst infektiöses Album, das Endzeitvisionen mit einer Musik kombiniert, die so schwül und sexy ist wie zuletzt vielleicht der Soundtrack zu <em>Shaft</em>. In gewisser Weise erinnert es mich an <em>You Are Not Alone</em> von <em>Mavis Staples</em>. Auch <em>Staples</em> hatte ein wesentlich jüngerer Produzent, <em>Jeff Tweedy</em> von <em>Wilco</em>, zu einem zweiten Frühling verholfen. <em>Locked Down</em> beweist, dass das Mojo des 71-jährigen <em>Rebennack</em> noch immer intakt ist. Mit <em>Auerbachs</em> Hilfe ist ihm ein spätes Meisterwerk gelungen, das hoffentlich nicht ohne Fortsetzung bleibt.</p>
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		<title>Randy Newman-Live at Jahrhunderthalle Bochum-18.03.2012</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Mar 2012 16:34:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daisy Glaze</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Traum wird wahr, Teil 2: Der göttliche Randy Newman war nach langer Zeit endlich mal wieder in Deutschland zu sehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left"><img class="size-full wp-image-3110 alignleft" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/randy1.jpg" alt="" width="250" height="250" />Mit dem <em>Jayhawks</em>-Konzert in Köln hatte sich ja schon ein großer Traum für mich erfüllt, noch größer war jedoch meine Überraschung, als ich erfuhr, dass der unvergleichliche <em>Randy Newman</em> auf Deutschland-Tour geht und nur zwei Tage nach den<em> Jayhawks</em> der Jahrhunderthalle Bochum einen Besuch abstatten würde. Ich glaube kaum, dass ich jemandem klar machen kann, was <em>Randy Newman</em> mir bedeutet. Abgesehen von <em>Bob Dylan</em> gibt es keinen Musiker, den ich mehr verehre. <em>Randy</em> ist nicht nur ein großartiger Komponist, sondern auch der wahrscheinlich witzigste Mensch der Welt. Niemand kann so tief sarkastische, bitterböse Texte schreiben und sie in so beschwingte, geradezu gershwineske Melodien verpacken. Was nicht bedeutet, dass er nicht auch im ernsten Fach zu Hause ist, im Gegenteil. Und dann ist da natürlich noch seine Filmmusik, für die er in erster Linie berühmt ist, vielleicht ein bisschen zu Unrecht. Ich hatte es schon fast abgeschrieben, den guten, alten <em>Randy</em> noch einmal live zu sehen, schließlich ist er mit seinen 68 Jahren auch nicht mehr der Jüngste und so weit ich weiß spielt er sowieso nicht gerne vor Publikum. Von daher war ich schon erstaunt zu erfahren, dass er in diesem Jahr auf eine recht umfangreiche Deutschlandtour geht. Der einzige Termin in Westdeutschland war überraschenderweise in Bochum, was mir sehr gelegen kam.</p>
<p style="text-align: left">Mir war natürlich klar, warum ich da in der (ziemlich schönen) Jahrhunderthalle saß, trotzdem war ich so überrascht und überwältigt, als <em>Randy Newman</em> um kurz nach acht die Bühne betrat. Er war noch kleiner als ich ihn mir vorgestellt hatte und auch sein Alter war ihm anzusehen. Seine Finger sind jedoch so flink wie eh und je; im Vergleich zu den Studioaufnahmen hatte er das Tempo sogar noch einmal angezogen. Dazu kommt natürlich seine einzigartige Knödelstimme, die jemand mal sehr passend als „Amerikas Schluckauf“ bezeichnet hat. Den Auftakt machte <em>Lover’s Prayer</em>, in dem der Protagonist um eine Partnerin bittet, nicht ohne eine ganze Reihe an Bedingungen nachzuschieben, gefolgt vom bezaubernden <em>Jolly Coppers on Parade</em>. Wie auch die <em>Jayhawks</em> konzentrierte sich <em>Newman</em> nicht auf sein letztes Album <em>Harps &amp; Angels</em> (dessen Veröffentlichung mittlerweile auch schon fast vier Jahre zurückliegt) sondern präsentierte Songs von so ziemlich allen Alben aus seiner über vierzigjährigen Karriere. Ein erster Höhepunkt war <em>Bad News From Home</em> von seinem autobiographischsten Album <em>Land of Dreams</em>, das live sogar noch dunkler und intimer klang, inklusive der finalen Killerzeile „You said you loved me but I know you lied“.</p>
<p><img class="size-full wp-image-3112 alignright" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/randy3.jpg" alt="" width="276" height="275" />Zwischen den Songs redete <em>Newman</em> gar nicht so viel, wie ich erwartet hatte, was bei seinem schwarzen Humor fast ein bisschen schade war. Er erwähnte unter anderem, wie toll er die Location fand, nur um daraufhin <em>Mama Told Me Not to Come</em> zu spielen. Trotzdem glaube ich, dass er es nicht nur aus Höflichkeit gesagt hat. Da seine erste Frau aus Duisburg stammt, kennt er das Ruhrgebiet wahrscheinlich auch recht gut. Seine langjährige Beziehung zu Pixar kam natürlich ebenfalls zur Sprache. Für die hatte er einen seiner bekanntesten Songs geschrieben: <em>You’ve Got a Friend in Me</em>, den er auch an diesem Abend spielte. Das Publikum durfte auch gelegentlich mitmachen, unter anderem bei <em>I’m Dead (But I Don’t Know It)</em>, das von Rockstars handelt, die einfach nicht wissen wann Schluss ist. <em>Newman</em> spottet: „Alle die 1973 auf Tour waren sind es auch heute noch.“ Die Zuschauer warfen beim Refrain ihr „He’s dead! He’s dead!“ ein, gefolgt von „You’re dead!!!“ am Schluss, das leider nicht ganz so fies herauskam, wie <em>Newman</em> es sich erhofft hatte. Bei <em>Rider in the Rain</em> durfte das Publikum den <em>Eagles</em>-Ersatz machen, was etwas besser funktionierte.</p>
<p><img class="size-medium wp-image-3113 alignleft" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/randy4-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" />Er spielte eine ganze Reihe meiner Lieblingssongs, z.B. <em>Last Night I Had A Dream</em> oder <em>Losing You</em>, der vielleicht traurigste Song aller Zeiten. Da er solo unterwegs war, musste er ein bisschen improvisieren, z.B. bei <em>Red Bandana</em>, wo er das Kirmesmusikintro auf dem Klavier nachahmte, oder <em>Harps &amp; Angels</em>, bei dem er selbst den Engelchor gab, was sich natürlich nicht ganz so himmlisch anhörte. Besonders bewegend waren sein vielleicht bester Song <em>In Germany Before The War</em>, das von einem Kindermörder handelt und <em>Louisiana 1927</em>, das die große Mississippiflut zum Thema hat. In erster Linie gab es aber viel zu lachen, vor allem bei seinen besonders bösen Songs wie <em>Sail Away</em>, <em>Political Science</em> oder <em>The Great Nations of Europe</em>, in denen er so spaßige Themen wie Sklavenhandel, Atombomben und Imperialismus verarbeitet. Auch sein einziger Hit <em>Short People</em> gehört in diese Kategorie. In Deutschland wird er in letzter Zeit immer auf <em>The World Isn’t Fair</em> angesprochen, weil Karl Marx dort einen Auftritt hat, oder wie <em>Randy</em> sagt: „Ich wollte über die Einschulung meiner Kinder schreiben, aber damit es sich nicht so trivial anhört, habe ich die Gründe für das Scheitern des Marxismus mit eingebaut.“ Sehr gefreut habe ich mich auch über <em>Dixie Flyer</em>, das mir besonders viel bedeutet, weil dies der Song ist, bei dem ich mich in seine Musik verliebt habe.</p>
<p>Als Zugabe spielte er <em>Rollin’</em>, einen seiner kleineren Songs und, für mich der Höhepunkt, <em>I Think It’s Going to Rain Today</em>, seine Abrechnung mit einer Gesellschaft, der es an Empathie und Menschlichkeit mangelt. Es wird ja oft übersehen, dass <em>Newman</em> eigentlich ein großer Humanist ist. Nach gut zwei Stunden war leider alles vorbei. Er hätte natürlich noch mindestens weitere zwei Stunden mit Songs füllen können, für die die meisten Musiker einen Mord begehen würden, aber ich sehe ein, dass das wohl den Rahmen sprengt. Ihn endlich einmal persönlich zu erleben war auch so ein unvergessliches Ereignis. Ein perfektes, wenn man mal von dem Pärchen neben mir absieht, dass die ganze Zeit gequatscht hat. Ich werde wohl nie verstehen, wieso jemand 70 Euro für ein Ticket ausgibt nur um dann die ganze Zeit zu schnattern. Aber ich schweife ab. Was ich sagen will: Wenn ihr noch nicht alle <em>Randy</em>-<em>Newman</em>-Alben habt, holt das auf der Stelle nach! <em>Randy</em> ist ein Unikat und kenne kaum einen Künstler, der einen auf so viele verschiedene Arten begeistern kann. Einfach unvergleichlich.</p>
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		<title>The Jayhawks-Live at Kantine Koeln-16.03.2012</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Mar 2012 17:35:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daisy Glaze</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Traum wird wahr: Nach ihrer Reunion im letzten Jahr waren die legendären Jayhawks nun auch live zu erleben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-3087 alignleft" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/jayhawks1-300x245.jpg" alt="" width="300" height="245" />In meiner Jahresbestenliste hatte ich ja schon ausführlicher erwähnt, wie sehr ich mich darüber gefreut habe, dass sich die <em>Jayhawks</em> wieder zusammen getan und ein neues Album, das wunderbare <em>Mockingbird Time</em>, aufgenommen haben. Seit ich sie zum ersten Mal gehört habe (2004 war das glaube ich), habe ich davon geträumt, die Band live zu sehen. Lange Zeit jedoch sah es nicht so aus, als ob ich jemals die Gelegenheit dazu bekommen würde. 2007 durfte ich immerhin <em>Mark Olson</em> auf der Bühne erleben, als er sein grandioses Soloalbum <em>The Salvation Blues</em> vorstellte. Nach der Veröffentlichung von <em>Mockingbird Time</em> habe ich mir wieder Hoffnung gemacht, doch noch ein <em>Jayhawks</em>-Konzert besuchen zu dürfen, auch wenn <em>Gary Louris</em> zunächst verlauten ließ, dass in Deutschland mangels Fans keine Shows geplant seien. Kurz darauf schienen sie aber ihre Meinung geändert zu haben und verkündeten eine Deutschlandtour für März. Das konnte ich mir natürlich unter keinen Umständen entgehen lassen und so machte mich auf den Weg nach Köln.</p>
<p><img class="size-full wp-image-3088 alignright" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/jayhawks2.jpg" alt="" width="250" height="250" />Leider begann der Abend mit einer kleinen Enttäuschung: Eigentlich sollte es um acht los gehen, doch als wir um 19:30 Uhr die Kantine betraten, kündigte der Support <em>Richmond Fontaine</em> bereits seinen letzten Song an. Wenn als Beginn 20 Uhr angegeben ist, dann geht man doch davon aus, dass die Vorband um diese Zeit loslegt, zumal auch erst um sieben Einlass war. <em>Richmond Fontaine</em> habe ich vor zwei Jahren schon live gesehen und sie haben mir echt gut gefallen, von daher hätte ich sie gerne noch einmal gehört, aber das war halt Pech. Alles war jedoch vergessen, als die <em>Jayhawks</em> um Punkt Acht die Bühne betraten. <em>Mark Olson</em> sah mit seinen Wuschelhaaren und übergroßen Klamotten mal wieder so aus, als wäre er gerade erst aufgestanden, sodass <em>Gary Louris</em> in seinem schlichten Hemd dagegen richtig elegant wirkte. Los ging es mit <em>Wichita</em> von ihrem Opus Magnum <em>Hollywood Town Hall</em>. Der Song hörte sich noch genau so frisch an wie vor 20 Jahren und auch die lange Trennung hat bei <em>Olson</em> und <em>Louris</em> anscheinend keine Spuren hinterlassen, denn die beiden harmonieren immer noch sehr gut. Zwischen den Songs tuschelten die zwei auch immer wieder miteinander und schienen viel Spaß zu haben. Manchmal hätte ich mir gewünscht, sie hätten das Publikum etwas mehr daran teilhaben lassen, aber es war auch schön, sie einfach gemeinsam auf der Bühne zu sehen. Weiter ging es mit einem der neuen Songs, <em>Cinnamon Love</em>. Das Quintett spielte überraschend wenig von <em>Mockingbird Time</em>, sondern bot eher ein Best of ihrer gesamten Karriere dar. Dabei spielten sie sowohl Country-Rock-Nummern wie <em>Take Me With You When You Go</em> oder <em>Tiny Arrows</em> wie auch die poppigeren Sachen à la <em>Miss Williams’ Guitar</em> oder <em>She Walks In So Many Ways</em>. Am meisten gefreut habe ich mich über <em>Blue</em>, bei dem der Harmoniegesang der Band besonders umwerfend ist.</p>
<p><img class="size-full wp-image-3090 alignleft" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/jayhawks4.jpg" alt="" width="250" height="250" />Aber auch Songs aus der Zeit ohne <em>Olson</em> waren vertreten, wie etwa <em>Angelyne</em> oder <em>A Break In The Clouds</em>. Bei letzterem sang <em>Louris</em> im Duett mit Pianistin <em>Karen Grotberg</em>, deren Qualitäten auf der Bühne erst so richtig zur Geltung kamen. Zum Glück, denn ihr locker-flockiges Klavierspiel ist eine wunderbare Ergänzung zu <em>Louris</em>’ vibratoverstärkten Gitarrensoli. Im Gegenzug durfte <em>Olson</em> einen seiner Solosongs singen, und zwar <em>Clifton Bridge</em> von <em>The Salvation Blues</em>. Mittendrin erklangen aber plötzlich wuchtige Basssounds, die nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker reichlich verwunderten. „Das ist unser neuer Sound.“, scherzte <em>Louris</em> anschließend. Eine weitere Überraschung war die wunderbare Version des traditionellen Gospelsongs <em>Up Above My Head</em>. Für die Zugabe durfte Drummer <em>Tim O’Reagan</em> ans Mikrofon, der seinen Song <em>Tampa to Tulsa</em> präsentierte. Im Anschluss legte <em>Olson</em> die Akustikgitarre ab, löste das Mikro vom Ständer und sang in Crooner-Pose <em>How Can I Send Tonight There to Tell You</em> aus seiner Zeit mit den <em>Creekdippers</em>. Den krönenden Abschluss bildete natürlich <em>Waiting For The Sun</em>, ihr vielleicht bester Song, der live sogar noch einmal überwältigender ist als auf Platte.</p>
<p>Nach gut anderthalb Stunden, die wie im Flug vergingen, war leider endgültig Schluss. Ich hätte ihnen noch endlos zuhören können! Es war so schön, die <em>Jayhawks</em> zusammen auf der Bühne zu sehen. Sie sind einfach klasse Musiker und unglaublich sympathisch. Meiner Meinung nach haben sie ihre optimale Besetzung gefunden und ich bin schon sehr gespannt, was wir in Zukunft noch von ihren hören dürfen. Übrigens: Zwei Tage später wurde diese einmalige Konzerterfahrung sogar noch getoppt. Von wem, das erfahrt ihr beim nächsten Mal. Stay tuned!</p>
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		<title>Lee Ranaldo-Between The Times And The Tides</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Mar 2012 19:06:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tidl</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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		<category><![CDATA[Between The Times And The Tides]]></category>
		<category><![CDATA[Jim O' Rouke]]></category>
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		<category><![CDATA[Noise-Rock]]></category>
		<category><![CDATA[Sonic Youth]]></category>
		<category><![CDATA[Steve Shelley]]></category>
		<category><![CDATA[Thurston Moore Demolished Thoughts]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit Between The Times And The Tides distanziert sich Sonic Youth-Gitarrist Lee Ranaldos vom Noise und liefert sein erstes nicht reines Instrumentalalbum ab.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="size-full wp-image-3071 alignleft" style="border: 0pt none;margin-top: 0px;margin-bottom: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/cover1.jpg" alt="" width="250" height="250" />Sonic Youth</em> ist tot. Zumindest vorübergehend. Das bedeutet aber nicht, dass die Mitglieder untätig sind. Während <em>Thurston Moore</em> weiterhin fleißig mit seiner <em>Demolished Thoughts</em>-Platte tourt und <em>Steve Shelley</em> im Februar mit den <em>Disappears</em> ein Album veröffentlicht hat, kommt diesen Freitag das neunte Soloalbum von <em>Lee Ranaldo</em> raus. <em>Between The Times And The Tides</em> ist <em>Ranaldos</em> erstes nicht reines Instrumentalalbum.<br />
<em>Ranaldo</em> hatte auf den Sonic Youth-Alben häufig das Nachsehen und musste sich mit eins, zwei Songs zufrieden geben, während <em>Moore</em> und <em>Gordon</em> den Gesang dominierten. Das war immer schade und man wünschte sich mehr Songs à la <em>Pipeline/Kill Time</em> (<em>Sister</em>, 1987) oder <em>Karen Koltrane</em> (<em>A Thousand Leaves</em>, 1998), denn <em>Ranaldos</em> Songs gehörten stets zu den Highlights.<br />
<em>Between The Times And The Tides</em> ist nicht so verspielt, wie man es von <em>Ranaldo</em> gewohnt ist. Seine Qualitäten als Leadgitarrist bleiben weitestgehend im Verborgenen, denn die Platte ist ein typisches Singer/Songwriter-Werk. <em>Ranaldos</em> fokussiert die Rhythmusgitarre und überlässt die Lead <em>Wilco</em>s <em>Nels Cline</em>, dessen Sound sich dem von <em>Ranaldo</em> gekonnt anpasst und sogar dafür Sorgt, dass hin und wieder <em>Sonic Youth</em>-Atmophäre aufkommt.<br />
Der Opener <em>Waiting On A Dream</em> kommt mit einem P<em>aint It Black</em>&#8216;schen Riff daher, bevor <em>Ranaldo</em> den Hörer auf eine bilderreiche Fahrt auf den amerikanischen Highways katapultiert. Die Drums von Stammbandkollegen <em>Steve Shelley</em> puschen den Song nochmal ordentlich nach vorne.<img class="size-full wp-image-3072 alignright" style="border: 0pt none;margin-top: 0px;margin-bottom: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/LeeRanaldo1.jpg" alt="" width="250" height="250" /> Neben <em>Shelley</em> und <em>Cline</em> wirken zudem die früheren Sonic Youth-Musiker <em>Bob Bert</em> und <em>Jim O&#8217;Rouke</em> auf der Platte mit.<br />
Noise und No-Wave finden fast nicht statt. Längere Instrumentalparts sind spärlich gesät. Das anfangs verträumte und später bedrückende <em>Xtina As I Knew Her</em> sei hier zu nennen. Und auch die komplexe Grunge-Nummer <em>Fire Island (Phases)</em>, ein Flickwerk aus mindestens drei Songs bietet über Strecken einen interessanten verzerrten Sound und zwei großartige Soli und zollt <em>Neil Young</em>s Spät-Achtziger-/Früh-Neunziger-Sound Tribut, vergisst aber nicht, ihm ein frisches Antlitz zu verpasst.<br />
<em>Ranaldos</em> Ehefrau <em>Leah Singer</em> spricht im wirren Mittelpart von <em>Shout</em> einen <em>stream of consciousness</em> und führt uns damit doch noch zurück zu den ausgeflippten Momenten von <em>Evol</em> (1986) und <em>Sister</em>.<br />
Seine Früheren Alben waren irgendwo zwischen Avantgarde und Zumutung angesiedelt. In Anbetracht dessen kommen die meisten Songs auf <em>Between The Times And The Tides</em> souverän strukturiert und damit auch sehr konservativ rüber. Ein schmaler Grad zwischen Heraufbeschwörung alter Alternative-Geister und altersweiser, unvergänglicher Rockmusik, die über weite Strecken nach vorne zu preschen vermag. Schade eigentlich, dass <em>Lee Ranaldo</em> nicht schon eher ein Singer/Songwriter-Album aufgenommen hat, denn nie zuvor konnte man ihn in dieser Fülle so intim erleben. Ähnlich wie auf <em>Thurston Moores</em> aktueller Platte<em> Demolished Thoughts</em> (2011) bietet auch <em>Between The Times and The Tides</em> einige großartige Stücke, die (fast) ganz ohne Noise auskommen und doch ihren individuellen Wiederekennungswert besitzen.</p>
<p><em>Between The Times And The Tides</em>, VÖ: 16.3.2012; Label: <em>Matador</em></p>
<p>Anspieltipps: <em>Waiting On A Dream, Off The Wall, Fire Island (Phases)</em></p>
<p><a title="Lee Ranaldo Facebook" href="https://www.facebook.com/pages/Lee-Ranaldo-Official/158711314207687" target="_blank">Facebook</a></p>
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		<title>Adam Donen-Vampires</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Mar 2012 18:28:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tidl</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Adam Donen]]></category>
		<category><![CDATA[Songs & Whispers]]></category>
		<category><![CDATA[Sophia]]></category>
		<category><![CDATA[The Cure]]></category>
		<category><![CDATA[Vampires]]></category>

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		<description><![CDATA[Das neue Album des Komponisten, Poeten und Schauspielers Adam Donen: Ein lyrisches Monstrum, an dem ich einige Federn ließ.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-3054 alignleft" style="border: 0pt none;margin-top: 0px;margin-bottom: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/Vampires-Cover.jpg" alt="" width="250" height="250" />Hinter einer Fassade aus klar strukturierten Melodien und interessanten, doch eingängigen Arrangements verbirgt sich ein lyrisches Monstrum, an dem ich einige Federn ließ, ohne es vollends begreifen zu können.<br />
Unter dem Deckmantel Folk kommt <em>Vampires</em> musikalisch vielseitig, dennoch harmonisch rüber. Die Arrangements erinnern stark an das aktuelle<em> Leonard Cohen</em>-Album <em>Old Ideas</em> ohne jedoch ins „unsagbar Kitschige“ gezogen zu werden, wie sich Mr. Kerridge in seiner <em>Cohen</em>-Rezension passend äußert. <em>Vampires</em> fährt ein Orchester auf, klingt aber nur selten überladen-orchestral, vorwiegend nach stimmiger Kammermusik. Mal fröhlich-verträumt wie <em>And There Will Come A Time</em>, mal fast schon apokalyptisch-düster, wie <em>The Circle Game Again</em>.<br />
<em>Donen</em>, der 26-jährige in London lebende Südafrikaner hat das Album im Alleingang geschrieben, arrangiert und produziert. Er selbst spielt auf allen Songs die Gitarre, er spielt Mundharmonika und auch die Percussions sind von ihm eingespielt. Die meisten Songs werden untermalt vom wunderschönen Sopran <em>Sophie Junckers</em>, Siegerin des Londoner Händel-Festivals 2010. Für den Mix und das Mastering war <em>Robert Harder</em> zuständig, der schon mit <em>Kyle Minogue, Brian Eno</em> und den <em>Babyshambles</em> zusammengearbeitet hat. Den symphonischen Höhepunkt feiert <em>Vampires</em> mit <em>Sickle Moon</em>, einem fast sechsminütigen Stück, der dem Orchester alles abverlangt, was es zu bieten hat.<br />
Bereits mit dem grandiosen Opener <em>Sophia</em> lässt die Musik die Augen schließen und man taucht in eine traumhafte Klangwelt ein. Ganz im Gegensatz zu den Lyrics, die äußerst schwer fassbar sind. <em>Donen</em> hat keine Scheu vor Bedeutungsschwere und häufig fragt man sich, ob die Eloquenz nicht schon an eine Hybris grenzt. Der enorm hohe Symbolismus seiner Texte versperrt ihm den Weg Geschichten zu erzählen und es fällt schwer, in seine wirkliche Gefühlswelt einzudringen. Es stellt sich zwangsläufig die Frage, ob er sich nicht hinter seiner Sprachgewandtheit versteckt. Auf der anderen Seite ist die Auseinandersetzung mit seinen Texten eine wahre Freude. Live scheut <em>Donen</em> sich nicht, <em>Rilke</em> zu rezitieren … und zwar auf Deutsch. Auch in seinen Songs finden sich immer wied<img class="size-full wp-image-3052 alignright" style="border: 0pt none;margin-top: 0px;margin-bottom: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/Adam-Donen.jpg" alt="" width="250" height="250" />er Anspielungen auf seine Vorbilder <em>Büchner</em>, <em>Hemingway</em> und <em>Ingmar Bergman</em>: <em>And there will come a time / gold has no more store / and we ask not for whom the bell tolls / for there will be no bell to toll / the very ocean will turn to go</em><em>ld / and the old bitterness will turn to ash / bot grey and invisible: our present and our past / since you asked / There will come a time.</em><br />
Ich könnte ewig damit fortfahren, Textzeilen zu zitieren, denn eine ist großartiger als die andere. Sie handeln von der verlorenen Liebe, trauern ein wenig dem Gestern hinterher, verachten das Heute und sehnen sich erwartungsvoll nach dem Morgen. Es sind seine zeitlosen Vorbilder, die den Stoff für seine Gedanken und Zeilen bieten, deren Themen ihn ständig begleiten und die sich schließlich in seinen Texten wiederfinden. Selten so eindeutig, wie in der oben genannten <em>Hemingway</em>-Hommage in <em>And There Will Come A Time</em>. Es sind Themen, die heute nicht häufig in modernen Songs behandelt werden: Das menschliche Dasein in einer gottlosen Welt, bedeutungslos und von Leid geprägt; das Gefängnis der eigenen Gedanken, die sich niemals vollends anderen Menschen offenbaren lassen; der Glaube nicht etwa aus Liebe und Überzeugung, sondern aus der Angst vor den Konsequenzen der Ungläubigkeit.<br />
Sobald man sich auf die Themen und <em>Donens</em> charismatische Darbietung eingelassen hat, kauft man ihm die Echtheit des Werkes ab. Und trotz seiner scheinbaren Verweigerungshaltung gegenüber modernen Strömungen, kommt er zu keinem Zeitpunkt reaktionär rüber, sondern authentischer, als vieles von dem, was ich sonst höre. Während viele Musiker ihre individuellen Identitätskrisen und die große gesellschaftliche Scheiße unserer Tage allenfalls mit Humor schlucken und krampfhaft zu verarbeiten versuchen, bleibt <em>Adam Donen</em> in seinen Texten und in seiner Präsenz stets ehrlich und da sei ihm auch der hier und da aufkommende Pathos seiner Worte verziehen. <em>Vampires</em> ist in seiner Tiefe eine intellektuelle Herausforderung, doch die gelassenen Federn, von denen ich eingangs gesprochen habe, sind es wert.<br />
Im April und Mai sind weitere Konzerte in Deutschland geplant. Ob er dieses Mal sein eigenes Orchester mitbringt, oder ob er wie im Februar diesen Jahres wieder auf den Musikleistungskurs des Alten Gymnasiums in Bremen zurückgreift, ist leider noch unbekannt.<br />
Aktuell arbeitet <em>Donen</em> gemeinsam mit <em>Roger O&#8217;Donnell</em>, dem Keyboarder von <em>The Cure</em>, an einem Requiem, das im April von einem Orchester in der Londoner Shoreditch Church aufgeführt wird.</p>
<p>Nächste Woche könnt ihr bei den Eleventh Street Kidz ein Interview mit <em>Donen</em> lesen und seid euch jetzt schon sicher: Der Mann hat was zu sagen!</p>
<p><em>Vampires</em>, VÖ: 4.5.2012; Label: <em>Songs &amp; Whispers</em></p>
<p>Anspieltipps: <em>Sophia, And There Will Come A Time, Sickle Moon</em></p>
<p><a title="Adam Donen Official" href="http://www.adamdonen.com/" target="_blank">Offizielle Homepage</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>The Deep Dark Woods-Live at Gigant Cafe Apeldoorn-26.02.2012</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Mar 2012 17:46:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daisy Glaze</dc:creator>
				<category><![CDATA[DasyGlaze-Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Big City Blues]]></category>
		<category><![CDATA[Geoff Hilhorst]]></category>
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		<category><![CDATA[Winter Hours]]></category>

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		<description><![CDATA[Glory, Hallelujah: The Deep Dark Woods haben sich vom heimischen Kanada auf den weiten Weg nach Holland gemacht und Eleventh Street Kidz durfte mit dabei sein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-3038 alignleft" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/ddw2-1.jpg" alt="" width="250" height="250" />So etwas ist mir wirklich noch nie passiert: Da überfliege ich Donnerstagnacht gelangweilt die neuesten Tweets und was entdecke ich da auf einmal? <em>The Deep Dark Woods</em> sind auf Tour in den Niederlanden. Ihr erinnert euch vielleicht: Vor ein paar Monaten habe ich ihr neues Album <em>The Place I Left Behind</em> besprochen und mich darüber ausgelassen, wie grandios diese Band doch ist. Leider ist sie auch ziemlich unbekannt, sodass ich mir nie die Mühe gemacht habe, mir ihre Tourdaten anzusehen, da ich nie damit gerechnet habe, dass sie in diesem Stadium ihrer Karriere nach Europa kommen. Da es nicht viele Bands gibt, die ich so inbrünstig liebe, habe ich erstmal genauer nachgesehen und gebetet, dass einer der Termine in Holland nicht allzu weit entfernt ist von der Grenze. Und tatsächlich: Für den darauffolgenden Sonntag war ein Konzert in Apeldoorn angesetzt, das nur zwei Stunden von meiner Heimatbasis entfernt ist. Und das Beste: Es war umsonst! Zudem fand es nachmittags statt, sodass es von der Zugverbindung her optimal hinhaute. Das kann nur Schicksal sein, dachte ich mir und da ich sonst nichts vorhatte, habe ich mich also am Sonntag auf den Weg nach Apeldoorn gemacht.</p>
<p>Das Gigant ist eigentlich ein Kino, doch nebenan gibt es ein kleines Café, das auch schon brechend voll war, als ich ankam. Die Apeldoorner wissen, was gut ist. Immerhin habe ich noch einen Stehplatz relativ weit vorne bekommen, sodass ich uneingeschränkte Sicht auf die Stars des Nachmittags hatte. Da alles so spontan abgelaufen war, fiel es mir im Vorfeld schwer zu begreifen, dass ich die <em>Deep Dark Woods</em> tatsächlich live sehen würde. Ich war sogar richtig überrascht, als Sänger und Gitarrist <em>Ryan Boldt</em> das Café betrat und meine Vorfreude steigerte sich ins Unermessliche.</p>
<p><img class="size-full wp-image-3039 alignright" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/ddw2-2.jpg" alt="" width="250" height="250" />Die fünf Herren platzierten sich im vorderen Bereich des Cafés vor einer Glaswand, während sich immer mehr Zuschauer um sie herum versammelten. Nach kurzem Soundcheck legte die Band dann gleich mit ihrem vielleicht besten Song los, dem Anti-Kriegs-Epos <em>The Banks of the Leopold Canal</em>. Erst war nur die Gitarre zu hören, doch dann setzte die ganze Band ein, während <em>Boldt</em> mit herzzerreißender Intensität sang „Sitting in the trenches I couldn’t help but curse that cruel bloody war that had taken me from her. Taking me from my sweetheart and the place where I loved to dwell, they shipped me off to the bloody banks of the Leopold Canal.” Live sind die Songs noch mal ein bisschen ausgefeilter als auf Platte und fast jede Nummer beinhaltet mehrere Soli oder endet mit einem ausgedehnten Jam. Dabei zeigt sich immer wieder, was für eine fantastische Idee es war, Keyboarder <em>Geoff Hilhorst</em> in die Band zu holen, der das Publikum immer wieder mit seinen Orgelsoli in Erstaunen und Begeisterung versetzt. Aber auch der Rest der Band muss sich nicht verstecken: <em>Ryan Boldt</em> und <em>Burke Barlow</em> sind zwei hervorragende Gitarristen, die ihrerseits faszinierende Soli produzieren. Hinzu kommen <em>Chris Mason</em> am Bass und <em>Lucas Goetz</em> an den Drums, die <em>Boldt</em> gesanglich mit wunderschönen Harmonien unterstützen.</p>
<p>So erinnern <em>The Deep Dark Woods</em> bei Songs wie <em>River in the Pines</em> oder <em>The Sun Never Shines</em> an <em>Neil Young &amp; Crazy Horse</em> in ihren besten Zeiten. Viele Songs sind flotter und lebhafter als die Albumversionen, allen voran <em>Hang Me, Oh Hang Me</em>, <em>Two Time Loser</em> und <em>Back Alley Blues</em>, das in das düstere, bewegende <em>The Place I Left Behind</em> übergeht. Die Setlist kann sich sehen lassen: In erster Linie sind Songs von <em>The Place I Left Behind</em> und <em>Winter Hours</em> vertreten, aber auch Traditionals wie <em>Lay Down My Dear Siste</em>r und eine sehr berührende Version von <em>Peggy-O</em>. Dabei zeigt sich wieder, wie viele großartige Songs die Band schon geschrieben hat, zumal sie so manche Perle wie <em>As I Roved Out</em>, <em>The Ballad of Frank Dupree</em> oder <em>Polly</em> diesmal außen vor gelassen haben.</p>
<p><img class="size-full wp-image-3040 alignleft" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/ddw2-3.jpg" alt="" width="250" height="250" />Viel zu sagen haben die Jungs nicht, sie lassen lieber ihre Musik für sich sprechen. <em>Ryan Boldt</em> wiederholt mehrmals den Bandnamen wohl in der Annahme, dass das Publikum nicht mit ihnen vertraut ist. CDs kann er auch nicht zum Kauf anbieten, denn die sind schon alle vergriffen. „Wir haben nur mit fünf bis zehn Zuschauern gerechnet, nicht mit so vielen.“, entschuldigt er sich. Zudem wundert er sich, dass sie viele zu einem Nachmittagskonzert gekommen sind, denn ich Kanada würde das niemand tun. Den Abstecher nach Holland haben sie übrigens <em>Geoffs</em> Tante zu verdanken, die Niederländerin ist; sie und ihr Neffe haben auch den Auftritt in Apeldoorn organisiert. Ansonsten ist von <em>Boldt</em> in erster Linie eine Mischung aus „Hey“ und Thank You“ zu hören, die er am Ende jedes Songs von sich gibt. Das ist das Tolle an <em>The Deep Dark Woods</em>: Sie müssen gar nichts sagen. Sie brauchen keine Show, sie können sich einfach irgendwo hinstellen und ihre Songs spielen und damit das Publikum völlig umhauen, einfach weil sie so unfassbar gut sind. Zum Beweis spielen sie als Zugabe das gute zehnminütige <em>Big City Blues</em>, das noch einmal ihr ganzes Können zeigt.</p>
<p>Auch wenn das Konzert respektable zwei Stunden dauerte, war das Publikum doch sichtlich traurig, als es zu Ende war. Ich hätte ihnen sicher noch ewig zuhören können, aber ich war schon unendlich froh, dass ich es überhaupt miterleben durfte. <em>Ryan Boldt</em> hat gesagt, dass sie im Herbst wahrscheinlich noch einmal wiederkommen &#8211; wenn das so ist, dann bin ich auf jeden Fall mit dabei, denn abgesehen von kleinen Soundproblemen am Anfang war es ein perfektes Konzert. Und wenn ich euch (was ich hoffe) neugierig auf die Musik der fünf Männer aus Saskatchewan gemacht habe: Auf thedeepdarkwoods.com gibt es drei Livemitschnitte zum Download. Es lohnt sich!</p>
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		<title>Dr. Dog-Be the Void</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 17:16:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daisy Glaze</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Toby Leaman]]></category>

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		<description><![CDATA[Es rappelt im Karton: Auch auf ihrem neuen Album hat die Band aus Philadelphia viele Überraschungen für den Hörer parat.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-3020 alignleft" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/drdog1.jpg" alt="" width="250" height="250" />Gibt es eigentlich ein Popmusikgenre, das <em>Dr. Dog</em> noch nicht ausprobiert haben? Psychedelic Rock, Indie Pop, Lo-Fi, in welche Schublade hat man die Jungs nicht schon gesteckt, einfach weil so viel unterschiedliche Einflüsse in ihrem Werk auftauchen. Da sind zum Beispiel das psychedelisch angehauchte <em>I Can’t Fly</em>, die beatleske Popnummer <em>My Old Ways</em> oder das soulige <em>Jackie Wants A Black Eye</em> vom letzten Album <em>Shame, Shame</em>, um nur einige zu nennen. Auch <em>Be the Void</em> ist wieder so eine Platte, die sich unmöglich kategorisieren lässt. Ein musikalisches Chaos, das vor Einfallsreichtum nur so strotzt. Im ersten Moment kann einen das ziemlich erschlagen, aber gleichzeitig bieten die Songs so viele Überraschungen, dass man immer wieder etwas Neues entdeckt und das Album so das Potential hat, einen besonders lange zu erfreuen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="size-full wp-image-3021 alignright" style="border: 0pt none;margin: 0px" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/drdog2.jpg" alt="" width="250" height="250" />Den Auftakt macht das stampfende <em>Lonesome</em> mit der Twang-Gitarre, gefolgt von <em>That Old Black Hole</em>, das ebenso wie <em>Get Away</em> und <em>Heavy Light</em> mit Afrobeats experimentiert; dazu kommen noch nach Sturm klingende Soundeffekte. Zwischendurch nimmt der Song so sehr an Fahrt auf, dass man fast überhören könnte, wie pessimistisch er ist: It’s like that old black hole/no matter how you try/you set out each day never to arrive. Die Computerspielsounds bei <em>Warrior Man</em> sind vielleicht etwas albern, aber das wird durch die satte Gitarre wieder wettgemacht. Der letzte Song <em>Turning the Century</em> wartet gar mit einer Sitar auf. Dazu gibt es noch klassische Rocksongs wie <em>These Days</em>, <em>Vampire</em> oder <em>Big Girl</em> mit dem höchst eingängigen Refrain. Abgerundet wird das alles durch die eigentümlichen Stimmen von <em>Toby Leaman</em> und <em>Scott McMicken</em>. Fest zum Line-up gehört seit diesem Album auch Multi-Instrumentalist <em>Dimitri Manos</em>, der in der Vergangenheit schon häufiger für die Band getrommelt hatte.</p>
<p><em>Dr. Dog</em> ist das Kunststück gelungen Songs zu schreiben, die sowohl komplex sind als auch über eine geradezu unverschämte Ohrwurmqualität verfügen, also genauso, wie Popmusik sein sollte. Meine Empfehlung: Stürzt euch ins Getümmel und lasst euch überwältigen von diesem fabelhaften Album.</p>
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		<title>Vierkanttretlager</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 16:42:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Juli</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vierkanttretlager waren zu Besuch auf der Treue, um ihr neues Album vorzustellen. Mal aufmüpfig, mal ganz ruhig, mal auf die Fresse. Aber immer mit Herz und viel Verstand zwischen den Zeilen und Takten. Menschlich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Georgia, serif;"><span style="font-size: small;"><img class="alignleft size-full wp-image-2986" style="border-style: initial; border-color: initial; border-width: 0px; margin: 0px;" src="http://www.11strkidz.de/wp-content/uploads/cover.jpg" alt="" width="250" height="250" />Minus 10 Grad und eisiger Wind. Bremen am vergangenen Donnerstag Abend. Ein paar Gestalten zittern sich die Treppen zur MS Treue hinunter. Bloß nicht hinfallen. Geschafft. Schnell doch das Wegbier leer machen und dann ab in ins Warme.</span></span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Georgia, serif;"><span style="font-size: small;">Unten im Laderaum sitzen, stehen, tänzeln etwa 20 Leute. Das ist angesichts der Band, die in wenigen Minuten spielen wird, leider echt wenig Publikum. Waren doch die ersten Shows der Mini-Release-Tour restlos ausverkauft. Schieben wir es einfach mal aufs Wetter&#8230; Dann geht’s los. Licht an. Sound aufdrehen. Genießen. „Treue schwören“ bis zum letzten Song, freut die Band sich. <em>Vierkanttretlager</em> gefallen. Sogar sehr. Leider sind die, in dicke Jacken gepackten Leute nicht im Bewegungsmodus. Lieber am Bier festhalten. Aber für ungefähr eine Stunde nehmen uns die Husumer mit auf einen Besuch in ihre Köpfe und die Heimat. <em>Die graue Stadt am Meer.</em> Man denkt an kleine Fachwerkhäuser, Sonne, die durch die Wolken bricht und Opas, die in Hafenklausen Lütt un Lütt trinken. </span></span></span><span class="Apple-style-span" style="font-family: Georgia, serif; font-size: small;">Aber <em>Vierkanttretlager</em> können mehr. Mal aufmüpfig, mal ganz ruhig, mal auf die Fresse. Aber immer mit Herz und viel Verstand zwischen den Zeilen und Takten. Menschlich.</span></p>
<p><span class="Apple-style-span" style="font-family: Georgia, serif; font-size: small;">Nun haben sie ihr erstes Album <em>Die Natur greift an</em> veröffentlicht, Beat Gottwald im Rücken und die vier Jungs waren schon Support von <em>Casper</em>. Nicht übel für Anfang 20. <em>Dirk von Lotow</em>, oder <em>Jan Plewka</em> wären bestimmt ein wenig neidisch auf die Schreiberqualitäten von Sänger <em>Max Leßmann</em>. Früher schrieb er Gedichte. Und beim Hören der Songs wünscht man sich sich ein paar Zeilen mehr merken zu können, um sie zu zitieren. So gut sind die Texte. So fanden sich <em>Leif, Momme, Max</em> und <em>Christian</em> nach und nach zusammen und machten das, was man halt so auf dem Land tut. Was besonderes starten. Musik machen. Sonst erschlägt einen ja auch die trügerische Weite und die Routine, die Erwartungen der Anderen. Das Album ist eine Sammlung der letzten fünf, sechs Jahre. Verpackt in 12 Songs. Ich hab das Album zum ersten Mal zu Hause, auf der Insel, gehört. Hat gepasst. Der manchmal leicht melancholische Sound, die Euphorie und manchmal auch die angenehme Trägheit der Songs erinnern an regennaßes Wetter, weiten Himmel und die angenehme Vertrautheit der Heimat. Das alles ohne altklug, oder ermüdend zu klingen. Im Sportunterricht hätte man für so einen tollen Spagat ne glatte 1 bekommen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Georgia, serif;"><span style="font-size: small;">Mittlerweile sind die Konzertbesucher etwas lockerer geworden. <em>Christian</em> schnallt sich ein Schifferklavier um. Das Licht wird gedimmt. Und man freut sich, den Song <em>Fotoalbum</em> auf einem Dampfer zu hören. Mitschunkeln. Aber nur ein wenig. Leider. Viel zu schnell geht die Zeit rum. Die scheuen Bremer klatschen die Vier </span></span></span><span class="Apple-style-span" style="font-family: Georgia, serif; font-size: small;">noch mal aus dem Backstage. Schluss. Aus. Raus.<br />
Noch ein Bier. Quatschen. Ab in die dunkle Kälte.</span></p>
<p><em>Die Natur greift an</em>, VÖ: 27.01.2012; Label: <em>Skrotzki &amp; Kempf</em></p>
<p>Anspieltipps: <em>Nur die Sonne</em>, <em>Fotoalbum</em>, <em>Mein Ruf</em> und <em>Mit jedem seiner milden Blicke</em></p>
<p><a title="Offizielle Homepage" href="www.vierkanttretlager.de">Offizielle Homepage</a></p>
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